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Marketingsprüche und Politstrategien

10.07.2004 | 10:00 Uhr | Peter Müller, Stephan Wiesend, Stephan Wiesend

Marketingsprüche und Politstrategien

Müller: Steiger, hören Sie mir auf mit Connect, das ist ja wirklich ein Missgriff. Beschwerden gab es über ein angeblich lückenhaftes Angebot des iTunes Music Store, aber was da bei Sony zu bekommen ist, das ist ja wirklich jämmerlich. Gerade einmal 300.000 Stücke und dann vorwiegend aus dem eigenen Angebot. Noch dazu lügt Sony seine potenziellen Käufer an: Auf den Festplattenplayer NW-HD 1 sollen 13.000 Songs passen, bei gerade einmal 20 GB Festplattenkapazität. Das kann doch gar nicht sein, ist es auch nicht: Denn die Zahl bezieht sich auf die niedrige Abtastrate von 48 Kbps, derart gerippte Songs hören sich grauenhaft an, wie durch das Telefon gehört. Sogar Sony selbst empfiehlt für sein eigenes Format Atrac 3 eine Abtastrate von 132 Kbps beim Komprimieren - und schon schaut’s wieder anders aus. Außerdem, warum brauchen wir mit Atrac 3 sogar noch einen dritten Audio-Codec? Sind der Industriestandard AAC und Microsofts eigenes Format WMA nicht schon genug? Nein, Sony hat das 21. Jahrhundert bislang verpennt und das sogar letztens reumütig zugegeben, vom japanischen Festplattenplayer werden wir schon bald nichts mehr hören. :Der iPod ist der Walkman des 21. Jahrhunderts und dabei bleibt es. Außer der US-Senat macht ihm den Garaus.

Steiger: Klingt ja ganz plausibel, Müller. Aber mal ehrlich: Was machen wir gegen diesen Gesetzesvorstoß aus den USA? Mal angenommen, das Ding kommt durch - würde die EU dann mit einer ähnlichen Rechtssprechung aufwarten müssen? Ich hoffe, ich habe bei der vergangenen EU-Wahl bei der richtigen Partei das Kreuzchen gemacht - wehe, mein persönlicher EU-Abgeordneter stimmt so einem Schwachfug auch noch zu! Aber da mache ich mir eigentlich keine Sorgen. Solche technischen Dinge versteht in Brüssel sowieso nur ein Drittel der Euro-Politiker, die haben nur ihre Bauern-Subventionen und Anwesenheitslisten in der Birne, damit sie nicht unter dem Existenzminimum für die Europäische Union arbeiten müssen. Müller, das geht mir auf den Keks, lassen Sie uns in die Politik gehen! Wenn abgespaltene Sozialdemokraten mit Hass auf Schröder und seine Agenda 2010 einen eigenen Alternativ-Verein mit komischem Namen gründen können, dann sollten wir das auch gebacken bekommen! Vielleicht können wir sogar etwas bewegen! Die friedliche Koexistenz von Windows und Mac propagieren! Damit auch morgen noch E-Mail-Anhänge so ankommen, wie ich mir das vorstelle! Müller, schnell, reichen Sie mir ein Antragsformular!

Müller: Steiger, das ist die Lösung des Problems. Wir nennen uns "Union nicht genug überdachten Lächelns trotz innerer Genialität" - oder abgekürzt: U.n.g.ü.L.t.i.G. Damit kriegen wir alle Nichtwähler und noch ein paar mehr! Ich werde Kanzler, Sie Finanzminister, abgemacht?

Steiger: Finanzminister? Nee, lassen Sie mal stecken, die bekommen immer die Prügel ab. Ich werde Außenminister. Und dann schnappe ich mir die Senatoren, die für dieses Schwachsinns-Gesetz verantwortlich sind. Anschließend nach Kalifornien, dem Arnold den Bizeps schütteln, und dann noch schnell einen Abstecher nach Cupertino, den iMac G5 bewundern. Müller, buchen Sie schon mal den Flieger!

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