2455186

Kommentar: iPhone 11 verdient den Zusatz "Pro" nicht

12.09.2019 | 12:25 Uhr |

Apple hat die Bezeichnung 'Pro' mit dem iPhone 11 Pro neu definiert, aber auf die schlimmste Art und Weise.

Wenn Sie jetzt auf Apple.com vorbeischauen, ist das erste, was Sie oben auf der Seite sehen werden, das iPhone 11 Pro. Es bietet professionelle Kameras, ein professionelles Display und eine professionelle Leistung sowie ein Bild einer Dreifach-Kamera, die ├Ąu├čerst eindrucksvoll aussieht. Apple nennt es "das erste iPhone, das leistungsf├Ąhig genug ist, um als Pro bezeichnet zu werden".

Quatsch. Das iPhone 11 Pro verf├╝gt ├╝ber den gleichen A13 Bionic Prozessor wie das iPhone 11. Es hat viele der gleichen Kamerafunktionen, einschlie├člich des neuen Ultraweitwinkelobjektivs. Und die Akkulaufzeit ist zwar f├╝r eine fantastische 18- bis 20-st├╝ndige Videowiedergabe ausgelegt, aber nicht viel besser als die 17 Stunden des iPhone 11. Tats├Ąchlich war das einzige Feature, das Apple in seinem Intro-Teaser-Video zeigte, der Kamera-Buckel.

Grunds├Ątzlich ist das iPhone 11 Pro nicht mehr "Pro" als das iPhone XS am Vortag. Apple entschied lediglich, dass es an der Zeit war, einen neuen Namen auf das iPhone zu setzen, um die Dinge durcheinander zu bringen, und warf einen 26 US-Dollar 18W USB-C-Adapter in die Box. Und damit wurde der Name "Pro" f├╝r jede andere Produktlinie verbilligt.

Ein 'Pro' unter einem anderen Namen

Als wir zum ersten Mal von dem iPhone Pro h├Ârten, beschwor es sofort Bilder von einem radikal neuen Ger├Ąt mit einer Vielzahl von neuen Funktionen: Ein USB-C-Anschluss. ProMotion-Display. Apple Pencil Unterst├╝tzung. H├Âherer Basisspeicher. Vielleicht sogar microSD-Kartenunterst├╝tzung und ein Smart Connector. (Allerdings hat Apple selbst solche Features nie versprochen, allenfalls waren dies Ger├╝chte aus unzuverl├Ąssigen Quellen ÔÇô Anm. d. Red).

Das iPhone 11 ist nicht allzu anders als das iPhone 11 Pro.
Vergr├Â├čern Das iPhone 11 ist nicht allzu anders als das iPhone 11 Pro.
© Apple

So hat uns Apple trainiert, an seine "Pro"-Ger├Ąte zu denken: Leistungsst├Ąrker, erweiterbarer und leistungsf├Ąhiger als die Low-End-Modelle. Das ist bei den iPhone 11 Pros nicht der Fall. Wenn ├╝berhaupt, dann dient das iPhone 11 Pro dazu, das Einstiegsmodell iPhone 11 attraktiver zu machen. Wenn Sie nicht unbedingt das gr├Â├čtm├Âgliche iPhone Display haben m├╝ssen, gibt es nichts an dem iPhone 11 Pro, was es zu einem "Pro"-Ger├Ąt macht, es sei denn, Sie z├Ąhlen Midnight Green als "Pro"-Farbe.

Mit dem iPad Pro, dem iMac Pro, dem Macbook Pro und dem Mac Pro gibt es bedeutende und offensichtliche Upgrades gegen├╝ber ihren billigeren Pendants. Sie wissen sofort, ob Sie das zus├Ątzliche Geld f├╝r sie ausgeben wollen, und Power-User k├Ânnen sicher sein, dass sie das zus├Ątzliche Geld f├╝r eine Maschine ausgegeben haben, die ihren Bed├╝rfnissen entspricht, vom USB-C-Anschluss des iPad Pro bis hin zu den verr├╝ckten technischen Daten des Mac Pro. Es gibt ein gewisses Ma├č an Vertrauen, dass Apple ein Ger├Ąt f├╝r einen bestimmten Benutzertyp entwickelt hat und einen Wert basierend auf diesem Namen liefert.

Der "Pro" im iPhone 11 Pro hingegen ist kaum mehr als reines Marketing. Ja, sie haben bessere Bildschirme und bessere Kameras als das iPhone 11, aber Apple hat keine echten professionellen Funktionen auf die neuen iPhones gebracht, au├čer den Upgrades, die sie sowieso bekommen h├Ątten. Phil Schiller machte eine gro├če Sache aus dem sogenannten XDR-Display, aber die Verbesserungen gegen├╝ber dem Display des XS, Kontrastverh├Ąltnis und Helligkeit ÔÇô machen es kaum zum "Pro"-Kaliber.

Die dritte Kamera des iPhone 11 Pro ist eigentlich das einzige "Pro"-Feature
Vergr├Â├čern Die dritte Kamera des iPhone 11 Pro ist eigentlich das einzige "Pro"-Feature
© Apple

Als das iPad Pro auf den Markt kam, war es nicht nur ein iPad Air mit einem gr├Â├čeren Bildschirm. Es brachte einen neuen A9X-Prozessor, den Apple Pencil und das Smart Keyboard sowie vier Lautsprecher mit Surround-Sound mit. Das iPhone 11 Pro liefert keine dieser Innovationen, trotz Apples rhetorischer Aufbruchstimmung. Auf einen Schlag verwandelte Apple das "Pro"-Label von einem geeigneten Deskriptor in einen reinen Marketing-Fluff und Millionen von Menschen werden so klug sein wie zuvor.

Ein gro├čartiges Telefon, aber kein 'Pro'.

Nichts davon bedeutet, dass das iPhone 11 Pro schlecht ist. Ich liebe die neue gr├╝ne Farbe und das mattierte Glas und die Verbesserungen der Akkulaufzeit gegen├╝ber den Modellen des letzten Jahres sind fantastisch. Und nat├╝rlich ist die Kamera wirklich beeindruckend und wird sicher an der Spitze der Smartphone-Liste stehen. Aber den "Pro"-Namen an sie anzuh├Ąngen, ist ein billiger Trick.

Das iPhone 11 Pro sieht super aus, es ist nur kein echtes "Pro"-Gerät
Vergr├Â├čern Das iPhone 11 Pro sieht super aus, es ist nur kein echtes "Pro"-Ger├Ąt
© Apple

Apple wei├č, dass seine Pro-Level-Produkte ein gewisses G├╝tesiegel tragen, und hofft, von dieser Stimmung zu profitieren. Wenn das iPad Pro seinen Premium-Preis wert ist, dann muss es auch das iPhone Pro sein, oder? Selbst ohne den Namen " Pro " ist es extrem schwer, den 450 Euro Unterschied zwischen dem 64 GB iPhone 11 und dem 64 GB iPhone Pro 11 Max zu rechtfertigen, aber mit ihm hebt Apple Unterschiede zwischen den beiden Modellen hervor, die einfach nicht da sind. Ja, der OLED-Bildschirm ist gr├Â├čer der LCD-Bildschirm des iPhone 11 und hat den Zusatz "XDR", aber ansonsten sind sich die beiden Telefone sehr ├Ąhnlich, von den Kamerafunktionen bis zur Akkulaufzeit.

Das ist es, was den Namen "Pro" so frustrierend macht. Apple h├Ątte die Smartphones in realer Weise differenzieren und damit einen Mehrwert f├╝r das obere Ende schaffen k├Ânnen, ohne das Einstiegsmodell zu beeintr├Ąchtigen. Ein besserer Prozessor, mehr Basisspeicher, USB-C oder eine der Ger├╝chtek├╝che-Funktionen, die wir nicht erhalten haben ÔÇô Reverse-Wireless-Ladung, Apple Pencil-Unterst├╝tzung ÔÇô h├Ątte einen gro├čen Beitrag dazu geleistet, dass das iPhone 11 Pro seinen Namen wirklich verdient.

Stattdessen haben wir ein iPhone XS 2 mit dem falschen Namen bekommen. Aber hey, zumindest hat Apple den "Pro"-Preis nicht erh├Âht.

├ťbersetzung von Macworld.com

2455186