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Lightning vs. USB-C: Ist USB-C wirklich “besser“?

05.06.2022 | 10:30 Uhr | Stephan Wiesend

Persönliche Vorlieben beiseite: Was ist eigentlich wirklich besser? USB-C oder doch Apples Lightning-Stecker?

2012 war der Lightning eine echte Verbesserung und wurde von den iPhone- und iPad-Käufern anfangs sehr positiv aufgenommen. USB-C war noch nicht weit verbreitet, es entstand schnell eine Vielzahl an Lightning-Zubehör. Kein Wunder, dass Apple sehr lange an der einmal eingeführten Spezial-Schnittstelle festhält. Nachdem aber auch immer mehr iPads mit USB-C ausgestattet werden – Ausnahme ist das 10,2-Zoll große iPad – wird auch von Mac-Anwendern der Wunsch nach einem einheitlichen Kabel immer stärker. Die EU-Kommission macht ebenfalls Druck , will man doch durch einen einheitlichen Ladestecker unnötigen Elektromüll vermeiden.

Nicht ohne Grund liefert Apple aktuelle Geräte ja selbst noch mit einem USB-C-Ladegerät aus – selbst das 10,2-Zoll große iPad, das noch auf Lightning basiert. Die Zahl der Kabel und Adapter nimmt für Mac-Anwender mit mehreren Apple-Geräten dadurch zwangsläufig immer mehr zu. Trotzdem soll auch das kommende iPhone 14 weiter auf Lightning setzen, was viele Kunden wohl nicht mehr nachvollziehen können. So liegt folgerichtig allen iPhones jetzt ein Lightning-auf-USB-C-Kabel bei – aber warum dann nicht gleich USB-C als Geräteschnittstelle?

Vorteile und Nachteile von USB-C

Die technischen Vorteile von USB-C sind unumstritten. Ohne ausdrückliche Ankündigung setzt Apple schließlich längst selbst voll auf den USB-C-Stecker gesetzt. So haben nicht nur iPad Pro, Mini und Air eine als besonders hochwertig beworbene USB-C-Schnittstelle, auch der Homepod Mini wird per USB-C-Kabel mit Strom versorgt. Mit USB 4 bzw. Thunderbolt 4, die auf den USB-C-Stecker setzen, ist Apple sogar Vorreiter der USB-Welt. So war man schließlich bereits mit dem 12-Zoll-Macbook der erste Hersteller, der nur noch USB-C-Schnittstellen anbot – und nebenbei einen Boom für USB-C-Hubs auslöste.

Über die technischen Hintergründe ist schon viel diskutiert worden, zumindest aktuelle Versionen von USB-C sind aber Lightning zumindest potenziell klar überlegen. Schließt man einfach ein USB-C-Kabel an seinen Mac an, kann man Überraschungen erleben. USB-C ist kein Standard, sondern nur ein Steckertyp. Entscheidender ist die USB-Version, die das Kabel oder USB-C-Gerät unterstützen (zahllose Standards wie USB 4 Gen 3x1 und USB 3.2 Gen 2x1, die kaum ein Kunde versteht). So gibt es etwa  Ladekabel, die externe Speichermedien gar nicht mounten können. Auch beim Anschluss eines Monitors per USB-C kann man Überraschungen erleben, nicht jedes 1-Euro-Kabel ungewisser Herkunft ist geeignet. Zusätzlich gibt es Thunderbolt, das ebenfalls die USB-C-Buchse verwendet. Nur spezielle Thunderbolt-Kabel, leicht zu erkennen an einem kleinen Blitz am Stecker, können Daten mit hoher Geschwindigkeit übertragen.

Hier hat Lightning einen Vorteil: Will man sein iPhone oder Airpods-Gehäuse aufladen, greift man schon zwangsläufig zum korrekten und von Apple geprüften Lightning-Kabel. Das minimiert nebenbei Beschädigungen durch fehlerhafte Billigkabel. Hier sind weniger robuster Geräte wie iPhone und auch Airpods schließlich auch etwas anfälliger als Notebooks und Desktops.

Sind es die Lizenzgebühren?

Manche vermuten, es wären finanzielle Gründe, warum Apple weiter auf Lightning setzt. Jeder Anbieter eines billigen Lightning-Kabels muss dieses von Apple zertifizieren lassen und eine Lizenzgebühr zahlen – sonst darf es nicht „Lightning-Kabel“ heißen (warum man bei Billigkabeln oft so genannte „iPhone-Ladekabel“ findet). Dies vermutet etwa LeaksApplePro . Die Gebühren sind nach unserer Einschätzung für Apple aber eher mäßig und entsprechen eher den Kosten, die Apple durch Lightning erst entstehen. Neben den Entwicklungskosten entstehen ja für den Hersteller auch hohe Kosten für die Verwaltung und anwaltliche Beratung.

Lightning-Peripherie

Manche vermuten, Apple werde bei den iPhones bald ganz auf Magsafe setzen, das ist aber noch sehr unsicher. Schließlich ist eine kabelgebundene Schnittstelle für viele Aufgaben praktischer, nicht zuletzt für Aufgaben wie Wartung und Diagnose im Apple Store. Es gibt aber vor allem eine Art Unterhaltspflicht, die Apple hier mit sich herumschleppt. Als Unternehmen ist man nicht nur seinen Kunden, sondern auch anderen Firmen verpflichtet, die seit 2012 zahlreiche Lightning-Peripheriegeräte entwickelt haben. So nutze ich auch heute noch einen Lightning-Kopfhörer von Pioneer (dank Lightning ohne Akku) und einen Lightning-Kartenleser von Apple – nach Wegfall der Lightning-Schnittstelle leider wertlos. Es gibt aber auch Spezialmikrofone, Wärmebildkameras und vor allem den auf Lightning basierenden und von zahllosen Schulen und Unternehmen teuer erworbenen Apple-Pencil. Von zahllosen Audio-Docks und Kabel ganz zu schweigen. Hier setzt Apple nach unserer Einschätzung vermutlich auf einen langsamen Entwöhnungsprozess bei Entwicklungspartnern und Endkunden. Mit jedem Jahr werden aber Lightning und auch Zubehör und Kabel immer mehr obsolet und können dann problemlos von USB-C ersetzt werden.

 

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