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Kommentar zur Loewe-Pleite: Zu klein, um zu überleben

26.06.2019 | 16:04 Uhr | Thomas Hartmann

Manche haben den TV-Hersteller Loewe mit Sitz in Kronach als eine Art natürlichen Apple-Partner gesehen. Aber auch dieser Nimbus konnte die Insolvenz nicht verhindern.

Nicht nur, dass das Traditionsunternehmen, das 1923 von den Loewe-Brüdern in Berlin gegründet wurde, aber längst seinen Sitz im fränkischen Kronach hatte, Insolvenz anmelden musste ,  sondern nun hat man auch noch den eigenen Namen an die Beteiligungsfirma Riverrock verloren, wie das Handelsblatt mitteilt . Schlimmer kann es eigentlich kaum kommen.

Dabei hatten Enthusiasten mit Sinn und Geschmack für Design und Technik schon öfter davon geträumt, dass Apple und Loewe doch brillant zusammenpassen würden und entsprechend eine Zusammenarbeit verabreden sollten, und sei es, dass Apple den weitaus kleineren Partner Loewe übernimmt. Dazu ist es bekanntlich nie gekommen. Vielleicht schade drum. Apple hat vermutlich keinen Markt darin gesehen, der für eine Übernahme groß genug gewesen wäre. Dabei hat Loewe sich mit Geräten außerhalb von Fernsehern oder im Umfeld davon durchaus darum bemüht, Apple-Technologie zu berücksichtigen, wie die Loewe-Airspeaker mit Unterstützung für Airplay oder der Möglichkeit, die eigenen TVs über einer spezielle iPad-App zu steuern.

Warum aber hat es für das mittelständische Unternehmen, dessen Website noch online ist , nicht gereicht? Nun ist dies bereits die zweite Pleite, vor ein paar Jahren ging Loewe schon einmal in die Insolvenz, doch danach schien es wieder bergauf zu gehen. Aber das fraglos exquisite Design mit überzeugender Technik reichte angesichts der deutlich günstigeren Konkurrenz mit ebenfalls starken Produkten schlicht nicht aus, um potentielle Kunden in ausreichender Zahl vom eigenen Konzept zu überzeugen. Produkte von Samsung oder LG brillieren mit aktueller Technik bis hin zu 8K und sind besonders in den höheren Preisregionen im Wohnzimmer gleichfalls schön anzusehen. Sie waren auch immer leichter zu bedienen, und selbst Informationen darüber, dass die entsprechenden Smart-TVs ihre Kunden zu Hause abhören könnten, führte nicht zu einer echten Suche nach Alternativen wie von Loewe.

Loewe fehlt ein Ökosystem

Im Unterschied zu Apple bietet der TV-Hersteller aus Kronach zudem nicht einen derart drastischen Unterschied etwa in der Bedienung des Betriebssystems von macOS gegenüber Windows – läuft das Bild erst mal im richtigen Programm, wird die Bedienung deutlich zweitrangiger als auf einem Computer. Außerdem verfügt Apple über ein umfassendes Ökosystem vom iPhone bis hin zum Apple TV, in das sich organisch die Macs und iPads sowie die Apple Watch einfügen lassen. Ohne den damals überraschenden Erfolg von iMac (1998) und nachfolgendem iPod (2001) wäre Apple beinahe gescheitert. Dann aber konnte Cupertino aus den Schwächen seines Nischendasein heraus eigene Stärken entwickeln. Etwa Produkte, die man nicht nur unbedingt haben wollte, sondern auch wirklich gebrauchen konnte, weil sie die tägliche Arbeit erleichterten. Und jeden Lebensaspekt etwa über die jederzeit verfügbare Musik begleiten.

Weitere Überlegungen, warum Loewe es nicht geschafft hat, führen in die Richtung, dass heutzutage wie auch von Apple besonders viel Geld mit Serviceinhalten generiert wird, gar nicht mehr vorrangig über die Geräte selbst. Vielleicht hat auch Apple davon abgesehen, eigene TVs zu entwickeln oder einen ansonsten kongenial erscheinen Partner wie Loewe zu übernehmen. Schon zu den Zeiten der ersten Loewe-Insolvenz waren Gerüchte im Umlauf, Apple wolle einen eigenen Fernseher auf den Markt bringen. Die Margen im Geschäft waren damals wie heute eher bescheiden. Ferner war Loewe nie global vertreten, hier kommt wieder die deutlich günstigere Konkurrenz aus Südkorea (vor allem Samsung und LG) ins Spiel. Um die spürbar höheren Preise zu rechtfertigen, hätte Loewe wohl noch überzeugendere Alleinstellungsmerkmale bieten müssen – aber das geht heutzutage eben weniger über Design oder ein besseres TV-Betriebssystem (dies einmal vorausgesetzt), sondern, siehe oben, mit exklusivem Service und Inhalt.

Als mittelständisches Unternehmen, das ohnehin gegen den Untergang strampelte, konnte Loewe hier nicht mehr mithalten. Schade bleibt's, die Zeiten, dass deutsche TV-Hersteller den Markt beherrschen oder doch noch eine gewichtige Rolle spielen, sind endgültig vorbei. Mit dem Namen Loewe verschwindet dann auch der letzte eigenständige Fernseherherstellerbetrieb "Made in Germany".

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