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Können iPhone oder Apple Watch Herzschrittmacher stören?

15.01.2021 | 15:35 Uhr | Halyna Kubiv

Mit der zunehmenden Verbreitung kardiologischer Hilfsmittel und Smartphones stellt sich immer wieder die Frage, wie die beiden Geräte zusammen klarkommen.

Vor wenigen Tagen hat die Nachricht die Runde gemacht, wonach Forscher an einem Krankenhaus in Detroit (USA) herausgefunden haben, dass das iPhone 12 implantierte Defibrillatoren stören kann. Dabei handelte es sich um ein Einzelfall, bis Gewissheit darüber herrscht, ob und inwiefern das neue Smartphone implantierte Geräte stören kann, sind weitere Untersuchungen notwendig.

Derweil gibt es bereits Studien, die sich eine größere Menge von Schrittmachern und Defibrillatoren angeschaut haben, unter dem Aspekt, wie diese mit einem iPhone und einer Apple Watch funktionieren. Eine davon hat im Zeitraum vom November 2015 bis März 2018 148 Patienten mit Herzschrittmacher und implantierten Defibrillatoren untersucht, ob ihre Geräte von einem iPhone (6) und einer Apple Watch (Original-Modell von 2015) gestört wurden ( Quelle: Pubmed ). Dabei wurden Ein- und-Zwei-Kammer-Schrittmacher, implantierte Defibrillatoren, Dreikammerschrittmacher und CRT-Defribillatoren untersucht, drahtlose und drahtgebundene Geräte. Die beiden Geräte wurden sowohl am rechten Handgelenk bzw. in der Hand als auch über der linken Brust als Worts-Case-Szenario platziert. Die Forscher haben Messungen im Ruhezustand des Geräts als auch beim Telefonieren und Surfen vorgenommen. Daraus haben sich 1352 Datensätze ergeben.

Für die Apple Watch gibt es Entwarnung: Weder am Handgelenk getragen, noch über die Brust platziert, verursacht die smarte Uhr  Interferenzen bei keinem der Geräte, die zu Fehlfunktionen oder Ausfällen führen können. Auch bei der Übertragung der Messdaten ist das von der Apple Watch erzeugtes elektromagnetisches Feld nicht stark genug, um die übertragenen Daten zu stören. Das gilt für die Watch beim Telefonieren und Surfen als auch im Ruhezustand.

Beim untersuchten iPhone ist das Bild differenzierter: Die Forscher berichten über eine Messung, bei der das iPhone im Anruf-Modus platziert über der Brust bei einem bestimmten Schrittmacher von Medtronic Störungen verursachte. Allerdings hat man bei den weiteren 19 Probanden mit dem gleichen Gerät und unter gleichen Bedingungen keine Störungen festgestellt. Die Forscher vermuten, dass auch andere Faktoren wie die individuellen Sensitivitäts-Einstellungen beim Implantat als auch Position und Ausrichtung von Elektroden darauf Einfluss nehmen.

Deutlich häufiger traten jedoch Störungen bei der Übermittlung der Messdaten: In 14 Prozent der Fälle mit dem direkt auf der Brust platzierten iPhone traten in den gemessenen EKGs Unregelmäßigkeiten auf, die auf das Gerät zurückgeführt werden konnten. Diese Unregelmäßigkeiten traten allesamt bei den Geräten, die die induktive Methode zur Datenübertragung nutzten. Bei den Geräten mit einer drahtlosen Datenübertragung wurden jedoch keine Interferenzen registriert.

Die Forscher kommen anhand der Daten zum Schluss, dass das Risiko der Smartphone-Nutzung mit den handelsüblichen Defibrillatoren und Herzschrittmacher relativ niedrig ist. Dagegen kann ein nah platziertes Smartphone bei der Datenübertragung vom Implantat zum Hauptgerät stören. Die Frage bleibt jedoch, ob die neuen Geräte wie das iPhone 12 mit mehr eingebauten Magneten in solchen Szenarios gefährlicher sind.

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