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Kommentar: Apples iPad-Nomenklatur, ein Mac für 20.000 Euro

19.03.2019 | 10:08 Uhr | Peter Müller

Wer sich gedacht hat, Apples iPads Pro sind teuer, sollte einen Blick zurück in die Geschichte werfen.

Die Woche hat gestern ja schon gut angefangen. Wir hätten zwar beinahe darauf wetten wollen, dass noch vor der Keynote "It's Showtime" Apple mit neuer Hardware ankommt, kommenden Montag wird es ausschließlich um das Thema "Apple Goes to Hollywood" respektive "Apple Goes to Fleet Street" gehen. Die Produkte, auf denen man bequem Serien schauen und Zeitung lesen kann sieht Apple als gegeben an, eine längere Vorstellung von iPad Air und iPad Mini hätte nur vom Wesentlichen abgehalten. Dass es aber gleich am Montag passieren würde und nicht wie so oft in Apples Geschichte am Dienstag, hat ein wenig überrascht. Aber gut, auch "It's Show Time" ist auf einen Montag terminiert und die WWDC, deren Termin Apple letzten Donnerstag bestätigt hat, beginnt immer an einem Montag. Montagsgeräte sind das gewiss nicht, die wir gestern vorgestellt bekommen haben.

Allmählich wird es aber unübersichtlich bei der Nomenklatur. Das iPad Air hatten wir an sich als in die Geschichte eingegangen betrachtet, als auf das Air 2 erst das iPad Pro folgte und es einige Jahre später aus dem Store flog, als das iPad 9,7 (Frühling 2017) oder iPad 5 herauskam. Das hatte Apple ein Jahr später dann durch das iPad 6 ersetzt, als im Herbst dann die neuen Pro mit 12,9 und 11 Zoll und ohne HomeButton kamen, blieb das iPad Pro 10,5 vom Jahr davor vorerst noch im Handel. Und jetzt ist das iPad Air zurück, mit 10,5 Zoll Bildschirmdiagonale und A12 Bionic. Weiter verkauft Apple das iPad 6 (9,7 Zoll), das neue iPad Mini (7,9 Zoll) und die beiden iPad Pro.

Die Nummerierung dürfte aber ausgedient haben, ein iPad 7 wird es kaum geben, ein iPad Air 2 als Nachfolger des gestern präsentierten Gerätes auch nicht. Es wird so sein wie bei Mac und Macbook. iMac 27 Zoll (Sommer 2017) oder Macbook Pro 15 Zoll (Sommer 2018) oder Macbook Air (Herbst 2018) heißen da die Geräte – und jedem ist klar, was gemeint ist. Die Frage bleibt, ob es auf Dauer vier iPad-Reihen geben wird, oder ob das neue iPad Air auf Dauer die Mitte zwischen dem iPad Mini und dem iPad Pro bilden wird. Das iPad 9,7 ist mit seinem Einstiegspreis aber immer noch das günstigste Tablett von Apple.

Was uns unweigerlich zu dem teuersten Mac bringt, den Apple je herausbrachte, heute vor 29 Jahren als Macintosh IIfx . Sein Grundpreis: 8.970 US-Dollar, heute wären das über 17.000 US-Dollar oder 14.000 Euro. Hinzu käme noch die Mehrwertsteuer, für die daraus resultierenden fast 17.000 Euro bekäme man den iMac Pro (Herbst 2017) in der allerhöchsten Ausstattung, dazu Maus, Tastatur und Trackpad sowie die Profiprogramme Logic Pro X und Final Cut Pro X – und es bliebe immer noch fast ein Tausender übrig, mit dem man sich noch ein iPad Air (Frühling 2019) mit 256 GB und LTE-Chip gönnen könnte.

Die technischen Daten des IIfx waren aber beeindruckend – für das Jahr 1990, wohlgemerkt. Der 68030-Prozessor von Motorola wurde mit 40 Megahertz getaktet – Intel CPUs kamen damals auf 33 maximal Megahertz – der mathematische Coprozessor 68882 lief ebenfalls mit 40 Megahertz. Zudem setzte Apple einige neue Technologien ein, die die Geschwindigkeit des Systems weiter steigern sollten. Dazu gehörte der spezielle RAM-Speicher, der so nur von Apple erhältlich und entsprechend teuer war. Auch führte der IIfx einen Steckplatz für einen noch schnelleren Cache-Speicher ein. 32 Kilobyte Cache mit 15 Nanosekunden Zugriffszeit waren allerdings sowieso schon an Bord. Eine weitere Besonderheit: Spezielle Chips nahmen dem Hauptprozessor viel Arbeit ab. Sie kümmerten sich beispielsweise um die Datenübertragung der seriellen Schnittstellen (Appletalk-Netzwerk). Bei anderen Macs musste die Haupt-CPU ihre Arbeit ständig unterbrechen, um Daten der seriellen Schnittstellen entgegenzunehmen oder abzuschicken. Es war ein weiter Weg bis zum A12 Bionic mit seinen neun neuronalen Rechenkernen.

Was Apple zum IIfx noch dazu verkaufte, trieb den Preis für das Gesamtsystem auf 22.000 Mark: Eine SCSI-Festplatte mit 80 Megabyte Kapazität . Dafür konnte der IIfx über NuBus bis zu sechs Displays ansteuern – ein Monitor war natürlich nicht im Lieferumfang begriffen. Auf den Bildschirmen war eine maximale Auflösung von 640 x 480 Pixeln möglich. Derartiges erwarten wir in diesem Jahr aber vom Mac Pro. Nur sind die Auflösungen ein klein gewachsen, Apples fabuliertes 6K-Display soll mit 6240 mal 2880 Pixeln aufwarten.

Schon nach gut zwei Jahren, im April 1992 stellte Apple den Verkauf des lange noch schnellsten Macs ein, der teuerste in der Geschichte des Unternehmens ist er bis heute, aber warten wir mal auf den Mac Pro. Mal sehen, ob man den mit (internen) Komponenten der jeweils höchsten Ausstattung auf einen Preis jenseits der 20.000-Euro-Marke wird treiben können. Und dann kaufen wir uns noch sechs 6K-Monitore dazu …

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