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Korvaa – biologisch abbaubare Kopfhörer aus Finnland

29.05.2019 | 09:27 Uhr | Peter Müller, Halyna Kubiv

Pilze, Bioplastik und Hefe – das klingt nach einem Chefkoch-Rezept, ist aber in der Wirklichkeit ein Kopfhörer.

Biologisch abbaubar : Kopfhörer werden allmählich zu einem Umweltproblem, mit der Popularität von Smartphones werden ihrer immer mehr – und damit wächst auch der Müllberg. Das finnische Unternehmen Aivan will mit einigen Partnern nun gegensteuern, mit dem gestern in Helsinki vorgestellten Konzept Korvaa. Die Over-Ear-Kopfhörer sind bisher zwar nur ein Prototyp und vermissen noch jedwede Elektronik und damit Funktionalität, sind aber aus Biomaterialien anstatt aus Hartplastik, Gewebe und (Kunst)leder gefertigt. Der Bügel ist ein 3D-Druck, das Ausgangsmaterial ein Bioplastik, das aus von Hefe erzeugter Milchsäure besteht. Die Schale  besteht aus Hydrophobin, einem Protein, das Pilze erzeugen und Zellulose, auch das Lederimitat ist ein Pilzprodukt. Das Gewebe, welches die Lautsprecher abdecken soll, ist aus künstlicher Spinnenseide, die von Mikroben produziert wurde.

Während der gezeigte Prototyp nicht marktreif ist, plant das Unternehmen weiter zu forschen und biologisch abbaubare Stoffe für weitere Elektronikprodukte zu entwickeln. Das finnische Projekt fing mit einer Doku an : Die Regisseurin Nina Pulkkis suchte für ihren Film nach anschaulichen Beispielen für umweltfreundliche Stoffe. Währen die Industrie jede Menge Einzelbeispiele liefern konnte, gab es kein Endprodukt, an dessen Beispiel man Bioplastik & Co. veranschaulichen konnte. Pulkkis vernetzte Wissenschaftler mit Produkt-Designer, das Projekt Korvaa nahm seinen Weg. Es dauerte bis zu einem halben Jahr, bis die Gründer von Aivan die nötigen Bestandteile für ihre abbaubaren Kopfhörer in den Händen hielten. Aus der Sicht des Produkt-Designs sind die Kopfhörer ein anspruchsvolles Projekt: Sie bestehen aus harten und aus weichen Teilen, manche müssen fest aneinander angehängt sein, manche müssen beweglich bleiben.

Das Projekt Korvaa ist nur der erste Schritt, aber auch große Unternehmen forschen, wie sie Plastik in ihren Produkten mit biologisch abbaubaren Stoffen ersetzen können.

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