2539978

Lidar-Sensor im iPhone 12 Pro: Was das ist und wofür

13.10.2020 | 20:08 Uhr | Peter Müller

Nach dem iPad Pro erhält es auch das iPhone: Einen Lidar-Sensor. Wofür steht das Akronym und wozu soll das gut sein.

Seit etwa 2015 kursierten Spekulationen über ein autonomes Fahrzeug, das Apple angeblich entwickle und im Jahr 2020 auf den Markt bringen würde. Nun, es ist 2020 und in vielerlei Hinsicht alles anders als erwartet, vom iCar spricht schon seit ein paar Jahren keiner mehr. Stattdessen werde sich Apple darauf konzentrieren, Technik für autonome Fahrzeuge zu entwickeln, welcher Autobauer das einsetzen möge, sei der Industrie überlassen.

Nun hat es 2020 tatsächlich eine Technologie aus dem vermeintlichen Project Titan in ein Apple-Produkt geschafft. Dieses hat aber keine vier Räder, sondern an seiner Rückseite zwei Kameras und mit einem LiDAR ein drittes System eingebaut, das auf die Reflexion von elektromagnetischen Wellen setzt, um den Raum vor ihm zu vermessen und abzubilden: das iPad Pro.

LiDAR ist ein Akronym und steht für „Light Detection and Ranging“ also etwa „Lichterkennung und Raumvermessung“. Dabei kommt anders als etwa beim Radar Laserlicht zum Einsatz, weshalb die Technik auch als Ladar bekannt ist, „Laser Detection and Ranging“.

Wesentlich präziser als mit den Funkwellen des Radars lässt sich mit einem Lidar die Entfernung und die Geschwindigkeit von Objekten vermessen, mittlerweile kommt daher auch Lidar bei Geschwindigkeitskontrollen zum Einsatz. Lidar sendet Licht aus, das von Objekten zurückgestreut und vom System detektiert wird. Dabei ändert sich auch die Frequenz des Lichts, wenn Objekt und Detektor nicht relativ zueinander in Ruhe sind.

Ursprünglich für die Messungen der Atmosphäre konzipiert – anhand der Laufzeit des zurück gestreuten Lichts lassen sich Schlüsse über Aerosole und Staubteilchen in der Luft ziehen – ist Lidar auch die Technik der Wahl für autonome Fahrzeuge, die ja genau vermessen müssen, welche Objekte mit welcher Relativgeschwindigkeit und Entfernung vom Fahrzeug vor ihm auf und neben der Straße sind.

Im iPad Pro und vor allem im iPhone 12 Pro bekommt das Lidar natürlich andere Aufgaben zugewiesen, wir dürfen uns schon mal sofort von der Vorstellung verabschieden, ein iPhone 12 Pro in der Windschutzscheibe würde aus unserer alten Karre  ein autonomes Fahrzeug machen.

Aus Apples Produktbeschreibung geht hervor, das Lidar werde innerhalb einer Reichweite von fünf Metern in Innenräumen und im Freien Raumtiefen vermessen, iOS 14 bringt die notwendigen Frameworks mit, dass der Prozessor A14 aus den gewonnenen Daten ein genaues räumliches Abbild der Umgebung berechnen kann. Das hat vielerlei Vorteile für Anwendung, man denke nur an die Fotografie und die Herausforderung, Hintergrund vom Vordergrund zu trennen. Die Dual- und Triple-Systeme der Kameras der letzten iPhone-Generationen machen zusammen mit der CPU schon einen recht guten Job, aber mit Lidar geht es noch besser.

Vor allem aber wird es die AR-Fähigkeiten des iPhone 12 Pro auf eine neue Stufe heben können, virtuelle Gegenstände finden sich weit präziser in reale Umgebungen eingebaut und umgekehrt: „Jede bestehende ARKit App erhält automatisch eine sofortige AR-Platzierung, verbesserte Bewegungserfassung und Personenverdeckung. Dank des neuesten Updates von ARKit mit einer neuen Szenengeometrie-API können Entwickler die Leistungsfähigkeit des neuen LiDAR Scanners nutzen, um nie zuvor mögliche Anwendungsszenarien zu ermöglichen.“ Im einem iPhone dient der LiDAR-Scanner für besseren Autofokus, damit sind ebenfalls Portrait-Fotos im Nachtmodus möglich.

Auch das virtuelle Maßband will nun wesentlich genauer die Gegenstände vor der Linse vermessen, dabei helfen auch Vertikal- und Kantenorientierungshilfen, Größen von Personen lassen sich präziser bestimmen.

Wer schon mal einen Handwerker hat Räume vermessen lassen, wird Lidar-Geräte kennen und vielleicht gesehen haben, dass man von dem Laserlicht nichts sieht: Lidars arbeiten im nahen Infrarotbereich, die Leistung der Strahlung ist auch derart gering, dass sich Personen im Feld eines Lidars keine Gedanken über ihre Augen machen müssen.

Macwelt Marktplatz

2539978