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Macbook Pro M1 Pro/Max: Warum die Notch nicht stört

20.10.2021 | 09:40 Uhr | Peter Müller

Man wird sich an die Aussparung im Bildschirm der neuen Macbooks Pro gewöhnen müssen. Das wird aber nicht schwerfallen.

Der Zyniker in uns hat das am Montag Abend recht schnell erkannt: Apple hat bei den neuen Macbooks Pro ein nerviges Bauteil, nämlich die Touchbar entfernt, um ein anderes nerviges Bauteil jetzt auf das High-End-Notebook zu bringen, die seit dem iPhone X bekannte und reichlich verhasste Notch. Dem Zyniker in uns hat der Analytiker aber recht schnell Einhalt geboten. Denn es gibt sehr wohl Fans der Touchbar, wie wir wissen , das Bild der öffentlichen Meinung auf Twitter und anderen einschlägigen meinungsstarken Netzen mag etwas verzerrt sein. Richtig ist aber, dass die Zielgruppe des Macbook Pro die Änderung zurück zu den Funktionstasten mehrheitlich begrüßen mag. Von "nervig" kann aber kaum die Rede sein, zumindest nicht allgemeingültig.

Guidelines näher erklärt

Nervig ist die Notch nun auch auf dem iPhone nicht wirklich. Vor vier Jahren hatte es reichlich Spott über die Aussparung gegeben, aber die Konkurrenz bietet keine Lösung an, die akkurater und eleganter wäre. Irgendwo müssen die Infrarotdioden und -sensoren und die 12-MP-Kamera ja hin, bis die wirklich in der erwarteten Zuverlässigkeit durch den Bildschirm hindurch arbeiten, muss man mindestens bis nächstes Jahr warten. Nicht wenige der Spötter haben nun auch eine Kerbe auf der Vorderseite, man hat sich daran gewöhnt.

Vor allem, weil Apple den Platz neben der Notch sinnvoll nutzt und das auch Entwicklern empfiehlt. Allenfalls beim vollflächigen Betrachten von Bildern oder Videos fällt die Kerbe noch auf  – aber am Bildrand sollte ohnehin nicht das Hauptgeschehen spielen, haben wir in Fotokursen gelernt.

Außerdem haben die neuen Macbooks Pro gar keine Notch auf dem Bildschirm. Es handelt sich um das Kameragehäuse, wie es im Apple-Sprech heißt. Schon auf der Keynote "Unleashed" am Montag war zu sehen, wie sich die Kerbe, pardon, das Gehäuse, in das System einfügt, respektive es um die Notch herum agiert. Die Menüleiste der Software rückt nach oben, dorthin, wo eben bisher der restliche Rahmen war, der Platz für Inhalte auf dem Bildschirm wird auf diese Weise größer.

Einige Anwendungen beschränken sich aber auf dem Platz unterhalb des Gehäuses für ihre Vollbilder, wie etwa Facetime, was in der Präsentation gut zu sehen war und wie es Apples Pressebilder etwa für Final Cut zeigen.

Wie Apple das genau regelt, steht in den Designerrichtlinien, den Human Interface Guidelines – Anwendungen Dritter können den Platz rund um das Gehäuse in Anspruch nehmen und so auch von dem größeren Platzangebot profitieren. Apple-Ingenieurin Linda Dong hat gestern auf Twitter dazu einiges erklärt und Fragen beantwortet. Die No..., das Gehäuse, lasse etwa ausreichend Platz für Menüpunkte, rechts und links davon. Der Cursor wandert gewissermaßen unter der Aussparung durch, hüpft nicht und nimmt keine Umwege.

In Kauf nehmen müssten Entwickler aber, dass die Menüs rechts vom Gehäuse abgekürzt werden, vermutlich, weil sie dort auf Menüleistensymbolen treffen und um den Platz streiten. Dong empfiehlt aber, Menüs grundsätzlich schlanker zu halten, damit man gar nicht erst in diese Bredouille gerät. Um das Problem mit der Kamera am oberen Rand komplett zu umgehen, könne man aber einen Kompatibilitätsmodus wählen, die Anwendung nutzt dann nur den Platz unterhalb – das geht dann auf Kosten des Platzes.

Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt, welche Apps in den nächsten Monaten und Jahren welche Lösung bieten. Das Kameragehäuse auf dem Macbook Pro ist gekommen, um zu bleiben, für wie lange, weiß man nicht. Ein Produktzyklus für das Macbook Pro dauert in der Regel vier bis fünf Jahre, vorher wird es keine andere Lösung geben. Die danach wird dann hoffentlich besser sein und nicht wie im Fall der Touchbar ein Schritt zurück in die Vergangenheit. Denn die dünnen Rahmen sind schon sehr fein.

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