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Kurioses und Monströses

01.09.2003 | 15:58 Uhr |

Kurioses und Monströses

Auch Kurioses gibt es zu bestaunen, so sind die Hallen 12, 13 und 14 der Pilgerort für die Autotuner, die vor lauter Boxen und Verstärker gerade noch Platz auf den vorderen beiden Sitzen zulassen. Besonders Mac Audio, Magnat und Infinity stopfen so viel Verstärker und Lautsprecher in fahrbare Untersätze, dass ein neben dem Redakteur stehender Berliner nach einem verständnislosen Lachen den Anblick mit "Wer kooft sich den so ne Anlage?" kommentierte. Aber auch für zu Hause sind potente Verstärker und Subwoofer in Kühlschrankgröße keine Seltenheit auf der IFA. A propos Kühlschrank, eben solchen gibt es mit Internet-Anschluss und Icecrusher von LG Electronics.
Während sich der Redakteur mit den zugegeben netten Funktionen wie das Nutzen der heimischen Liedersammlung via drahtloser Verbindung aus dem Wohnzimmer beschäftigt, baut im Hintergrund ein Kamerateam seine Gerätschaft auf.
Einen Satz heiße Ohren kann man sich bei Phillips holen. Ein vibrierender Gaming-Kopfhörer soll durch integrierte Vibrationsverstärker in den Ohrschalen und im Nacken ein intensiveres Klangerlebnis schaffen. Bei ruhigem Downtempo-Beat bekommt man mit dem Kopfhörer eine angenehme Nackenmasage, wie wir im Selbstversuch herausgefunden haben.

Fraunhofer Institut

Immer gut für einen Blick in die Zukunft ist das Fraunhofer Institut, das zusammen mit der dortigen Technischen Universität im beschaulichen thüringischem Städtchen Illmenau forscht. So hat das Fraunhofer Institur vor rund zwei Jahren den Standard MHP (Multimedia Home Plattform) vorgestellt. Eine weitere Arbeitsgruppe hat sich der Integration von technischen Geräten in Kleidung verschrieben. Als Prototyp zeigen die Forscher einen Fahrradkurier, der die Energie für die Elektronik durch einen Radlagerdynamo bezieht. Bei Kälte wärmt ein elektrisch betriebener Nierengurt den Radler, den nächsten Auftrag kann er über ein Display am Unterarm ablesen und annehmen oder ablehnen. Nimmt er den Auftrag an, navigiert ihn eine Stimme zu dem Zielpunkt. Auch das lästige Zusperren des Radls entfällt: Bewegt sich der Fahrradkurier weiter als 4 Meter vom Fahrrad weg, schließt automatisch ein Schloss.
Keine Freunde hat sich die Musikindustrie mit ihren kopiergeschützten Audio-CDs gemacht. Nicht genug, dass man die Lieder nicht auf seinen MP3-Player kopieren kann, einige CDs verweigern gar in CD-Laufwerken von Rechnern ihren Dienst. Apple bietet mit seinem iTunes Music Store bereits eine geschützte Version des Musikkaufs an, der nach Überwindung rechtlicher Hürden und den Streitereien der großen Musiklabels auch in Europa Einzug halten könnte. Das Fraunhofer Institut bietet als Musikschutz das eigene Verfahren LWDRM an. Die großen Labels zeigen laut dem Leiter der Arbeitsgruppe Prof. Dr.-Ing Brandenburg Interesse, sind aber zurzeit noch zurückhaltend. Nach dem Verfahren des Fraunhofer Instituts kann man eine MP3-Datei nach dem Kauf zunächst nicht kopieren. Erst wenn man sich für dieses Musikstück als Besitzer registriert, kann man das Musikstück beliebig oft vervielfältigen, solange man es für sich selber benutzt. Taucht aber dieses Musikstück als Raubkopie auf, kann der Besitzer haftbar gemacht werden.

Während dieses Verfahren für große Musiklabels interessant ist, eignet sich das auf Mundpropaganda basierende Potato-System für Independence-Musiker, die keine GEMA-Mitglieder sind. Der Entwickler hat für dieses System übrigens mit 4friendsonly.com eine eigene Firma gegründet. Das Prinzip ist, das jemand ein Lied inklusive einem eigenen Link auf dieses Lied kauft. Gefällt ihm dieses Lied, gibt er den Link an einen Freund weiter. Kauft der Freund dieses Lied, erhält der ursprüngliche Käufer ebenfalls einen Teil des Liedpreises. Für dieses System gibt es zwei Stufen: Bei der ersten Stufe kann man das Lied zunächst nicht umsonst anhören, bei der zweiten Stufe ist dies möglich.

Fazit

Es wächst zusammen, was gut zusammen passt. Diese IFA zeigt das erste mal den starken Einfluss der Digitaltechnik in der Unterhaltungselektronik. Bei all den Möglichkeiten des vernetzten zu Hauses und den mobilen Lösungen für Foto und Video kann man erahnen, was in fünf Jahren bereits selbstverständlich sein wird. Noch sind diese Techniken in den Kinderschuhen und für den Normalsterblichen meist zu teuer.

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