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Macphisto (12): Margrethes Frage

05.01.2021 | 10:21 Uhr |

In erster Instanz entkommen Apples Milliarden den Höllenqualen des irischen Steuerschlunds. Unser Kolumnist aus der Hölle hat wieder seine ganz speziellen Theorien von der Gravitation des Geldes.

Der Teufel, so heißt es, mache stets auf den größten Haufen. Macphisto kann und will das nicht kommentieren, weder bestätigen, noch dementieren. Nach Golde drängt, am Golde hängt alles, es ist wohl richtig, dass nur Geld Geld gebiert und große Haufen davon kleinere anziehen, als gäbe es eine fünfte Naturkraft: Die Geldgravitation.

Alles geben Götter, die unendlichen, Ihren Lieblingen ganz. Alle Freuden, die unendlichen. Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz. Geld macht schließlich auch unglücklich, und nicht nur dann, wenn man es nicht hat. Denn der große Geldspeicher in Cupertino weckt Begehrlichkeiten. Die der EU-Kommission vorwiegend, Margrethe fragt nicht zu Unrecht: "Nun sag, wie hast du's mit der Steuer?" Die Vereinbarung der sozialen Marktwirtschaft sieht bekanntlich vor, dass Unternehmen, die von den Infrastrukturen und den staatlich finanzierten Ausbildungen seiner Mitarbeiter reich werden, einen nennenswerten Teil des Gewinns an die Gemeinschaft abführen, um diese wiederum zu stärken. Das funktioniert mit globalen Unternehmen nur bedingt, denn von welchen Gemeinwesens Vorarbeit profitieren sie wie sehr? Wie ist das zu beziffern? Man mag es als ungerecht empfinden, dass Apple nicht mehr Steuern zahlt. Doch stellt sich der Konzern hin und spricht glaubwürdig davon, jedes Goldstück, das es schulde, auch brav zu bezahlen. Wenn die Gesetze und vor allem deren starken internationalen Unterschiede es erlauben, geringere Sätze zu bezahlen als kleine Firmen, die nur an einem Standort tätig sind, dann ist mit den Gesetzen etwas falsch.

Macphisto sagt: Es erben sich Gesetz und Rechte wie eine ew'ge Krankheit fort. Sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechte und rücken sacht von Ort zu Ort. Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage. Weh dir, dass du ein Enkel bist! Vom Rechte, das mit uns geboren ist, von dem ist leider! nie die Frage.

Aber so haben das reiche Apple, das reiche Amazon, das reiche Microsoft, das reiche Google und die reichhaltigen Reiche der anderen Reichen eben die kaum eingeschränkte Möglichkeit, noch reicher zu werden. Es ist mehr Geld vorhanden, um noch bessere Hardware, Software und Services zu entwickeln. Noch bessere Steuerberater zu engagieren, noch bessere Standorte für Entwicklung, Bau und Vertrieb zu finden.

Wie sehr das Gold glänzt und blendet, hat man in den letzten Wochen an der Firma Wirecard gesehen. Die sich reich log, um reich zu werden. Das ist womöglich die Antwort auf Margrethes Frage: Apple hat es nicht nötig, zu lügen und zu betrügen. Will sie mehr vom Geldhaufen bekommen, muss sie sich besseres Werkzeug beschaffen.

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