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Kommentar: We don’t believe in Tradeshows

17.12.2008 | 09:40 Uhr | Peter Müller,

Kommentar: We don’t believe in Tradeshows

Es war abzusehen, dass Apple der Macworld Expo endgültig den Rücken kehrt. Schon vor sechs Jahren strich man den Termin in Sommer und nahm dabei dankend den Umzug der Macworld Expo zurück nach Boston zum Anlass. Seither betonte Steve Jobs bei seinen Reden auf der Macworld Expo, der WWDC und zu anderen Anlässen gerne, dass Apple ja eine eigene, permanente Messe veranstalte, nämlich in den weltweit über 250 Apple Store. Einer dieser Publikumsmagneten zieht nun auch Besucher in München an.

Allein der Zeitpunkt kommt ein wenig überraschend und wird den Messeveranstalter IDG World Expo mächtig verärgern. Drei Wochen vor der Keynote springt deren Zugpferd ab. Warum so spät, möchte man da fragen, hat Apple gar nach einem Vorwand gesucht, einen erneut erkrankten CEO unauffällig aus dem Licht der Öffentlichkeit zu ziehen? Mit Sicherheit war es Bestandteil der Überlegungen Apples, die Ankündigung des Einsatzes von Phil Schiller als Redner zur Macworld-Eröffnung in einen größeren Zusammenhang zu ziehen. Allein den von allen erwarteten Steve Jobs durch den Marketing-Chef des Unternehmens zu ersetzen, hätte erneut heftige Spekulationen über den Gesundheitszustand des Apple-Chefs ausgelöst.

Eine andere Möglichkeit für den Rückzug: Jobs ist beleidigt. IDG World Expo verkauft den Platinum Pass, der Eintritt zu allen Veranstaltungen, Seminaren, Konferenzen und eben der Keynote gewährt, für den bescheidenen Preis von 1.700 US-Dollar. Nur, wer dieses Ticket löst, kommt auch in die Keynote. Jobs hat sich vielleicht gedacht, wenn hier jemand von seinem Ruf profitiere, dann Apple und nicht der Messe-Veranstalter. Deshalb steigt der Stellvertreter in den Ring. Ohne Phil Schiller geringschätzen zu wollen: Aber wer will dafür 1.700 US-Dollar locker machen. Diese Theorie ist freilich nicht beweisbar, dem Apple-CEO wird aber ein Charakter nachgesagt, der ein derartiges Handeln plausibel machen würde.

Die wahren Gründe sind aberwirtschaftlicher Natur. Apple braucht in der Tat keine Macworld Expo mehr, mit den Apple Stores, der WWDC und den rechtzeitig anberaumten Special Events hat der Mac-Hersteller selbst die Infrastruktur zur Erregung öffentlichen Interesses. "We don’t believe in tradeshows" war auch der Satz, den Apple zum Abschied von Cebit, Macworld Expo Tokio, Macworld Expo Boston, Macexpo London und Macexpo Köln heranzog. Die Frage nach der Zukunft der Macworld Expo schließlich ist leicht beantwortet: Die Messe 2010, die erste ohne Apple, wird dann auch die letzte sein. pm

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