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Apple-Heads, 14.12.: Michael Spindler - der glücklose Diesel

14.12.2012 | 00:00 Uhr |

15 Jahre steht der Deutsche in Apples Diensten, führt Apple Europa zu Glanz und Gloria und steht doch für einige der schlimmsten Jahre der Apple-Historie

Mit einem Abschluss der damals anerkannten Rheinischen Fachhochschule schafft der junge Michael Spindler erst den Sprung nach Paris zum Computerhersteller :DEC und dann via Intel zu Apple. Aus diesen Jahren nimmt er zwei Dinge mit, die ihn über die langen Jahre bei Apple begleiten werden: seinen Spitznamen „Diesel“ und eine Freundschaft mit Mike Markkula .

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Trotz seines Ingenieursstudiums beginnt Spindler 1980 im Marketing und wird dort den Großteil seiner Apple-Karriere bleiben. Der brilliante Stratege baut nicht nur Apple Europa auf und führt es so erfolgreich, dass es zu seiner Hochzeit Ende der 80er Jahre für knapp 25 Prozent des gesamten Umsatzes steht, sondern etabliert Apple auch im Asiatisch-pazifischen Markt. Dazu veranlasst er Apple Japan, die Rechte an einem Kanji-Font zu kaufen und als Kanji-Talk in den Mac zu integrieren. Dies macht den Mac zu einem von weltweit zwei Computerherstellern, die PCs mit Kanji anbieten und öffnet den Weg zu einem unglaublichen Apple-Boom in Japan. Spindler schwimmt auf der Welle des Erfolges und der damalige Apple-CEO JohnSculley hält so große Stücke auf ihn, dass er Spindler schon 1983 zum Executive Vice President of Marketing ernennt.

Auflösung vom 13. Dezember

Für drei Besuchstage von Apple-Ingenieuren im PARC ließ sich Xerox von Apple das Recht einräumen, Anteile im Wert von einer Million US-Dollar vor dem Börsengang der damals jungen Firma zu erwerben.

Außerhalb Europas laufen die Geschäfte jedoch schlecht. Apple schafft es nicht, vom Aufstieg der Desktop-PCs zu profitieren, die Rechner sind zu teuer: 1989 kostet ein Apple-Rechner 1500 bis 2000 US-Dollar mehr als ein vergleichbarer PC.

Um dem gegenzusteuern splittet Spindler die Produktlinie auf. Mit Geräten wie dem Centris oder dem Performa will er Linien für private Anwender oder den Bildungsbereich etablieren, die Quadras richten sich an professionelle Anwender. Tatsächlich legt er den Grundstein für ein völlig ausuferndes und unübersichtliches Angebot – nicht umsonst ist eine der ersten Entscheidungen Steve Jobs nach seiner Rückkehr, die Apple-Produktlinie radikal einzudampfen. Erst mit dem Classic schafft es Apple, einen Rechner für unter 1000 US-Dollar auf den Markt zu bringen. Doch auch der Erfolg des Classic reicht nicht, um Apple aus der der Bredouille zu bringen. Der Erfolg von Windows 3.0 macht Apple zu schaffen und Sculley geht auf die Suche nach Verbündeten. Nicht zuletzt dank Spindlers Verbindungen kommt es 1991 zur spektakulären Zusammenarbeit zwischen Apple,IBM und Motorola – Apple startet in die Ära der Power-PCs. Die Entwicklung von Hardware und Betriebssystem kommt gut voran - 1994 will Apple mit beidem auf den Markt kommen - allerdings fehlt es an Anwendungen für die Power PCs. Die Suche nach Entwicklern gestaltet sich schwierig, sodass Sculley plant, Apple in Macintosh & Co (Hardware) sowie AppleSoft aufzusplitten. Spindler wehrt sich dagegen, die Mac-Division zu leiten, sodass Sculley die Pläne schließlich fallen lässt.

Auch in der aktuellen Produktpolitik fährt Spindler schlecht. Obwohl Apple mit seinen neuen Powerbooks großen Erfolg hat, schätzt er die Produktzyklen falsch ein und Apple muss die in zu hohen Stückzahlen produzierten mobilen Rechner verramschen. In der Folge bricht der Gewinn 1993 von den rund 500 Millionen US-Dollar des Vorjahres auf magere 90 Millionen US-Dollar ein.

In der Folge muss Sculley 1993 Apple verlassen und Spindler wird sein Nachfolger. Er startet als CEO ein beispielloses Sparprogramm, bei dem er die große Zahl der Apple-Händler auf die umsatzstärksten reduziert, weltweit rund 2500 Mitarbeiter entlässt und die verbliebenen durch das Streichen von Vergünstigungen aller Art demoralisiert. Als Spindler auch noch die Wasserspender in den Büros abmontieren lässt, geht ein solcher Aufschrei durch die Belegschaft, dass er die Spender wieder aufstellen muss. Trotzdem kursiert bald ein Bildschirmschoner namens Spindlers Liste mit den Namen der Gekündigten in den Büros.

Um den Marktanteil Apples weiter zu erhöhen, startete Spindler die Lizenzierung des Mac-Betriebssystems und damit das Zeitalter der Clones. In der Folge boten Radius, Motorola und Gateway günstige Power-PCs mit Mac-System an, großer Erfolg war den Clones allerdings nicht beschieden.

1995 wird ein Schreckensjahr für Apple und Spindler: Spindler vergrault Ian Diery , der bislang erfolgreich weitere Überproduktionen verhindert hatte und verliert die Kontrolle über die zahlreichen Entwicklungsprojekte und Produktsparten. Spindler versucht einen Käufer für Apple zu finden, lehnt jedoch erste Angebote von Sun, Oracle oder Silicon Graphics ab. Die neuen Powerbooks mit Power-PC-Prozessor 2300 und 5300 führen zu Problemen bei der Herstellung, einige Exemplare explodieren und die Presse stürzt sich auf das Thema. Apple verliert Marktanteile, schreibt rote Zahlen, kündigt weiteren 1300 Mitarbeitern. Am 29. Januar 1996 bittet das Direktorium Spindler um seinen Rücktritt und 15 Jahre, nachdem er ihn zu Apple geholt hat, überbringt Mike Markkula seinem alten Freund persönlich die schlechte Nachricht.

Die heutige Frage

2009 stürzt sich die Presse erneut auf einen explodierten Apple-Rechner. In einem Londoner Büro schlagen Flammen aus einem Gerät, Ursache ist wohl die Batterie. Welcher Apple-Rechner sorgte diesmal für Aufregung, allerdings ohne die Verkäufe nachhaltig zu schädigen – auch weil er nicht aus der aktuellen Produktlinie stammt:

  1. Powerbook

  2. iMac

  3. Mac Pro

Wenn Sie die Antwort wissen, tragen Sie diese in unser Gewinnspielformular ein , das am 14.12. bis um 23.59 Uhr geöffnet ist.

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