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Kommentar: Zu geizig? Apple kürzt in UK Mietzahlungen

03.08.2020 | 16:12 Uhr | Stephan Wiesend

Kurz nachdem Apple wieder eine Rekordbilanz vorlegte, gibt es Berichte über harte Verhandlungen mit Vermietern der Apple Stores

Seit kurzem ist Apple wieder das reichste Unternehmen der Welt und könnte schon bald 2000 Milliarden Dollar wert sein. Nach dem Motto „Von nichts kommt nichts“ scheint Apple aber bei seinen Geschäftspartnern zu verhandeln: Wie die Sunday Time berichtet , steht Apple aktuell mit den Vermietern seiner 38 britischen Apple Stores in Verhandlungen um Mietnachlässe. Einen Rabatt von bis zu 50 Prozent soll Apple verlangen, außerdem sogar eine mietfreie Zeit ungenannter Länge. Als Gegenleistung will Apple dafür seine Mietverträge verlängern.

Auf den ersten Blick eine Unverschämtheit, die viele sofort um das Mieten-Debakel von Adidas erinnert. Apple ist eines der reichsten Unternehmen weltweit, die Zahlung der Mieten sollte Apple doch keinerlei finanzielle Probleme machen?

Nach unserer Meinung sollte man deshalb aber noch nicht anfangen, öffentlich iPhones zu verbrennen oder gar zur Android-Plattform wechseln. Wie immer in solchen Fällen gibt es die Seite des Vermieters, aber auch die des Mieters.

Apple ist zwar fast schon unanständig reich und profitabel, die Apple Stores in UK sind dies aber wohl weit weniger. Durch Einschränkungen im Rahmen von Covid-19 sind die Umsätze stark zurückgegangen, verkauft werden Macs und iPhones aktuell vor allem über den Online-Store. Aus Sicht eines Unternehmens sind die Apple Stores ein eigenständiger Geschäftsbereich, der Gewinne abwerfen oder Kosten sparen muss. Auf Entlassungen seiner Angestellten hat Apple bisher verzichtet, ganz im Gegensatz zu zahllosen anderen Shops in den verwaisten Einkaufszentren. Auch andere Mieter haben deshalb längst Mietnachlässe verhandelt oder Verträge gekündigt – ohne viel Aufsehen. Nicht zu vergessen: Es handelt sich um Gewerbemietverträge. Diese sind frei verhandelbar und die genaueren Rahmenbedingungen sind nicht öffentlich bekannt. Oft basieren sie auf dem Wert der Lage, manchmal auch auf den Umsätzen eines Ladens. Anders als bei einem privaten Mietvertrag gibt es  keine Vergleichsgrößen und sie werden in kurzen Abständen neu angepasst.

Um die Vermieter, mit denen Apple verhandelt, sollte man sich vielleicht auch nicht allzugroße Sorgen machen: So gehört das Gebäude, in dem sich der Apple Store Covent Garden befindet, dem REIT Capital & Counties Properties : Ein milliardenschwerer Immobilienfonds, der seinen Anlegern eine Rendite von über zehn Prozent verspricht.

Um Apple muss man sich keine Sorgen machen, um die Apple Stores aber vielleicht schon: Der Einzelhandel steht durch Covid in vielen Ländern vor einer existenzbedrohenden Krise. In Deutschland haben sich deshalb viele Einzelhandelsunternehmen bereits in Stille mit ihren Vermietern auf Mietstundungen und Mietnachlässe geeinigt. Zu radikaleren Maßnahmen griff man in Spanien und Griechenland , dort dürfen Gewerbemieter ihre Mietzahlungen sogar eigenständig senken  – um bis zu 50 Prozent.

Zugegeben: Ein sympathisches Bild gibt der superreiche Konzern Apple trotzdem nicht ab, zu stark ist das Bild des soliden Mieters bei vielen verankert. Allerdings sollte man sich wohl nicht vorschnell auf die Seite des „Opfers“ stellen, beide Seiten  werden hart verhandeln, sich aber vermutlich schnell einigen. Apple ist ein zu begehrter Mieter: Ein Apple Store zieht zahlungskräftige Kunden an und auch benachbarte Geschäfte profitieren. Das führt sogar dazu, dass manche Vermieter einem Geschäft direkt neben einem Apple Store höhere Mieten berechnen .

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