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Kommentar: Corona-Warn-App für iPhone 6, iPod Touch, Android 5

22.06.2020 | 10:20 Uhr | Peter Müller

Die jüngsten Ausbrüche zeigen, dass die Corona Warn App wohl nur helfen kann, wenn sie möglichst viele installieren. Apple und Google sind nun in der Pflicht.

Mehr 1000 Neuinfektionen in kurzer Zeit in einem Schlachthof eines Billgfleisch-Fabrikanten: An dieser Nachricht verwundert angesichts der dort herrschenden Arbeits- und Hygienebedinungen nur, dass derartiges nicht schon früher passierte und nicht häufiger. Dabei war es doch zu Beginn des vierten Pandemiemonats gelungen, in Deutschland die Infektionskurve so weit abzuflachen, dass die Ausrottung des Virus im Bereich des Möglichen erschien – und das ganz ohne Impfstoff. Die gute Nachricht: Der Ausbruch im Kreis Gütersloh hinterlässt auch deshalb so gewaltige Spuren in der Gesamtbilanz, da diese sich zuletzt sehr erfreulich entwickelte. Konsequentes Handeln nach Seuchenschutzgesetz ist nun angesagt, aber vor allem lokal, ein weiterer bundesweiter Lockdown steht vorerst nicht zu befürchten.

Genau das will ja auch die in der letzten Woche veröffentlichte und mittlerweile gut zehn Millionen Mal geladene App leisten: Infektionsketten wieder lokal verfolgen und rechtzeitig unterbrechen zu können. Dazu muss aber die App auf möglichst vielen Smartphones laufen. Erfreulicherweise scheint aber nicht die irrationale und völlig unbegründete Angst von "Überwachung" eine höhere Anzahl von Installationen zu verhindern, sondern technische Gründe. Wobei das auch nur bedingt erfreulich ist.

Apple setzt mindestens iOS 13.5 voraus, Google Android 6. Doch ist das älteste iPhone, das derzeit iOS 13.5 und damit die Corona Warn App ausführen kann, das Modell 6S (Plus) aus dem Jahr 2015. Wir haben nach technischen Gründen geforscht, warum denn nicht auch ältere oder andere Geräte nicht auch mit einem hypothetischen Update auf iOS 12.5 oder dergleichen in die Lage geraten könnten, die von Apple und Google entwickelten APIs zu bekommen. Recht viel mehr als "Performance" ist uns bisher nicht in den Sinn gekommen.

Sicher, die App benötigt steten Zugriff auf das Bluetooth-Modul, bei neueren Geräten scheint sich das bisher nicht wesentlich auf die Akkulaufzeit auszuwirken, ein sechs Jahre altes Smartphone mit ebenso alter Batterie dürfte aber schon nach wenigen Stunden aufgeben. Einen sechs Jahre alten Akku sollte man aber auch aus anderen Gründen allmählich ersetzen, muss ja nicht gleich ein neues iPhone dabei rausspringen.

Erst mit dem iPhone X und 8 (Plus) im Jahr 2017 hatte Apple auf Bluetooth 5 gesetzt, die mit älteren Modulen ausgestatteten 6er und 7er haben per Update aber immerhin Bluetooth 4.2 bekommen. Diesbezüglich ist also wenig einzusehen, warum das iPhone 6s die Corona Warn App ausführen kann, der Vorgänger aber nicht, trotz gleicher Bluetooth-Technologie.

Beinahe noch absurder wird es aber beim iPod Touch: Das Modell der siebten Generation kann iOS 13.5 ausführen, der Prozessor A10 ist schnell und effizient, aber Bluetooth verharrt hier weiter auf Version 4.1. Versucht man, die Corona Warn App auf dem iPod Touch zu installieren, erhält man lediglich die Fehlermeldung, dass dem Gerät entscheidende Komponenten fehlen würden . Internet via Mobilfunk kann es ja nicht sein, beim Abgleich von anonymisierten Schlüsseln via Bluetooth benötigt die App dieses nicht, nur einmal am Tag checkt sie anhand der gesammelten Daten das Infektionsrisiko, das kann auch über das WLAN daheim erfolgen.

Zehn Millionen Downloads in einer Woche sind eine beeindruckende Zahl, doch wenn selbst jede Installation dann auch auf den Handys der Bürger verbleibt, ist das noch viel zu wenig. So drängt nun auch die Bundesregierung die Entwickler , die App für ältere Geräte zur Verfügung zu stellen. Nicht jeder kann sich ein neues Handy leisten und die es könnten, haben unter Umständen auch gute Gründe gegen eine Neuanschaffung. Es ist also in aller Interesse, den Kandidatenkreis zu erweitern, so lässt sich schneller eine Art von digitaler Herdenimmunität erreichen.

Es sind nun also Google und vor allem Apple am Zug, SAP und die Telekom können nur das vorhandene Material nutzen. Wir sind sehr gespannt auf die WWDC-Keynote heute Abend, Apple wird kaum die Gelegenheit auslassen, seine Beiträge zur Pandemiebekämpfung zu rühmen. Wir warten aber alle darauf, dass der Hersteller die bestehenden Lücken auch benennt und zu schließen verspricht. Stolz zeigt Apple bei derartigen Veranstaltung ja stets die Installationsraten für seine jüngsten Betriebssysteme. Es wäre also sehr wichtig zu erfahren, wie viele iPhones noch nicht auf iOS 13.5 aktualisiert sind und was Apple dagegen zu tun gedenkt. Genug der Worte gewechselt, Tim Cook, lassen Sie nun Taten sprechen.

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