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Apple-Heads, 15.12.: Gil Amelio - der Doktor

15.12.2012 | 00:00 Uhr |

Eigentlich sollte Amelio den Apple-Karren aus dem Dreck ziehen. Tatsächlich landete er jedoch in einem Sumpf von Intrigen und muss nach 499 Tagen abtreten

Als Gil Amelio Anfang 1996 die Apple-Bühne betritt, trifft er auf hohe Erwartungen. Er kommt von National Semiconductor und hat den Chiphersteller aus einer hinteren Position an die Spitze geführt. National Semiconductor war Mitte der 90er Jahr einer der Hauptlieferanten für Apple, die Führungsspitzen kannten sich also und wieder einmal spielt Mike Markkula den Match-Maker.

Auflösung vom 14. Dezember

Das 2009 spontan entflammte Apple-Produkt war ein Powerbook. Ursache war eine überhitzte Batterie.

1996 steht Apple extrem unter Druck. Das Unternehmen muss miserable Übernahme-Angebote von Sun abwehren, das Wall Street Journal veröffentlicht schon mal versehentlich einen Nachruf auf Apple auf der Titelseite. Trotzdem präsentiert Amelio einen Monat nach Amtsantritt per Video seine froheBotschaft : Apple sei gestrauchelt, richte sich aber erneut auf und gehe vorwärts. Drei Aufgaben seien zu bewältigen: Strategie und Produktpalette wieder klar auszurichten, die Finanzen in Ordnung zu bringen und das Unternehmen per Masterplan wieder auf Kurs zu bringen. Das Patentrezept klingt selbst heute noch aktuell: Apple sei das einzige Unternehmen, das komplexe Technologie einfach anwendbar mache. Apple müsse den Kunden wieder in das Zentrum seiner Bemühungen stellen. Amelios Ansprache gipfelt in dem schönen Satz: „Bisher mussten wir lernen, Computer zu verstehen, jetzt lernen die Computer uns zu verstehen.“ Um seinen neuen Plan umzusetzen, heuert Amelio Fred Anderson als CFO an. Gemeinsam machen sich die beiden an die Sanierung der Finanzen, indem sie Anleihen für 661 Millionen US-Dollar losschlagen und Apple damit bis 1997 solvent halten.

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Bei seinen anderen Aufgaben ist Amelio weniger erfolgreich: Die Powerbooks leiden seit den Berichten über explodierende Batterien unter einem schlechtes Image, die Hoffnung mit der Mac-OS-Entwicklung Copland rasch das miserabel auf den Power-PCs laufende System 7 ablösen zu können erfüllt sich nicht, die Produktpalette bleibt trotz einiger Einschnitte unübersichtlich. Flops wie der Newton fallen erst Jobs zum Opfer, der die Ankündigung seines Vorgängers weit entschlossener umsetzt. Um ein besseres Mac-OS zu haben, installiert Amelio unter Steven Glass eine neue Entwicklergruppe, die tatsächlich MacOS 8 mit einigen Copland-Anleihen auf den Markt bringt. Langfristig braucht Apple jedoch ein alternatives System und Amelio beginnt den Markt zu sondieren. Nachdem Windows NT und Solaris ausscheiden, entscheidet er sich für Be, eine Neuentwicklung des ehemaligen Apple-Mitarbeiters J ean Louis Gassee . Leider scheitern die Verhandlungen am Preis, und so sucht Amelio eine neue Lösung – und findet Next . Der Kauf rettet beide Beteiligten: Apple erwirbt für 430 Millionen US-Dollar ein innovatives Betriebssystem und gibt Jobs eine wirtschaftliche Perspektive. Next wird zwar in der Branche geschätzt, die Workstations des Newcomers sind jedoch zu teuer, um neue Einsatzgebiete wie den in den USA so wichtigen Bildungsbereich erobern zu können und die etablierten Anwendungsbereiche sind schon fest in der Hand der Konkurrenz.

Amelio hatte im August als erster Apple-CEO (!) eine Keynote auf der damals in Boston und San Francisco stattfindenden Macworld Expo gehalten und damit großen Erfolg erzielt. Für seinen nächsten Auftritt auf der Macworld Expo Anfang Januar in San Francisco holt er sich Mohammed Ali, Jeff Goldblum und Steve Wozniak auf die Bühne, fällt jedoch schlechter Organisation zum Opfer und der Auftritt wird ein Desaster. Trotzdem kann er Aktionäre und Vorstand für seine Pläne gewinnen, sie bestätigen ihn Anfang Februar mit beeindruckenden 90 Prozent als CEO. Um die hochgesteckten Ziele zu erreichen, startet er eine weitere Reorganisation, in der fast 3000 Apple-Mitarbeiter ihre Jobs verlieren, darunter auch zahlreiche Führungskräfte. Jobs nutzt die Chance, um seine Next-Kollegen Avi Tevanian und Jon Rubinstein bei Apple unterzubringen und zettelt mit Larry Ellison, zu der Zeit CEO von Oracle, einen Übernahmeversuch an. Als er scheitert, verkauft Jobs seine Aktien und untergräbt damit Amelios Reputation. Als dann auch noch die Verhandlungen mit Bill Gates scheitern, der sein Office auf den Mac bringen soll, wird Amelio, 499 Tage nach seinem Amtsantritt, entlassen und durch Fred Anderson ersetzt. Der Weg ist nun frei für die Wiederkehr des Steve Jobs.

Wie tief Amelio durch Jobs Intrigen und Ränke verletzt ist, zeigt er in dem Buch „ On the Firing Line “, das er wenige Monate nach seinem Rauswurf veröffentlicht und in dem er schonungslos mit seinen Ex-Kollegen abrechnet.

Die heutige Frage

Mit dem Titel seines Buches spielt Amelio auf den Titel eines bekannten Thrillers über die Ermordung Kennedys an. Wie lautet der Name des Thrillers im US-Original

  1. On the Firing Line

  2. In the Line of Fire

  3. Walk the Line

Wenn Sie die Antwort wissen, tragen Sie diese in unser Gewinnspielformular ein , das am 15.12. bis um 23.59 Uhr geöffnet ist.

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