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MP3 beschäftigt Industrie und Justiz

01.03.2001 | 00:00 Uhr |

Madonna war erst tieftraurig, dann entzückt über
die Werbewirkung. Die englische Kultband Radiohead schwört darauf.
Katja Riemann und Marius Müller-Westernhagen dagegen finden das Ganze
nicht so lustig und haben mit einem Schreiben an das Europäische
Parlament protestiert: Das massenhafte illegale Kopieren von
Musikdateien aus dem Internet beschäftigt Autoren, Komponisten und
die gesamte Musikindustrie.

Schuld daran ist ein Komprimierungsverfahren mit dem eingängigen
Namen «Motion Picture Experts Group audio layer 3», besser bekannt
als MP3. Die Musikdateien werden dabei auf einen Bruchteil ihrer
ursprünglichen Größe komprimiert, indem «überflüssige» Daten wie etwa
vom menschlichen Ohr ohnehin nicht hörbare Töne entfernt werden.
Anschließend lassen sich die kleinen Datenpakete ohne
Qualitätsverlust über bis zu zwölf Mal schneller über das Internet
verschicken.

Experten halten MP3 für «die größte Revolution seit Erfindung der
Schallplatte». Die Erfinder, drei Wissenschaftler des Erlanger
Fraunhofer-Instituts für integrierte Schaltungen (IIS), wurden im
vergangenen Jahr mit dem «Deutschen Zukunftspreis 2000» geehrt. Doch
das kleine Kürzel sorgt seit 1993 in Zusammenhang mit dem Internet
immer wieder für Zündstoff zwischen Portalbetreibern, Nutzern und der
Musikindustrie.

Die fünf großen Musiklabels - BMG, EMI, Timer Warner, Sony und
Universal - verklagten die populäre Musiktauschbörse Napster wegen
Verletzung der Lizenzbestimmungen auf Schadenersatz in
Milliardenhöhe. Der deutsche Medienriese Bertelsmann witterte
angesichts 60 Millionen Nutzer und weiterer potenzieller Kunden die
große Chance: Die Gütersloher stiegen mit einem 60-Millionen-Kredit
bei Napster ein und Bertelsmann-Tochter BMG folgerichtig aus dem
Klage-Quintett aus. Am 12. Februar musste Napster jedoch eine herbe
Schlappe einstecken und bemüht sich seitdem fieberhaft um ein
geeignetes Geschäftsmodell, das ihnen den Frieden mit der
Plattenindustrie sichern soll.

Nach Ansicht von Experten entsteht der Musikbranche durch
Musikpiraterie weltweit ein Schaden von mehr als drei Milliarden Mark
jährlich. Doch ein Ende des ungezügelten Kopierens scheint in Sicht.
Nicht nur weil Napster am 12. Februar dazu verpflichtet wurde, ein
Geschäftsmodell zu entwickeln, das den urheberrechtlichen
Bestimmungen gerecht wird. Auch auf technischem Sektor scheint eine
Lösung in naher Zukunft möglich.

Ausgerechnet das ISS wird zur weltgrößten Computermesse CeBIT (22.
bis 28. März) eine neue Software vorstellen, die einen effektiven
Kopierschutz gewährleisten soll. Das Produkt soll die Portalbetreiber
in die Lage versetzen, ein so genanntes digitales Wasserzeichen als
kleinen Datenspion in jede MP3-Datei zu integrieren. «Wer es
tatsächlich schafft, die digitalen Wasserzeichen aus den Dateien zu
entfernen, muss eine erhebliche Verschlechterung der Klangqualität in
Kauf nehmen», sagt Christian Neubauer vom ISS. Jeder Diensteanbieter
könnte damit künftig Musikdaten mit den unhörbaren Wasserzeichen
bestücken. Der Weg, den die Datei im weltweiten Datennetz zurücklegt,
könnte anhand der integrierten Kunden-Nummer (ID) zurückverfolgt
werden. Daraus ließen sich auch Rückschlüsse auf eventuell
unerlaubtes Kopieren ziehen. «Was dann die Provider mit den Daten
machen, ist nicht mehr unsere Sache», sagt Neubauer. Die Forscher
stellten nur die Technik zur Verfügung.
dpa

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