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Kontroverse der Woche

08.05.2004 | 10:00 Uhr | Peter Müller, Thomas Hartmann

Kontroverse der Woche

Die Einigung Europas schreitet voran, während Apple die Spaltung droht. Oder haben Steiger und Müller die Situation mit Cupertinos Megastar iPod falsch eingeschätzt?

Müller: STEIGER! Sehen Sie sich das einmal an! Während wir hier in der Alten Welt uns endlich einigen und seit letzten Samstag 25 Staaten in unserer Europäischen Union versammelt haben, machen die USA auf Spalter. Nein, nicht, dass sich die Vereinigten Staaten etwa wieder trennen wollten, aber während der letzten beiden Jahre hat sich zum Beispiel Palm in Palm One und Palm Two, nein, Palm Source aufgespalten. Jetzt schlägt die Business Week, vielmehr ihr Kolumnist Alex Salkever vor, Apple solle sich von seinem noch lukrativen iPod-Geschäft trennen. Jetzt, am Höhepunkt des Hypes, könne man ein Spin-Off Gewinn bringend an der Börse platzieren, das Geld der Leute nehmen und in die Muttercompany stecken. iPod Inc. Oder wie auch immer die Tochter dann hieße, wäre alleine verantwortlich, in einem immer härter werdenden Markt, Apple kann sich wieder auf sein Kerngeschäft, das der Rechner, konzentrieren. Steiger! Sind den alle Redakteure von Wirtschaftszeitungen herzlose Kapitalisten?

Steiger: Nein, Müller, die Jungs haben einfach den Durchblick. Die haben sogar recht! Wenn auch nur senkrecht! Stellen Sie sich mal den Knall vor, den ein solcher Schritt seitens Apple begleiten würde - vor allem wäre das nur konsequent, wenn man sich mal die Verkaufszahlen der Apple-Rechner anguckt. Und die Zufriedenheit der Leute in diesem Segment ist auch nicht mehr so, wie sie noch vor vier oder fünf Jahren war. Ich nehme mal Beispiel meine Schwägerin, die kennen Sie ja bereits. Die arme Frau hat inzwischen die Hoffnung aufgegeben, mit ihrem Dual-G5 noch produktiv zu arbeiten. Zumal sie mit der Bedienung des Betriebssystems nicht wirklich zurecht kommen will - ist halt die Einfachheit von Mac-OS 9 gewohnt. Inzwischen denkt Sie tatsächlich darüber, sich Desktop-mässig einen PC zu kaufen. Grafik- und Videosoftware gibt’s für Windows auch genug. Dann gibt’s die bekannte Mischung, so wie bei mir: Auf dem Schreibtisch ein PC, unterwegs ein Apple. Womit auch die schlechten Verkäufe der iMacs, eMacs und G5-Macs nachvollziehbar sind - die Leute kaufen Powerbooks und iBooks, da sind die Vorteile gegenüber den PC-Produkten noch ersichtlich. Aber ich schweife vom Thema ab. Vielleicht wäre eine iPod Inc. tatsächlich die Rettung für Steve Jobs - die Firma könnte sich mit dem an der Börse erwirtschafteten Geld endlich in eine starke Marktposition drängen. Vernünftige Produktionskapazitäten müssen her, das könnte ein iPod-Spin-Off durchaus bringen. Und der schicke Musikplayer ist dann unabhängig vom Schicksal der normalen Macs. Also, wenn ich da Cupertino die Gehaltsschecks ausstellen würde, würden meine Anwälte schon die entsprechenden Schriftstücke vorbereiten.

Müller: Aber, Steiger, so etwas hat Apple doch noch nie gemacht! Gut, mit Claris hat man sich eine Softwaretochter gehalten und sie später so wie ihr einziges Produkt Filemaker genannt, aber ansonsten bleibt alles unter einem Dach. Der Image-Transfer ist doch für eine Marke super wichtig! iPod= Apple, das kapieren doch immer mehr Leute, die sich dann den neuen iMac G5 im Cube-Design kaufen, nachdem ihn St. Jobs zur WWDC Ende Juni vorstellt hat. Apple wäre doch blöde, diese enorme Marketingmacht des iPod auszugliedern. Gerade im Consumerbereich sind doch die Umsätze der nächsten Jahre zu holen. Jedes Jahr einen neuen Aldi-PC, den Quatsch macht doch keiner mehr mit, wo sogar die Entwicklung bei Intel stockt und das Longhorn weiter auf der Alpha-Weide vor sich hingrast. Aber heute einen iPod, nächstes Jahr einen iPod mini, in zwei Jahren den neuen Desktop, in drei ein neues Powerbook und in vieren fangen wir den Produkt-Upgrade-Zyklus wieder beim vPod von Apple auf’s neue an. Die Leute wollen Qualität, Hippness und Zuverlässigkeit. Alles zusammen bekommen sie bei Apple. Nur bei Apple. Ein iPod-Spinoff wäre geisteskrank!

Steiger: Oh Mann, Müller, ist ja widerlich! Wie Sie hier schon wieder den Fanboy spielen! Wissen Sie eigentlich, was hinter Apple und Steve Jobs steckt? Na, denken Sie mal nach! Sowas haben wir beide noch nicht im Überfluss! Geld, Müller, Geld! Beschissenes Geld! Die Jungs da drüben in Arnold-Schwarzenegger-Country machen das mit den iPods und Macs nicht, damit sie in der Nacht besser schlafen können! Die wollen sich fette Autos kaufen, dicke Villen und schöne Frauen! Okay, einer passt auf, dass das Image der Marke Apple nicht negativ behaftet ist, aber trotzdem steht am Ende eines Jahres immer noch die nackte hoffentlich schwarze Zahl in der Bilanz, damit die Aktionäre nicht auf die Barrikaden gehen. Ich wette mit Ihnen um ein Sixpack Beck’s Gold: Wenn in der Hauptversammlung über die Gründung von iPod Inc. abgestimmt werden würde, dann würde die Entscheidung positiv ausfallen! Ich fände das auch eine hervorragende Idee - dann wären die iPod Minis schneller hier, der iTunes Music Store bestimmt auch, und dann kann ich endlich den Soundtrack von "Pirates of the Carribean" online kaufen. Andererseits: Hoffentlich dauert’s doch noch etwas länger, ich muss noch eine Familie ernähren und ein Haus abbezahlen, das mit dem Kaufen darf nicht Überhand nehmen. Müller, schnell, nehmen Sie mir meine Kreditkarte ab! Ich höre schon wieder den Ruf der Mastercard!

Müller: Steiger, gemach! Sie werden mit oder ohne iPod Inc. Nicht so schnell im iTMS einkaufen können. Die Verwertungsgesellschaften blocken, weil sie die Geschichte überhaupt noch nicht kapiert haben, und die Musikindustrie, die es langsam frisst, dass man mit dem iTMS glänzende Geschäfte machen könnte, fürchtet den Kontrollverlust. Denn was ein Hit wird, will sie immer noch selbst bestimmen und nicht diesem bärtigen (jawollja!) und Jeans tragenden Alt-Hippie überlassen, der nächstes Jahr 50 wird. Mir ist schon klar, dass Apple Macs und iPods nicht deswegen baut, um die Welt zu verbessern, sondern um seinen Aktionären einen ordentlichen ROI zu geben (ROI= Return of Investment, Steiger, nicht Roy Makaay, der ist heute Nachmittag gefordert). Aber Apple macht es besser als andere und ich würde mich deutlich wohler fühlen, wenn das neue Marillion-Album "Marbles" dank Jobs’ iTMS zum Weltbestseller würde, anstatt irgend eines Superstar-Mists, den sich Bertelsmann und Bohlen ausgedacht haben! iPod Inc. oder Apple oder der heilige Steve höchstpersönlich geben uns die Freiheit, nur das zu kaufen, was wir wirklich brauchen! Steiger, das ist ein enormes Sparpotenzial! Da werden Sie und ich unsere Häuser viel schneller abbezahlt haben und wir müssen nicht Christoph Gottschalks Empfehlung folgen, es über den Lotto-Provider Faber zu versuchen! Denn das ist herausgeworfenes Geld. Man sieht’s ja am Gottschalk selbst: Kann sich wegen seiner Zockereien weder einen Friseur leisten noch ein anständiges Powerbook! Von wem ist die Aluminium-Schleuder eigentlich, die der große G. da im Fernsehspot vor sich stehen hat?

Steiger: Gute Frage. Ich hab mir das mal genauer angesehen: Die haben anscheinend tatsächlich sowohl das Apple-Logo auf der Bildschirmrückseite als auch den Schriftzug unter dem Display nachträglich digital entfernt! Müller, Beschiss! Von mir aus hätten Sie Gottschalk-Nase Günther… äh… Christoph digital entfernen können! Und Faber gleich mit! Ich hab den Brief auch im Kasten gehabt! Müller! Beschiss! Rufen Sie das Kartellamt an! Oder jemanden, der das Sagen hat! Bei der Gelegenheit können Sie gleich mal nach einer Steuerbefreiung für mich fragen, ich war ja immerhin schon im Fernsehen und bin berühmt. Sonst wandere ich in die Schweiz aus! Die sind wenigstens neutral! Bis auf den Käse von da drüben, geruchsneutral bekommt man den wohl nicht unbedingt! Und dann werde ich Schweizer Botschafter, lasse mich nach Berlin versetzen, in eine fette Villa, und dann mache wilde Sex-Orgien! Und das alles ohne Lottogewinn! Faber, go home!

Müller: Steiger, Sie und berühmt? Na, von mir aus. Dann können Sie ja Werbung für Postbank und Faber machen. Zähne knirschend, weil vor richtig guten Rechnern sitzend, wie sie die Profis in den Werbeagenturen immer noch einsetzen. Jung von Matt zum Beispiel rüsten derzeit erfolgreich auf Mac-OS X um, wie die Hamburger Werber auf der Drupa zeigen. Aber die Schweiz ist fade, die Berge nehmen einem die ganze Sicht auf das Mittelmeer. Da werde ich mich hinbegeben, in das Steuerparadies Monaco. Heißt zumindest auf italienisch so wie meine Heimatstadt Monaco di Bavaria und hat wenigstens einen Verein im Championsleague-Finale. Muss nur noch zuerst hier die Hoffnungssteuer zahlen, also einen Lottoschein ausfüllen. Alleine, ich will nicht teilen! Bei meinem Gespür für Zahlen kann da nichts schief gehen.

Steiger: Bringen Sie doch mal ein Sixpack mit, wenn Sie schon den Schein unbedingt abgeben müssen. Ach, das geht ja heutzutage auch alles online. Da bin ich aber froh, dass Fußball und Bier noch real sind. Müller, lassen Sie uns gefühlsecht bleiben. Nur das zählt!

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