923666

Kontroverse der Woche: Money, Money, Money

03.07.2004 | 10:00 Uhr | Peter Müller,

Kontroverse der Woche: Money, Money, Money

Steiger und Müller reden sich diesmal über den Tiger, den iMac, und den schnöden Mammon den Mund fusselig.

Steiger: MÜLLER! So langsam verliere ich den Glauben an die Damen und Herren in Cupertino! Was uns da am vergangenen Montag in San Francisco präsentiert wurde grenzte am sprichwörtlich gespielten Witz! Früher hätte Steve Jobs für so eine blutleere Präsentation haufenweise alte Tomaten kassiert! Oder zumindest entsetzte Buhrufe! Apples Tiger ist ein zusammengeklautes Betriebssystem, und die Techniker haben den neuen iMac auch nicht mehr fertig bekommen! Müller, es geht bergab! Sieht man auch gut am Börsenkurs!

Müller: Steiger! Nun haben Sie sich doch nicht einmal so! Ich fand die Tiger-Präsentation richtig prickelnd. Es stimmt schon, was der Heilige Steve gesagt hat: "Wo andere nur reden, da machen wir." Suche im System, auf Meta-Daten basierend! Microsoft nimmt ja eventuell schon wieder Abschied von solch einem Konzept, da es die Longhorn-Entwicklung noch weiter verzögern würde. Grafik-Prozesse auf die GPU ausgelagert und System weit zur Verfügung gestellt! Das rockt, ein ähnliches Konzept verfolgt Apple ja schon mit Core Audio, jetzt dürfen die Video-Profis frohlocken. Und erst Recht über dieses Riesendisplay! Steiger, Apple ist damit der Technik soweit voraus, dass die Grafikkartenhersteller kaum damit nachkommen! Nuer iMac, womöglich mit G5-Prozessor? Geschenkt, Steiger, geschenkt! Die WWDC war eine Profi-Veranstaltung, nichts für Consumer. Die bedient Jobs dann Ende August in Paris auf der Apple Expo. Und da Analysten wirklich ein fürchterliches Gesocks sind, hat Apple das auch gleich vorab angekündigt. Ich würde solche Leute ja strafbar machen, quatschen den Börsenkurs in den Keller, nur weil sie sich Wunderdinge erwarten. Aber Wunder dauern etwas länger, Unmögliches erledigt Apple hingegen sofort.

Steiger: Müller, was reden Sie da? Apple muss endlich mal vom hohen Sockel runter kommen! Auch Jobs muss sich den Regeln der freien Wirtschaft beugen! Nicht einfach irgendwo Dinge zusammenklauen und dann als eigene Revolution verkaufen! Wissen Sie noch, damals, bei der Demo von Panther, diese Sache mit dem schnellen Programmwechsel per Befehl-Tabulator? Geklaut, Müller, frech geklaut! Damals hieß die Shareware " Lightswitch X ". In Tiger ist es jetzt das Dashboard - mit freundlichen Grüßen von den " Konfabulator "-Kollegen! Mann, Müller, ist doch total peinlich! Da lobe ich mir die Jungs von Microsoft, selbst in Longhorn haben die sich am Riemen gerissen und nur Funktionen aus den Cupertino-Labors kopiert! Aber wenn solche Praktikten die wichtige Shareware-Szene schädigen, Müller, da schaufeln sich Steves Mannen das eigene Grab! Und dann die Enttäuschung mit dem iMac! Ein Consumer-G5-Mac war so sicher wie das Armen in der Kirche, jeder virtuelle Spatz im Netz hat das vom Backbone gepfiffen! Und was kam? Nichts! Und hören Sie mir auf mit diesen Monitoren! Pfui, sag ich da nur! Pfui!

Müller: Steiger, loslassen! Sie verbeißen sich ja in etwas, was Sie überhaupt nicht verstehen. Nehmen wir einmal den Lightswitch. Das wäre ja lächerlich, wenn dessen Autoren daran ein Patent reklamierten. Windows kennt dieses Feature seit Version 3.11 oder noch länger, so lange kenne ich es jedenfalls. Die Idee lag einfach nahe, das in den Panther endlich zu integrieren, Apple hat ja keinen Sourcecode geklaut. Und die Konfabulator-Entwickler sind nur äußerlich sauer, jede Wette! Insgeheim lachen die sich einen Ast über so viel Publicity. Bis der Tiger in sechs oder elf Monaten fertig ist, machen die mit ihrem Konfabulator dank der kostenlosen Werbung sicher Milliardenumsätze! Jeder will das Ding jetzt auf seinen Panther oder Jaguar installieren, insbesondere, weil Macwelt in der Ausgabe 8|2004, die heute bei den Abonnenten eingetroffen sein müsste, ausführlich erklärt, was der Konfabulator für einen Nutzen hat und welche Shareware es sonst noch gibt, um seinen Finder zu erweitern. Steiger, diesen Artikel können wir in einem Jahr noch mal veröffentlichen, wir müssen nur ein paar Namen ändern und drüberschreiben: "Was der Tiger jetzt alles kann." Es ist doch immer so, dass kleine Firmen feine Ideen haben, die erst große Firmen zu großem Geld machen können. Davon profitieren aber auch die Kleinen - siehe oben. Und die Konfabulatoren machen sich jetzt schon Gedanken über neue Innovationen, die dann Apple in Mac-OS X 10.5 einbauen wird.
Was den Consumer-iMac betrifft: Ich verstehe echt nicht, was der auf der Profiveranstaltung WWDC gesucht hätte. Apple hat ihn ja fast fertig, das Teil muss wirklich eine Mördermaschine sein, wenn die Endphase der Entwicklung sich derart verzögert. Das heizt die Spekulationen noch weiter an. Ich hoffe, nicht zu weit, nicht, dass die üblichen Kreise nach dessen Premiere auf der Apple Expo wieder eine enttäuschte Flappe ziehen. Und machen Sie mir bloß nicht das 30-Zoll-Display madig! Ich habe gerade eines bestellt!

Macwelt Marktplatz

923666