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Macwelt-Moma: Determinismus, Wetterprognose und Steve Jobs

25.04.2019 | 09:23 Uhr | Peter Müller

Was nach einer Reihe der zufällig im Wörterbuch gefundenen Wörter klingt, fügt sich zu einer spannenden Geschichte zusammen.

Langsam dreht die Wetterlage, vom Atlantik kommt feuchte und kühlere Luft als bisher. So wie es aussieht, bringt sie aber nicht allzu viel Regen mit, vor allem nicht für den Süden und Osten des Landes. Die Meteorologen des DWD haben gestern angeblich vor einem weiteren Dürresommer gewarnt, was Bilder von Wüsten bei Stockphoto-Diensten zu den meist gefragten Downloads machten. Dass es eine solche Warnung geben hat, stimmt aber nicht. Es gibt nur die Aussage, dass ein weiterer Dürresommer wie der von 2018 fatal wäre. Der April war schon recht trocken, wenn das so weiter geht, wird es für Land- und Forstwirtschaft kein Vergnügen. Aber dass es so weiter geht und nicht der Mai ein übermäßig feuchter wird und der Sommer gar schrecklich verregnet, das ist überhaupt noch nicht vorher zu sagen.

Gewiss hat sich im Computerzeitalter auch die Meteorologie weiter entwickelt. Vorhersagen werden präziser, aufgrund vielfältigerer Messwerte, besser Modelle und vor allem exponentiell gewachsener Rechenleistung, um aus den Messwerten, Annahmen und physikalischen Zusammenhängen Prognosen zu errechnen können. Es gibt bessere und schlechtere Modelle, in besseren oder schlechteren Apps, ungenau werden sie aber dennoch spätestens in drei Tagen. Und wenn es dann in wenigen Wochen wieder um Unwetter gehen wird, kann man allenfalls eine Stunde vorher sagen, wo genau das Gewitter herunter geht – aber auch höchstens auf wenige Kilometer genau.

Warum das so ist? Eine lange Geschichte, die man auf ein einfaches Wort herunter brechen kann: Chaos. Die reale Welt ist eben nicht deterministisch-mechanisch, so dass man Vergangenheit und Zukunft exakt berechnen könnten, wüsste man nur zum gegenwärtigen Zeitpunkt alle Parameter aller agierenden Partikel und Kräfte. Man muss diese Betrachtung nicht einmal bis auf die Quantenebene ausdehnen – Stichwort: Unschärferelation – um zu sehen, dass das schier unmöglich ist. Kleinste Abweichungen können große Effekte haben, Stichwort: Schmetterlingseffekt. Und da bei Wetterberechnungen schier unendlich viele Parameter berücksichtigt werden müssten, bleibt immer eine Unsicherheit, die umso größer wird, je weiter die Prognose in die Zukunft reicht.

Mit gewaltigen Rechenleistungen ist der Zeitraum nur ein wenig ausdehnbar, ab dem die Prognose ungenau wird. Doch waren in den ersten Jahren der "Tagesschau" deren Wetterkarten zur 20-Uhr-Sendung gerne schon in der Nacht überholt, kann man sich heute auf einigermaßen korrekte Prognosen über zwei bis drei Tage einrichten, zumindest, was die Großwetterlage betrifft. Von einem auf drei Tage in sieben Jahrzehnten und recht viel besser wird es in den nächsten sieben auch nicht mehr. Das kennt man anders. Aus anderen Branchen.

Doch da hatte man es mit Determinismus zu tun. Die Urbesetzung der aus George Lucas Industrial Light and Magic ausgegliederten Computer-Abteilung Pixar wussten optimistisch in die Zukunft zu sehen, setzten sie die zum Zeitpunkt der mittleren Achtziger verfügbare Rechenleistung mit dem empirischen, aber vielseits bestätigten Moore'schen Gesetz in Verbindung. Zehn Jahre würde es dann etwa noch dauern, bis man mit dem dann verfügbaren Equipment einen abendfüllenden Spielfilm komplett auf dem Computer würde erzeugen können. Der Filmstart von "Toy Story" war dann auch im Jahr 1995, gut zehn Jahre nach der Prognose, als man gerade mal zwei bis drei Minuten Film in endlicher Zeit hatte rendern können.

Pixar war in der Zeit seiner Selbstständigkeit aber nicht nur ein selten kreatives Filmstudio, sondern auch ein Softwarehersteller – klar: Renderman – und baute sogar Computer, die es nicht nur für seine eigenen Zwecke nutzte, sondern auch verkaufte. Bis zum 25. April 1990. An jenem Tag entschied der Eigner des Unternehmens, ein gewisser Steve Jobs, keine Hardware mehr zu verkaufen. Gegenüber den Produkten seiner Erstgründung Apple und sogar jenen noch teureren Maschinen des zweiten Versuchs Next war der Pixar Image Computer auch ein wahres Preismonster. 135.000 US-Dollar kostete ein Exemplar, und da war die für seinen Betrieb benötigte Sun-Workstation im Wert von 35.000 US-Dollar noch gar nicht dabei. Nicht einmal eine Preissenkung auf ebenso 35.000 US-Dollar kurbelte den Verkauf entscheidend an, weswegen Jobs den Stecker zog und sich das Unternehmen auf seine Kernkompetenzen konzentrierte. Diese machten es schließlich in den nächsten gut 15 Jahren 3 Milliarden US-Dollar wert, die Disney gerne dafür bezahlte.

Manche Bäume wachsen eben nicht in den Himmel, auch in den Zeiten mit optimaler Wasserversorgung nicht. Wollen wir mal für den Wald das beste hoffen, am heutigen Tag des Baumes ganz besonders für den Baum des Jahres, die Flatter-Ulme. Aber genau vorhersagen, wie viel Regen nun die nächsten Tage, Wochen und Monate fällt, das wird nicht gelingen.

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