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Macphisto (10): Covidioten auf dem Vormarsch

12.05.2020 | 15:35 Uhr |

Der Geist, der stets verneint, ist erstaunt: Da draußen gibt es noch hartnäckigere Nihilisten – die mit Worten kaum noch zu erreichen sind.

Es ist die Gretchenfrage dieser Tage: „Nun sag, wie hast du’s mit der Vernunft?“ Macphistos Kollegen auf der anderen Seite, in den unteren und den oberen Stockwerken, werden bald wieder reichlich zu tun bekommen. Denn mit der Vernunft und der Geduld scheint es dem Volk nicht weit her zu sein. Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte.

Da nennt man nun diverse Maßnahmen gegen die dunkle Bedrohung und erntet stets ein Nein. Dabei sei doch Macphisto der Geist, der stets verneint?

Sagt man den Leuten, sie mögen noch ein wenig zu Hause bleiben und sich nicht vor dem Tor tummeln, dann heißt es: Nein, das wollen wir nicht.

Sagt man den Leuten, sie mögen ein Stück Stoff im Gesicht tragen, so wie sie auch Wams, Rock und Hemd tragen, ohne zu klagen, dann heißt es: Nein, das wollen wir nicht.

Sagt man, so haltet doch ein, nur noch ein paar Monde, bis medizinische Hilfe naht, so heißt es: Nein, impfen lassen wollen wir uns nicht. Weil uns da jemand sticht. Und jemand damit Geld verdient, dem wir das nicht gönnen.

Abgesehen davon, dass die Stiftung des William Jefferson Gates III. und seiner Frau Melinda alle aus Patenten und Lizenzen generierten Gewinne wieder zurück in die Forschung fließen lässt, kursiert noch viel mehr Unfug über den ehemaligen Microsoft-Chef. Die schiefe Rechnung, nach der man die Buchstaben seines Namens durch Zahlen ersetzt, auf die Quersumme 666 gelange, ist da noch nicht einmal die dümmste Geschichte.

Aber nein, bilden will sich derartiges Volk, das diese infamen Erfindungen ungeprüft weitergibt wie einen Virus, auch nicht. Was die Zeitungen alle schreiben und die Stationen alle senden, muss ja eine Lüge sein, weil sie alle im Wesentlichen das Gleiche sagen: Die Botschaft hört man wohl, allein es fehlt der Gefallen daran. Also muss sie falsch sein.

Und schlägt man dem von Technik begeisterten Volk auch noch vor, man möge doch eine App installieren, damit wenigstens das Ausbruchs- und Infektionsgeschehen soweit nachvollzogen werden kann, um die Maßnahmen anzupassen und gegebenenfalls Beschränkungen zu lockern, so heißt es: Nein, das wollen wir nicht. Lassen uns doch nicht ausspähen.

Stattdessen schreit das Volk „Nein, er gefällt mir nicht, der neue Burgemeister! Nun, da er’s ist, wird er nur täglich dreister.“

Könnte er Verzweiflung spüren, würde Macphisto verzweifelt fragen: „Was wollt Ihr denn dann?“ Und wenn die Antwort etwas von einem Kaubonbon enthält, lässt sich mit Worten nicht mehr trefflich streiten. Ein jeder lernt nur, was er lernen kann.

So wie ein jeder und eine jede das Recht auf eigenen Ansichten hat, so irrelevant ist das Recht auf eigene Fakten. Einem pandemisch gewordenen Virus ist es egal, was die Leute wollen, er nutzt die ökologische Nische, die ihm geboten wird, stur seinem Programm folgend. Das nicht im Silicon Valley geschrieben wurde, sondern über Jahrmilliarden von der Natur.

Die auch einen aufrecht gehenden Affen hervorbrachte, der sich selbst als verständig oder vernünftig bezeichnet. Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein, um tierischer als jedes Tier zu sein. ✉ Feedback an Macwelt.

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