2525139

Macphisto (14): Die Macht der Zahl

04.08.2020 | 13:15 Uhr |

Keine Panik, dieser Tage, alles im Griff auf dem sinkenden Schiff. Zeit für einen Beta-Blogger aus der Hölle.

Allwissend ist Macphisto nicht, doch viel ist ihm bewusst – abergläubisch ist er nicht. Wenn die 13 tatsächlich Unglück bringen sollte, würde sie das ja auch, wenn man nicht daran glaubt. Die meisten Fluggesellschaften verzichten daher auf die 13te Reihe, in Wolkenkratzern folgt auf das 12te Stockwerk die Nummer 14. So folgt auf Macphistos Wortmeldung Nummer 12 die mit der 14. Du musst versteh'n: Aus Eins mach' Zehn! Die 13 lass geh'n!

Apple hebt sich wohltuend von der grassierenden Triskaidekaphobie ab, im letzten Jahr folgte auf iOS 12 die fortlaufende Nummer 13. Schon zwei Jahre zuvor wurde aus macOS 10.12 Sierra schlicht macOS 10.13 High Sierra. Und wenn auch ungewiss ist, dass die neuen iPhones dieses Herbstes tatsächlich iPhone 12, Pro und Max heißen, so ist die Chance doch recht groß, dass 2021 die iPhones 13 folgen werden  – oder spätestens im Jahr darauf als Nachfolger von iPhones 12s. Es gibt keinen Grund, die 13 auszulassen – oder aus dem Max einen Moritz zu machen.

Das ist für Teilnehmer des Public-Beta-Tests auch nicht die Motivation: Lasst uns endlich das Unglück auf unseren iPhones und iPads loswerden und das neue System installieren! So richtig glücklich verlief im letzten Jahr der Umstieg auf die 13 zwar nicht, mit etlichen verschobenen Funktionen und zahlreichen Wartungsupdates, welche die gröbsten Fehler bereinigten. Spätestens zum Wechsel in das unglückliche Jahr 2020 waren alle Baustellen geschlossen, ehe sich neue auftaten.

Durchatmen – das hatte sich Apple für iOS 14 und iPadOS 14 vorgenommen, lieber Features erst gar nicht ankündigen, wenn die Gefahr besteht, das diese im Test durchfallen. Dann kam die Sache mit der Seuche dazwischen, die ein völlig neues Denken bei der Nutzung von Bluetooth erforderte. Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch auch was denken lassen.

Man merkt der Beta von iOS 14 an, dass Cupertino das Update schon plante, als Corona noch der Name für ein mexikanisches Leichtbier war oder der für den Kranz der Sonne, der tausend Mal heißer ist als ihre Oberfläche. Als die Sonne dann kein Weißes mehr duldete, war die Zeit gekommen, mit denen einen Bund einzugehen, die man die Jahre davor für Teufel gehalten hat – aber Macphisto kennt keinen Kollegen namentlich, der bei Google sein Unwesen treiben würde.

So ist iOS 14 Beta noch bar jeder Corona-Warn-Funktion, die Anforderung kam erst später. Wenn es dann Herbst geworden ist und an sich ein langer Winterschlaf das Vernünftigste wäre, wird die Warn-App auf den aktualisierten und den neuen iPhones laufen, weil sie laufen muss. Dann hoffentlich weniger hakelig und mit offenerer Kommunikation über die Fehler : Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein – das ist dann weniger schmeichelhaft für die verantwortlichen Unternehmen.

Der Beta-Test der 14er-Generation läuft abgesehen von den Ungereimtheiten über die Corona-Warnung bisher recht rund, große Klageworte sind aus dem Volke nicht zu hören.

Außer vielleicht von den Spezialisten, die das Prinzip "Beta" nicht verstanden haben. Die installieren dann munter eine unausgereifte Vorabversion auf ein Produktivsystem, dessen Daten, Apps und Einstellungen sie schon über Jahre hinweg nur durch munteres Drüberbügeln  neuer System "gepflegt" haben – und wundern sich dann, wenn sie statt eines iPhone X nun plötzlich einen formschönen Ziegelstein in der Hand halten, der immer nur kurz einen angebissenen Apfel zeigt: Der Äpfelchen begehrt Ihr sehr, doch das iPhone startet nimmermehr.

Und wer trägt da die Schuld? Macwelt und Macphisto, die nicht müde werden zu betonen, mit Betas solle man vorsichtig umgehen, vor der Installation Backups erstellen und besser noch ein Zweitgerät für den Test heranziehen ? Nein, nein und nochmals nein.

Auch nicht Apple, bei dem zu Steve Jobs' Zeiten angeblich alles besser war. Nein, war es nicht. Öffentliche Beta-Tests gibt es erst seit 2014, angefangen mit OS X 10.10 Yosemite. Ein paar Jahre zuvor, als Mobile Me das kostenlose .Mac ersetzen sollte und neue Möglichkeiten der Verknüpfung von Geräten, Plattformen, Programmen und Daten über das Internet schuf, wäre ein groß angelegter Beta-Test besser gewesen. Stattdessen brachte Apple im Juli 2008 das iPhone 3G, iPhone-Software und eben Mobile Me in Vollausstattung gleichzeitig heraus. Am 4. August 2008 – richtig, heute ein dutzend Jahre her und keine 13 – räumte Steve Jobs in einem Rundschreiben an die Belegschaft ein, mit Mobile Me habe Apple keine Sternstunde erlebt. Man müsse daraus lernen und werde das auch.

Grau, teurer Freund, ist alle Theorie. Und grün des Lebens goldner Baum. Was sich der Programmierer in seiner Schreibstube ausgedacht hat, hält der Überprüfung der Realität oft nicht stand. Daher heute also die umfangreichen Beta-Tests, in Ausführung der 12, der 13 und der 14.

Macwelt Marktplatz

2525139