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Kommentar: Apple macht lieb' Kind bei Trump

21.11.2019 | 13:20 Uhr | Peter Müller

Apple hat offenbar Wege gefunden, den POTUS milde zu stimmen, damit er Ausnahmen gewährt. Ein Ritt auf der Rasierklinge ist kalkulierbarer.

Die Spin-Doktoren haben eine Menge zu tun, um die Aussagen des Botschafters bei der EU, Gordon Sondland, der Öffentlichkeit zu erklären. Die anklagenden Demokraten sehen nun den Beweis des Amtsmissbrauchs erbracht, die verteidigenden Republikaner sehen ihren Präsidenten entlastet – die Schmutzarbeit haben ja andere erledigt.

Vor allem der POTUS selbst sieht sich reingewaschen, liest von einem Zettel ein und denselben kurzen Satz dreimal ab und entschwebt in Richtung Austin, Texas, um dort eine Fabrik zu eröffnen, die schon seit 2013 produziert .

Apple bereitet dem Trump auf seinem Campus in Austin aber dann auch gleich ein Geschenk für dessen Mantra vom "wieder groß machen" und "wir selbst zuerst": Bis zum Jahr 2022 will Apple in Austin eine weitere Fabrik entstehen lassen , die zunächst 5.000 Arbeitsplätze bieten werde und später 15.000. In Austin baut Apple bekanntlich schon seit 2013 den Mac Pro, den man ab Dezember an die Kunden ausliefern will. Den Mac Pro in Austin zu bauen, sei ein Punkt des Stolzes und ein Beweis für die "beständige Kraft amerikanischen Einfallsreichtums", jubelt Tim Cook denn auch in Apples Pressemitteilung, die dem Bewohner des Weißen Hauses über alle Maßen gefallen dürfte. Die neue Fabrik werde die Verbindung zu Austin und den dort ansässigen talentierten und vielfältigen Arbeitskräften vertiefen. Zudem nennt Cook die Zahl von 2,4 Millionen Jobs, die Apple in den USA geschaffen hat. Die neue Fabrik werde eine Milliarde US-Dollar kosten und eine Fläche von etwas mehr als neun Hektar einnehmen. Derzeit beschäftigt Apple in Austin rund 7000 Mitarbeiter.

Tim Cook hat gestern auch seinem seltsamen Freund im Weißen Haus dann auch die in Austin bestehende Fabrik gezeigt,  in der der Mac Pro vom Band läuft – und von der der POTUS meinte, er würde sie eröffnen. Man könnte über das Produkt nicht stolzer sein, das beispielhaft für amerikanische Design- und Ingenieurskunst stehe. Cook dankte zudem dem US-Finanzminister Steve Mnuchin und anderen Mitgliedern der Regierung, ohne die Apple nicht habe so weit kommen können. Was Cook damit konkret meinte, ließ er offen, vermutlich bezog sich die Aussage aber auf die Ausnahmen von Strafzöllen, die Apple für sich erreichen konnte.

Trump drohte indes mit einem vergifteten Lob, dass sich das auch wieder ändern könne. So lange man in den USA produziere, werde man von Zöllen ausgenommen. Und hier wird es gefährlich für Apple, denn Trump beherrscht vor allem Instrumente der Bedrohungen und Lügen, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit sind keine Tugenden für ihn.

Apple lässt in Austin bisher lediglich ein Nischenprodukt fertigen, das Gros seiner Produkte stammen von Werkbänken aus China. So dient die Milliardeninvestition in Austin auch als Beschwichtigung im Handelskonflikt und kommt Apple weit billiger als Einfuhrzölle auf in China produzierte Geräte und Bauteile. Die Zahl von 2,4 Millionen Jobs klingt auch sehr schön, dabei sollte man aber bedenken, dass ein Großteil dieser Arbeitsplätze in der Softwareentwicklung und im Dienstleistungssektor entstanden sind. Fabriken wie die in Austin setzen immer mehr auf Automatisierung, 15.000 Arbeitsplätze muss man dann aber auch erst einmal schaffen. Dafür gebührt Apple zweifelsohne Respekt, noch mehr Jobs in der boomenden Stadt Austin – einer liberalen Enklave im Herzland der Republikaner – nutzen den Leuten im Rustbelt aber wenig. Anstatt denen aber zu erklären, dass es eher Algorithmen sind, die ihnen die Arbeit wegnehmen als Einwanderer aus Mittelamerika, setzt Trump lieber auf einfache Feindbilder und schöne Bilder von der Eröffnung längst eröffneter Fabriken.

Man darf Tim Cook nicht übel nehmen, dass er einen guten Draht ins Weiße Haus sucht, er macht das im Interesse seiner Firma und deren Aktionäre – unter denen nicht wenige institutionelle Anleger wie Rentenfonds sind, die auch kein Interesse daran haben, dass ein eskalierender Handelskrieg Dividenden und Kursgewinne schluckt.

Doch ist der gute Draht zu Trump aus einem sehr dünnen Faden gewebt, morgen schon könnte der POTUS auf die Idee kommen, Apple zur Produktion des iPhone im Mittleren Westen zu zwingen, sonst: Strafzölle. Und vorläufiges Ende der Erfolgsgeschichte. Mit Sicherheit schaut auch Tim Cook höchst interessiert auf die Vorgänge im politischen Washington.

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