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Macphisto (9): Teufel im Detail: Ist Apple bereit für das ARM-Macbook?

24.04.2020 | 13:03 Uhr |

Neun ist eins - und zehn ist keins. Wie im Hexeneinmaleins purzeln dieser Tage die Jahreszahlen durcheinander. Macphisto weiß Rat.

Man sagt, der Teufel stecke im Detail – davon müsste Macphisto wissen. Dieser Tage kümmert er sich nicht um Kleinigkeiten, sondern lieber um das große Ganze. Das hat nicht einmal Mephisto angerichtet – oder vielleicht doch. Schon die Rolling Stones, die eine gewisse Sympathie für unsereins nicht verhehlen konnten, kamen zu der Einsicht „'Cause what's confusing you is just the nature of my game.“ Erfreut, Sie zu sehen, vermute, Sie kennen den Namen des Herren von Wohlstand und Geschmack.

Was aber nun das Detail betrifft: Kommen die neuen Macbooks mit ARM-Prozessor nun noch 2020 oder erst 2021 ? Felsenfest überzeugt zeigten sich in den letzten Wochen zahlreiche Auguren, Apple werde schon im Juni etwas in der Art sagen wie Steve Jobs am 6. Juni 2005 zur eröffnung der WWDC: „Ja, die Gerüchte sind wahr, wir werden den Prozessor im Mac wechseln“. Nun könnte also wieder der lange Abschied von Intel anstehen, die Frage ist nur wann. Und ob man dabei nicht etwas übersehen könnte: Ein Kerl, der spekuliert, ist wie ein Tier auf dürrer Heide. Von einem bösen Geist im Kreis herum geführt: Und rings umher liegt schöne grüne Weide.

Der Umstieg von Intel auf ARM, so ihn Apple tatsächlich anpackt, wird nicht so bequem wie jener vom PPC auf eben die Intel-Plattform. Seinerzeit war das Angebot an Macs recht übersichtlich, an die berühmte Matrix mit Desktops und Laptops für Einsteiger und Profis angelehnt. Zwischen iBook zum PowerMac waren die Unterschiede nicht so gewaltig wie heute die zwischen Macbook Air und Mac Pro, sowohl was den Preis betrifft als auch die Leistungsfähigkeit.

Der Leidensdruck war auch ein anderer. Wer sich an die Power Macs aus jeder Zeit erinnert, dem klingen immer noch die Ohren ob der gewaltig lauten Lüfter, die diese beanspruchten. Der gleiche Grund, die immense Wärmeentwicklung der PPCs bei hohen Leistungen, verhinderte auch ein Powerbook G5. Hinzu kam: Mit Mac-OS X hatte Apple gerade ein frisch etabliertes Betriebssystem, das in seiner Ursprungsfassung eben genau für jene Intel-Chips optimiert war, die Apple in der Jobs-losen Zeit so sehr verdammte.

Sei es, wie es sei: Der Teufel steckt im Detail. Nun hat Apple ein großartiges Betriebssystem für seine selbst auf ARM-Basis entwickelten A-Prozessoren, oder mittlerweile deren vier: iOS, iPadOS, tvOS und watchOS. Und natürlich weiter das aus dem gleichen Kern entstandene macOS, das auf Intel-Prozessoren das Beste aus diesen herausholen kann.

Nur sind Apple und sein Zulieferer TSMC weit näher an die Welt der Quanten herangerückt: Der A14 wird in diesem Jahr auf 5-nm-Basis produziert. Was die Welt im Innersten zusammenhält, lässt sich in diesen Dimensionen beinahe schon spüren.

Die Antwort darauf: mehr Kerne. Diese gibt zwar auch Intel, man denke nur an die Höllenmaschine Mac Pro in ihrer Ausführung mit 28 Cores, doch gelingt es Apple als Meister über Software und Hardware gleichermaßen, die Kerne besser auszunutzen. In Benchmarks schlägt das neue iPhone SE mit seinem A13-Bionic-Chip so manchen Desktop.

Sei es, wie es sei: Der Teufel steckt auch hier im Detail. In dem Fall in der Software. Denn es wird wieder ein ewig Weh’ und Ach, so tausendfach. Mit dem Project Catalyst hat Apple selbst den ersten Schritt getan und diesen Pfad seinen Entwicklern anempfohlen: Ob die Werkzeuge aber ausreichen, ein hochkomplexes Programm wie etwa zum Videoschnitt oder der Audioproduktion in endlicher Zeit auf die neue Plattform zu überführen, wird sich zeigen. Angeblich will Apple mit iPad-Pro-Versionen von Logic Pro und Final Cut Pro   beweisen, dass es möglich ist. Aber das Beispiel des letzten Paradigmenwechsels von PPC auf Intel hat gezeigt, dass Schlachtschiffe wie die Creative Suite – jetzt Creative Cloud – eben weit länger brauchen als einfache Apps.

Sei es, wie es sei: Der Teufel steckt stets im Detail. Ob nun 2020 oder 2021 das erste ARM-Macbook bringt, spielt keine große Rolle. Viel wichtiger ist, dass Apple erneut eine Übersetzungsschicht wie seinerzeit Rosetta zur Verfügung stellt, damit die alte Software auch noch etliche Jahre auf dem neuen ARM-Mac läuft.  Wie man das diesmal nennen könnte? Gewiss, Namen sind Schall und Rauch, doch Macphisto hat da einen Vorschlag: Faust. Denn zwei Seelen wohnen dann, ach, in des Mac Brust.





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