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Mac Pro 2019: Wirklich ein 50.000-Euro-Rechner?

04.06.2019 | 14:05 Uhr | Stephan Wiesend

Die Preise für den neuen Mac Pro beginnen bei 6000 US-Dollar und können schnell auf Tesla 3-Niveau steigen. Das schockiert aber offenbar kaum noch jemanden.

Der neue Mac Pro bietet ein beeindruckendes Design und höchste Leistung, bei den Preisen bricht Apple aber neue Rekorde. Mit 5.999 US-Dollar ist der neue Mac Pro nicht viel teurer als ein iMac Pro, allerdings auch kostspieliger als sein runder Vorgänger von 2013. Erst als John Turner die Preise des neuen Apple-Monitors Prod Display XDR nannte und die hohen Preise für Monitor und Standfuß nannte  (1:42) – da ging dann doch ein Raunen durch das Publikum.

Was vielen aber vielleicht nicht bewusst ist: Apple hat bei der Präsentation bisher nur den Startpreis bekannt gegeben. Als Einstiegsversion bietet Apple nur 256 GB SSD-Speicher (vermutlich nicht vom Nutzer aufrüstbar), eine eher mittelmäßige Radeon-Grafikkarte Radeon Pro 580X und einen Basis-Xeon-Rechner mit acht Kernen. Die große Stärke des neuen Mac Pro ist aber die gute Erweiterbarkeit, erstmals kann man bis zu vier Grafikkarten ergänzen und riesige Mengen an Arbeitsspeicher nutzen. Es sollte nicht überraschen, das der neue Mac Pro zwar aufrüstbar ist, aber keineswegs durch beliebige Standard-Hardware. Das führt aber zu ganz neuen Preis-Rekorden, die bereits zu ersten Schlagzeilen in den Medien geführt haben: Nach ersten Schätzungen kann ein ein voll ausgestatteter Mac Pro nämlich schnell 50.000 Euro kosten.

Grund dafür sind teurer ECC-Arbeitsspeicher für die Xeon-CPUs, teure Grafikkarten und teure Prozessoren. So schätzt etwa "The Verge" den Preis eines Xeon mit 28 CPUs auf knapp 7.500 US-Dollar, 1,5 TB an RAM des passenden Typs würden noch beeindruckendere 17.900 US-Dollar kosten. Die Preise für RAM und die Erweiterbareit sind aber noch nicht klar, so findet sich in der Zubehör-Liste des Mac Pro etwa ein so genanntes " Apple Memory Kit " mit 8 bis 64 GB RAM. Für ein Upgrade des internen SSD-Speichers auf 4 TB kann man bei Apples üblichen Preisen weitere 2.400 US-Dollar veranschlagen. Bei den Grafikkarten setzt Apple außerdem wieder auf teure Workstation-Grafikkarten von AMD, die  äußerst kostspielig sind. Wählt man die Vollausstattung von vier Grafikkarten, liegt man vermutlich bei knapp 12.000 US-Dollar. Insgesamt erreicht man so 45.800 Dollar oder knapp 50.000 Euro – ohne Monitor. Aber auch ohne diese Extrem-Konfiguration: Für eine mittlere Konfiguration mit schnellerer CPU und mehr Speicher sollte man wohl mit einem realistischen Preis von knapp 8.000 Euro rechnen.

Der Monitor

Was viele wohl noch mehr erstaunt hat: Auch der neue Monitor von Apple ist mit einem Grundpreis von 5.000 US-Dollar exorbitant teuer, allein der aufwendige Ständer kostet weitere 1.000 US-Dollar. Kauft man Mac Pro und Monitor, ist man so schon sofort über der 10.000-Euro-Grenze. Hatte man bisher nur mit Büro-Monitoren für wenige hundert Euro zu tun, ein völlig unverständlicher Preis. Apple will hier aber nicht mit 4K-Monitoren von Acer und Samsung konkurrieren, sondern mit echten High-End-TFTs für die Videobearbeitung. Der Hintergrund: TV-Geräte mit Unterstützung von HDR werden immer günstiger, für die Produktion dieser HDR-Inhalte setzen Studios aber teure Referenzmonitore ein (laut Apple). Diese Referenzmonitore wie der DP-V2420 von Canon kosten knapp 30.000 Euro. Sollte Apples Monitor mit diesen Geräten mithalten können und solche Referenzmonitore überflüssig machen, wäre er vielleicht wirklich als günstig zu bezeichnen. Zumindest die in der Keynote vorgestellte Option, sechs der Monitore zu koppeln, wird man in der Praxis aber selten sehen und für andere Anwendungen ist er vielleicht einfach zu teuer. Dafür ist über den Monitor aber aktuell einfach zu wenig bekannt, etwa die Eignung für Bildbearbeitung.

Monitore wie diesen 30 000 Euro-TFT soll Apples neuer Bildschirm ersetzen können.
Vergrößern Monitore wie diesen 30 000 Euro-TFT soll Apples neuer Bildschirm ersetzen können.
© Canon

Unsere Meinung:

Der neue Mac Pro ist sehr teuer, für viele Apple-Kenner ist dies aber wenig überraschend. Auch die ersten Reaktionen in den Medien waren bisher weit mäßiger als in früheren Jahren. Noch vor wenigen Jahren hatten die Preise für den iMac Pro zu einem Aufschrei in der Presse geführt, offensichtlich hat es sich aber herumgesprochen: Der Mac Pro ist kein gewöhnlicher Desktop-Rechner, der für die Gaming-Session am Feierabend gedacht ist. Es sind Profi-Komponenten wie fehlerkorrigierender ECC-Speicher und Workstation-Grafikkarten, die ihn so teuer machen – bzw. machen können.

So verwies Apple bei der Keynote auf Workstations anderer Hersteller, die mit gleicher Ausstattung 8.235 Dollar kosten würden. Das ist nicht falsch, manche Geräte von Dell und HP kosten Unsummen. Trotzdem schade: Auch manch freier Journalist oder Amateur-Fotograf hätte sich sicher gerne einen Mac Pro zugelegt. Für diese ist er aber einfach nicht konzipiert und zu teuer. Xeon-CPUs, ECC-Speicher und Workstation-Grafikkarten bieten Vorteile, diese rentieren sich aber nur für Profi-Anwender wirklich,  ebenso die Erweiterbarkeit auf vier Grafikkarten. Ein vielleicht willkommener Nebeneffekt: Selbst der iMac Pro wirkt neben dem Mac Pro nun gar nicht mehr so unerschwinglich.

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