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Kommentar: Darum lagen die Leaker in diesem Jahr so weit daneben

15.09.2021 | 15:15 Uhr | Stephan Wiesend

Keine Watch aber iPhones mit Satelliten-Unterstützung? Eine krachende Niederlage erlebten die Apple-Leaker mit ihren Vorhersagen bei dieser Keynote.

Eins ist sicher: So falsch lagen die selbsternannten Apple-Auguren selten und mit der Fülle an neuen Produkten hat Apple alle überrascht. Man hatte sich schon fast daran gewöhnt, dass vor jeder Apple Keynote alle Informationen durchsickerten. Noch im letzten Jahr waren so gut wie alle Details über das iPhone 12 vorab bekannt.

Mancher fragte sich wohl zuletzt, ob Apple sich die aufwendigen Keynotes da nicht gleich sparen kann. Anders lief allerdings diese Keynote ab: So falsch lagen die bekannten Gerüchte-Profis wie Ming-Chi Kuo, Jon Prosser und Gurman noch nie. Bei der Form der neuen Apple Watch lag man komplett daneben, laut Prosser und anderen sollte sie ein weit kantigere Watch erscheinen – was sogar mit aufwendigen 3D-Modellen unterlegt wurde. Auch die Fülle an iPad-Neuankündigungen – angefangen von iPad Mini, iPad und Apple Watch wurde nicht korrekt vorhergesagt. So gab es zwar Gerüchte, allerdings wohl eher wilde Spekulationen über einen 8,3 bis 9-Zoll-Bildschirm, Digitimes vermutete sogar ein Mini-LED-Panel wie beim iPad Pro 12,9. Auch Ming Kuo lag daneben und hatte ein kaum aktualisiertes Design mit 7,9-Zoll-Design und Touch-ID vorhergesagt. Relativ nah war Prosser dran, irrte sich aber bei den Farben, der CPU und versprach einen neuen Pencil. Bei vielen Gerüchten hat  man im Nachhinein den Eindruck, manche angeblichen „Leaker“ haben einfach geraten, eine Überarbeitung des iPad Mini war schließlich überfällig.

Apple hält dicht – und immer dichter

Für dieses Versagen gibt es wohl zwei Gründe. Einer davon ist der gestiegene Druck von Apple auf Leaker. Wie wir bereits berichteten, hat Apple hat zuletzt den Druck auf die Leaker immens erhöht und an chinesische Leaker wie Kang und Duan Rui bedrohliche Anwaltsbriefe verschickt. Einige interne Quellen sollen außerdem verstummt sein, weil diese um ihre Jobs bangen.

Es gibt noch einen zweiten Grund: Beim iPhone haben es die Wahrsager einfacher, da Apples Millionenseller besonders anfällig für Leaks ist. Beim iPhone ist es wohl kaum noch möglich, völlige Geheimhaltung zu gewährleisten. Nicht zufällig sickerte vor einigen Tagen ein Foto mit iPhone-Hüllen in den korrekten Farben durch . Zu viele Millionen an Geräten müssen schließlich fristgerecht vorproduziert werden und zu groß ist die Zahl der Zulieferer und ihrer Mitarbeiter. Ebenfalls nicht vergessen sollte man, dass Apple seine Smartphones schon sehr lange im Voraus plant . So gibt es möglicherweise nur deshalb noch ein iPhone 13 Mini, weil Apple nicht mehr schnell genug auf die mäßigen Absatzzahlen des iPhone 12 Mini reagieren konnte. Auch das kommende iPhone 14 ist zum aktuellen Zeitpunkt wohl schon komplett konzipiert – und es gibt bereits erste Gerüchte über Funktionen und Design des 2022 erscheinenden Modells.

Da wird Apple wenig Abhilfe schaffen können, vor allem durch Zulieferer sickert viel über die Hardware der iPhones durch – wohl auch aus finanziellen Gründen. Für eine kleine Zulieferfirma ist es ein Ritterschlag, zu Apples Zulieferern zu gehören. Geht es dabei um einen großen Auftrag für eine neue Spezialfunktion des neuen iPhone 13 oder 14, kann ein solcher Auftrag sogar den Börsenwert sprunghaft steigen lassen. Vor allem der Analyst Kuo hat offensichtlich gute Kontakte zu Zulieferern in Taiwan. Bloomberg-Redakteur Mark Gurman von Bloomberg dagegen eher zu Mitarbeitern von Apple.

Warum scheiterten dann die Leaker zuletzt so oft an Produkten wie iPads, Akku-Packs und Apple Watch? Der einfache Grund ist wohl, dass die Produktion weit überschaubarer ist. Für ein Produkt wie die Apple Watch benötigt man weniger Zulieferer, die außerdem in einem weit engeren Verhältnis zu Apple stehen. Kein Wunder, dass hier weniger durchsickert und viele Medien zu schnell auch wenig glaubwürdige Gerüchte veröffentlichen .

Fazit: Nur das iPhone bleibt vorhersagbar

Auch zukünftig wird man wohl von Leakern lange im Voraus über kommende iPhone-Modelle informiert – zu groß ist hier die Zahl der beteiligten Personen. Anders sieht es aber bei allen anderen Produkten wie Apple Watch oder iMac aus. Hier können wir auch weiterhin von Apple echte Überraschungen erwarten. Was uns freut: Die Keynotes könnten dadurch zukünftig etwas spannender werden.

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