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Klang² im Test: Interaktives Spiel mit App und Holzplättchen

08.01.2021 | 09:03 Uhr | Thomas Hartmann

Mit Klang² als App und hochwertigem Material lassen sich im Stile eines auditiven Memorys spannende Spielrunden verbringen – das Angebot ist noch ausbaufähig.

Klang² (sprich: Klangquadrat) ist eine originelle Spielidee, die das Smartphone mit der realen Außenwelt, in diesem Fall Klangquadraten aus Holz oder Buchbinderpappe, zusammenbringt. Vorausgesetzt wird auf dem iPhone oder Android-Gerät ein NFC-Reader. Damit ”scannt” man jeweils ein Quadrat, hört je nach Spielthema den zugehörigen Klang, etwa vom Tier oder eine Nationalhymne. Schließlich sucht man wie in einem klassischen Memory-Spiel die passende zweite Karte. Und das idealerweise im Wechsel mit anderen Spielern, obwohl es auch allein funktioniert.

Durch die ”Höhle der Löwen”

Die Idee dazu hatte Sebastian Oberlin, der Violine spielt und Geigenbauer ist. Und als Partner Adrian Rennert. Er arbeitet als Medienkünstler, Musiker und Programmierer. Vorgestellt haben die beiden ihr Startup-Projekt im vergangenen September in der RTL/Vox-Sendung ”Die Höhle der Löwen” , wo sich alle Investoren von der Idee angetan äußerten. Lediglich das Geschäftsmodell überzeugte am Ende nur knapp den Unternehmer Nils Glagau (”Rockstart”), der allerdings gleich über 30 Prozent statt der von den Firmengründern vorgesehenen zehn Prozent Anteile verlangte. Denn es sei von der unternehmerischen Seite her einfach noch sehr viel zu tun. Die beiden konnten sich kurz beraten, bevor sie letztlich zustimmten, weil sie trotz dieses deutlicheren Anteils eines Fremdinvestors am Unternehmen den Vorteil für ihre Entwicklung sahen – das scheint sich nach diesem kurzen Video auch bestätigt zu haben.

Billiger mit Pappe

Ursprünglich war für das Spiel ausschließlich hochwertiges Holz geplant – was aber im Verkauf einen hohen Preis fordert. Daher gibt es die Spielplättchen nun alternativ aus stabil wirkendem Buchbindermaterial, also letztlich feste Pappe mit aufgerauter Oberfläche. Dafür zahlt man immerhin 37 Euro , die App dazu gibt es kostenlos. Das Spiel besteht letztendlich aus 20 Klangquadraten, die ihrerseits mit einem NFC-Chip versehen sind und auf den Smartphones das passende Gegenstück in Form eines NFC-Readers verlangen. Damit hat man die Chance, aus bislang sechs verschiedenen Spielthemen (klassische Komponisten, Kinderlieder, Tiergeräusche, Länder und Hauptstädte, Skalen-Trainer sowie neuerdings Weihnachtslieder) auszuwählen und die Quadrate in variabler Anzahl von 8, 16 oder 20 Stück auf den Tisch zu legen.

In der App wählen Sie das Spielthema und die Anzahl der Plättchen aus.
Vergrößern In der App wählen Sie das Spielthema und die Anzahl der Plättchen aus.

Welche Quadrate man dabei für das Spiel auswählt, ist egal, die Zuordnung geschieht automatisch über die App, in der man das Spielthema jeweils vorher festlegt.

Originelle Idee, gute Umsetzung

Keine Frage: Die Idee ist faszinierend, sie wird auch finanziert. Und am Spieltisch? Hier haben wir uns als Familie in den Weihnachtstagen auch damit die Zeit vertrieben. Klangquadrat erwies sich auch in der Praxis als tolle Sache. Jüngere Spieler sind bei solchen Merkaufgaben in der Regel im Vorteil, weil sie sich offenbar viel besser konzentrieren können. Aber jeder hat die Chance zu gewinnen. Und so war es auch bei uns – ob Tierstimmen, Zuordnung von Melodien und Komponisten, die Nationalhymnen oder ganz zuletzt auch die Weihnachtslieder, die als Update in der App stimmungsmäßig kurz nach Weihnachten leider ein bisschen spät kamen – Spaß macht es auf jeden Fall, die Herausforderung ist immer wieder da.

Die Spielplättchen werden einfach auf dem Tisch verteilt.
Vergrößern Die Spielplättchen werden einfach auf dem Tisch verteilt.

Die Erkennung mit dem Smartphone klappt in unseren Spielen einwandfrei, man muss das Handy nur richtig (mit dem Sensor) auf die Plättchen halten.

Dabei lernen die Spielenden auch was, leider ist man damit bald durch. Bislang nur sechs verfügbare Spielthemen sind noch etwas wenig, hier wünschen wir uns schnellen Nachschub. Die Entwickler haben angekündigt, auch in dieser Hinsicht am Ball zu bleiben.

Die Geschäfte jedenfalls scheinen gut zu laufen, alle Bestellungen der ”Hardware”, also der Plättchen in verschiedenen Ausführungen und Materialien, sind vergriffen oder mit Wartezeit versehen. Ein gutes Zeichen – doch zu lange sollte man die Geduld der kaufwilligen Konsumenten nicht strapazieren. Eine Woche Wartezeit indes lohnt sich dafür allmal.

Systemvoraussetzungen und Verfügbarkeit

Mit der Verfügbarkeit der diversen Produkte in Ahorn, ”Birne”, als Buchbinderedition oder Zypresse sieht es im Moment schlecht aus, lediglich Vorbestellungen sind im Moment möglich. Wie schnell Nachschub kommt, ist nur teilweise ersichtlich. Vorbestellungen sollen immerhin innerhalb einer Woche abgearbeitet werden .

Das Konzept scheint zu funktionieren, denn aktuell sind alle Spielsets ausverkauft.
Vergrößern Das Konzept scheint zu funktionieren, denn aktuell sind alle Spielsets ausverkauft.

Für die hochwertigeren Holzmaterialien wird ein Preis von jeweils knapp 87 Euro aufgerufen. Die 20 Klangquadrate aus Buchbinderpappe, die wir für unseren Test benutzt haben, gibt es bereits für 37 Euro und reichen für das prinzipielle Spielvergnügen allemal. Vermutlich haben sie nicht eine so hohe äußerliche Haltbarkeit wie die Holzmaterialien. Zudem sehen die vier Quadratzentimeter kleinen Teile fast zu lecker aus – wenn man sie nicht genau fixiert, könnte man sie für kleine Schokoladentäfelchen halten … Also Warnung, sie sind nicht zum Verzehr geeignet, weder für Groß noch Klein!

Die App gibt es jeweils kostenlos, für Android-Handys im Google Play Store ab Android 4.4, die iOS-Version findet sich im App Store ab iOS 13.0.

Fazit und Empfehlung

Knapp 40 Euro für ein Gesellschaftsspiel, das lediglich aus 20 quadratischen Pappkarten besteht, klingt teuer. Sie enthalten aber jeweils NFC-Chips. Und die Spielidee in Verbindung mit dem Smartphone scheint es uns wert zu sein, zumal man je nach Thema mit kleinen Kindern (wie bei den Tierstimmen), aber auch mit allen anderen Altersgruppen bis hin zu den Komponisten und Weihnachtsliedern spielen kann. Die Mindestaltersangabe des Herstellers liegt ab drei Jahren, gespielt werden kann allein oder bis zu sechs Personen. Die Originalität des Spiels und die Variabilität in Erwartung weiterer Spielethemen (Vorschlag des Mac-Enthusiasten: Wie wäre es mit den diversen Starttönen der Macs als Memory?!) scheinen uns den Preis zu rechtfertigen – ob man tatsächlich zu den vermutlich hochwertigeren, aber deutlich teureren Holzquadraten greifen will, ist letztlich Geschmackssache und persönliche Entscheidung.

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