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Macphisto – Der Geist, der stets verneint: Es ist Advent

29.11.2019 | 10:25 Uhr |

Advent - Besinnung und Besinnlichkeit, frohe Erwartung und Gelassenheit. Nein, nein und nochmal nein: Wir sind im Kaufrausch. Apple muss das nicht auch noch befördern.

So beginnen behagliche Geschichten: Als Macphisto letztens in einem Kochbuch für Advent, Weihnachten, Silvester und Neujahr blätterte, stolperte der Geist, der stets verneint, im Vorwort über zwei markante Sätze aus dem Jahr 1978. Den ersten schreiben Kochbuchautoren und andere Behaglichkeitsdarsteller auch heute noch: „Wenn im Spätherbst die Blätter fallen und die Tage kürzer werden, besinnen sich auch heute noch viele Menschen auf Tugenden, die in unserer schnelllebigen Zeit als verloren galten“. Schnelllebige Zeit, 1978? Macphisto erinnert sich anders daran.

Der zweite Satz aber: „Besonders die Chefin des Hauses schaltet und waltet dann in der Küche, und unsere empfindlichen Nasen erreicht der verführerische Duft von Vanille, Zimt, Mandeln und Bratäpfeln.“ Man merkt, seit Drucklegung des Buches ist viel Zeit vergangen, Macphisto rümpft seine empfindliche Nase, wirft die Dame des Hauses aus der Küche und macht sich selbst an die Weihnachtsbäckerei. Frauen an den Herd: Nein, nein und nochmals nein.

Gut, so scharf brutzeln wir in der Höllenküche dann doch nicht, dass wir Weibsvolk nicht den Zugang gewährten. Für Macphisto dient Kochen und Backen aber auch der Entspannung und nicht nur der Nahrungszubereitung, die Dame des Hauses darf sich währenddessen anderweitig entspannen. Und nachher die versaute Küche aufräumen. Nein, natürlich nicht, das Abspülen gehört zur Entspannung beim Kochen und Backen dazu – ist beinahe wie das Dehnen nach dem Laufen.

Schnelllebige Zeit – wahrscheinlich kann man das immer über die Zeit nach dem Spätherbst und vor dem Winter behaupten. Wie der große Münchener Philosoph Karl Valentin richtig erkannte: „Nach der staaden Zeit werd’s a wieda ruhiger“ – dann müssen wir zur Entspannung auch nicht mehr so viel Backen, was die Höllenfigur wieder in Normalform zurückbringen hilft.

Und was alle Generationen seit jeher Jammern: Die Jugend ist verdorben – lies nach bei Sokrates. Nein, sie jammern dieser Tage vor allem wieder: „Es wird von Jahr zu Jahr hektischer“. Stimmt, aber da muss man ja nicht mitmachen.

Black Cyber Friday Monday Week – wir können es schon nicht mehr hören. Okay, auch Macwelt hat reichlich Informationen darüber gegeben, warum, das steht hier . Das mit den Rabatten funktioniert hier anders als drüben überm Teich. Dort gibt es in vielen Geschäften und bei vielen Marken nur an jenem Freitag nach Thanksgiving Rabatte. Viele Leute sind darauf angewiesen, bei Investitionen Geld zu sparen, damit sie wieder für andere Dinge wie Wohnung, Kleidung und Nahrung Mittel haben – das soziale Netz ist aus unserer Sicht in den USA nicht gerade dicht geknüpft und so mancher fällt schnell durch die Maschen.

Ja, auch hierzulande gibt es Leute – viel zu viele – die auf Rabatte angewiesen sind, um über die Runden zu kommen. Aber die bekommt man das ganze Jahr immer und immer wieder, kein Grund, Ende November durchzudrehen.

Es sind ja nicht nur die Rabattjäger, die dieser Tage die Innenstädte verstopfen … Moment, der Satz klingt irgendwie sehr nach 1978. Es sind ja nicht nur die Rabattjäger, die bei diversen Onlinehändlern dieser Tage und Wochen für Rekordumsätze sorgen und deren Lieferungen die Vorortstraßen verstopfen und unterbezahlte Paketboten nerven.

Was soll’s? Das ist der Kapitalismus, jedes Jahr mehr, das ist sein Treibstoff. Das hat auch Vorteile, seit 1978 ist die Lebensqualität doch deutlich angestiegen – den Preis dafür zahlen wir später, das ist ja auch systemimmanent.

Jetzt ist es ja so, dass Apple nicht die Heilsarmee ist oder sein gesamtes Vermögen von heute auf morgen an den GlobalFund stiftet, sondern ein am Profit orientiertes Unternehmen. Nein, nein und nochmals nein: Apple ist nicht die Wohlfahrt. Aber das werfen wir dem Mac-Hersteller nicht vor.

Wir schließen uns aber auch nicht an das Gejammer an, von wegen Apple würde ja nicht einmal heute Rabatte geben, sondern nur schimmlige iTunes-Karten. iTunes! Haben die das nicht abgeschafft?

Nein, wir wissen, dass die Marke Apple nicht zu verschenken ist und Black-Cyber-Week-Rabatte sind so etwas wie kleine Geschenke, die die Beschenkten falsch verstehen könnten.

Apple macht dafür sinnvolle und nachhaltige Geschenke: Von jeder Bezahlung im Apple Store und online über Apple Pay spendet  auch dieses Jahr Apple jeweils einen Dollar an den GlobalFund, berichtet 9to5Mac . Gegen AIDS und Malaria in Afrika vorzugehen, ist wesentlich wichtiger, als mit Schleuderpreisen den Absatz anzukurbeln – die Apple Stores sind auch so dieser Tage voll genug und nicht nur, weil die Logos um den 1. Dezember herum so hübsch leuchten.

Man darf auch nicht vergessen: Apple ist auch eine der verlässlichen Maschen des sozialen Netzes in den USA. Zahlreiche Rentenfonds haben in Apple-Aktien investiert und damit das Guthaben ihrer Versicherten – naja, eher: Kunden – in den letzten Jahren deutlich erhöht. Alles in allem macht Apple einen Höllenjob, meint Macphisto, der es wissen muss. Einen höllisch guten Job. Das ist kein Widerspruch.

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