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Macphisto (6): Das iPhone mit der Höllenstrahlung

10.02.2020 | 15:23 Uhr |

Hilfe, iPhones strahlen! Müssen sie auch, um zu funktionieren. Wer behauptet, Apple halte sich nicht an Grenzwerte, trägt aber die Beweislast und hegt wohl wirtschaftliches Interesse. Dessen ist sich unser Kolumnist aus der Hölle sicher.

In der Hölle hat sich eine neue Band gegründet: Homoepathy. Klingen wie Placebo , nur nicht so gut. Das von Samuel Hahnemann vor über 200 Jahren in Unkenntnis von Bakterien, Viren und anderen Mikroben erfundene Konzept ist eines, bei dem schon die Zeitgenossen befanden: Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Daran, dass nämlich Wasser ein Gedächtnis habe.

Wenn dem so wäre, würden die Wassermoleküle – Hahnemann wusste wohl auch nicht, was das ist, wie es aussieht und wie es sich quantenmechanisch beschreiben lässt – die Substanzen wieder aus dem Körper lösen, an die sie sich erinnern – und aus deren wässrigen Lösungen sie verdünnt und geschüttelt wurden. Rührend.

Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin – und leider auch Theologie! – durchaus studiert, mit heißem Bemühn. Einen Beweis für die Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus hat Macphisto in keinem dieser Fächer gefunden. Schon gleich gar nicht in der Quantenphysik, mit der sich Macphisto auch soweit befasste, um sagen zu können, dass das Gerede von homöopatischer Quantenwirkung nichts weiter als Geschwurbel ist. Man möge den Homöopathen und Heilpraktikern zugute halten, dass der Mensch irrt, solange er strebt. Doch manch einer hält es dann eben mit dem Glauben an das Wassergedächtnis und strebt nicht weiter, sondern irrt fortan nur noch.

Den umgekehrten Fall gibt es auch: Nocebo. Das wunderschöne Wort, das so englisch klingt wie eine Antagonistenband zu Placebo, kommt an sich aus dem Lateinischen und bedeutet so viel „Ich schade“. Hier glauben die Leute an die Schädlichkeit einer Technik oder eines Wirkstoffes und bekommen Kopfschmerzen, sobald sie einen ausgeschalteten Funkmasten sehen oder ein Placebo schlucken.

Gerade in Sachen Digitalisierung ist mit vielen dieser Ängste zu kämpfen. Hier haben die von Nocebo – einem echten Leiden, auch ohne Wirkstoff – Betroffenen sogar einen Punkt: Ob und wie die von Smartphones und Funkmasten ausgehende Strahlung schädlich ist und bis zu welcher Energie unbedenklich, ist noch nicht so restlos geklärt wie die Sache mit dem nicht vorhandenen Wassergedächtnis.

Man kennt es aus der Küche zuhause: Mikrowellen machen Speisen in kurzer Zeit heiß. Während Macphisto hier unten lieber auf dem offenen Feuer röstet, versteht er aber den Zusammenhang. Mikrowellen, die eine Bluetooth- und WiFi-ähnliche Wellenlänge (2,4 GHz Frequenz, also umgerechnet 12,5 Zentimeter Wellenlänge) haben, regen Wassermoleküle im Essen zum Rotieren an, was das gesamte umliegende Gewebe erwärmt. Für bereits tote Tiere ein gewünschter Effekt, für Lebewesen aber fatal – und potentiell tödlich.

Nur wärmt man außerhalb der Höllenküche das Essen von gestern, etwa 250 Gramm Fleisch mit Sauce und nochmal 250 Gramm Gemüse mit einer Leistung von etwa 1000 Watt auf, damit es schön warm ist. 1000 Watt für 500 Gramm macht 2000 Watt pro Kilogramm. In einem dafür konstruierten Raum, der die Strahlung reflektiert und auf das Gargut fokussiert.  Der von der FFC festgelegte Grenzwert für die thermische Leistung auf Gewebe beträgt 1,6 Watt pro Kilogramm. Das ist ein Unterschied.

Smartphones sind auch nicht dazu gebaut, ihre Benutzer zu rösten, sondern bestmögliche Verbindung zum nächsten Funkmasten zu bekommen. Wer anderes glaubt, hält auch die Erde für flach und das Wasser voller Gedächtnis an die Reptilien, die die Erde einst beherrschten und deren Hinterlassenschaften in Verbrennungsanlagen aller Art  ihre Umwandlung zu Kohlenstoffdioxid finden.

Mit wissenschaftlichen Methoden wird es zwar nie gelingen, die völlige Unschädlichkeit von „Handystrahlung“ zu beweisen, weil es aus formallogischen Gründen nicht möglich ist, durch die induktiven Argumente eine 100% Gewissheit zu schaffen , aber damit wird es gelingen, ausreichende Grenzwerte zu setzen, um Gesundheitsgefährdung auszuschließen, zumindest für all die Non-Nocebos.

Bleibt die Frage, ob denn nun iPhones tatsächlich die festgelegten Grenzwerte überschritten haben . Die einen sagen so, die anderen so. Beide haben auch ein geschäftliches Interesse, Apple etwa will seine Geräte milliardenfach verkaufen und sieht zu, dass die Vorgaben eingehalten werden. Die anderen wollen Angst machen, dass das eben nicht der Fall ist, um ihre strahlungsdämpfende Hülle zu verkaufen.

Die Hölle sind immer die anderen, gewiss. Aber wie soll man mit einem Smartphone telefonieren oder surfen, wenn dieses kaum noch Strahlung absorbiert und emittiert? Das kann man wohl nur glauben, wenn man Strahlung und elektromagnetische Wellen für zwei unterschiedliche Dinge hält. Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!

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