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Luca-App: Die Einschätzung der Experten

08.03.2021 | 17:39 Uhr | Halyna Kubiv

Die Luca-App ist momentan in aller Munde, die Lösung soll die Kontaktverfolgung in der Gastronomie digitalisieren und so zu mehr Normalität verhelfen.

Nach der offiziellen Corona-Warn-App steht nun die Luca-App im Licht der Öffentlichkeit. Konzipiert von einem Berliner Start-up, ausgegliedert aus Hasso-Plattner-Institut und Michael Bernd Schmidt, besser bekannt als Smudo von den "Fantastischen Vier", soll die Luca-App vor allem im Gastronomie- und Event-Bereich greifen und die Kontaktnachverfolgung dort digitalisieren und beschleunigen. Die App setzt auf ein dezentrales Prinzip (Datenspeicherung auf dem Smartphone des Nutzers), der Datentausch zwischen einen Besucher und einem Gastwirt funktioniert über die QR-Codes, die sich innerhalb der App regelmäßig ändern. Wie realistisch bzw. nützlich ist der Einsatz einer solchen App beispielsweise in der Gastronomie?

Gesundheitsamt schnell angebunden, Gesetzgebung schwierig

Die größte Hürde sehen die Experten nicht mal in der Anbindung an die Gesundheitsämter, laut Dr. Ute Teichert, Direktorin der Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen, Düsseldorf und Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e.V., nutzen bereits 40 der insgesamt 400 Gesundheitsämter die Möglichkeit, über die Luca-App Kontakte nachzuverfolgen. Die Ämter, die bereits das Kontaktpersonen-Management-System (SORMAS-ÖGD-COVID-19) einsetzen, erhalten die Daten direkt in der Datenbank, auch ohne SORMAS gelingt das Synchronisieren mit der App in der Regel recht unproblematisch. Demnach sollen Gesundheitsämter in Rostock und in Dortmund die Synchronisierung mit der App noch diese Woche freischalten.

Als eine ernstzunehmende Hürde erscheint wohl die Gesetzgebung auf der Bundesebene und in den einzelnen Bundesländern. Laut Dr. Dennis-Kenji Kipker, dem wissenschaftlichen Geschäftsführer am Institut für Informationsrecht (IGMR) der Universität Bremen sehen die meisten Verordnungen vor, dass die Betreiber die Kontaktverfolgung analog durchführen, digitale Mittel sind lediglich als Hilfsmethoden vorgesehen. Ob die App jemals zu der Kontakterfassungs-App der Wahl wird, bezweifelt Dr. Kipker, denn dafür müsste man die App verpflichtend machen. Dieses wird schon deswegen schwierig, weil nicht jeder Bürger ein kompatibles Smartphone hat. Eben deswegen ist die Corona-Warn-App bzw. ihre Nutzung rein freiwillig und nicht zwingend. Auch die Restaurants und Gaststätten würden wenig Interesse haben, die Daten liegen ja in der Hand der App, nicht mehr bei den Betreibern selbst. Auch Prof. Dr. Anne Riechert, Professorin für Datenschutzrecht und Recht in der Informationsverarbeitung an der Frankfurt University of Applied Sciences ist einer vergleichbaren Auffassung: Momentan gibt es kein Gesetz zur verpflichtenden Nutzung einer App, das heißt, die Bürger können nicht gezwungen werden, eine App, sei es Luca oder Corona-Warn-App, zu installieren und zu nutzen. Der Einsatz der Luca-App für Museen und Gaststätte befreit deren Betreiber nicht von bestehender Dokumentationspflicht zur Kontaktnachverfolgung.

Fehlende Transparenz

Was den Datenschutz in der App anbelangt, hat der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit von Baden-Württemberg die Nutzung der App unterstützt. Demnach wird die Dokumentation der Kontakte auf "technisch höchsten Stand verschlüsselt und liegt in der Hand des Luca-Nutzers." Auch der frühere Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein Dr. Thilo Weichert sieht in den kurzzeitig wechselnden QR-Codes einen zusätzlichen Schutz der Nutzerdaten. Allerdings kritisiert er, dass die App den Code nicht als Open Source zur Verfügung stellt. So wäre eine breitere Überprüfung möglicher Lücken und Risiken möglich. Fehlende Transparenz kritisiert ebenfalls Prof. Dr. Tibor Jager, Professor für IT-Sicherheit und Kryptographie an der Bergischen Universität Wuppertal. Zur Einschätzung der Sicherheit der App fehlen demnach eine genaue technische Systembeschreibung, Quellcode der App und weitere Details. So ist eine unabhängige Überprüfbarkeit durch Experten oder fachkundige Nutzer fast unmöglich. Was aber aus seiner Sicht noch wichtiger ist: "Vor allem aber muss man bei der Diskussion um Corona-Apps immer mitberücksichtigen, dass eine technische Lösung nicht mehr als eine Ergänzung zu anderen Maßnahmen sein kann. Ein Virus ist kein technisches Problem, das man mit Technik allein lösen kann. Eine App kann nur ein Baustein in einem Gesamtkonzept sein, aber nicht alleiniger Heilsbringer.“

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