877604

Metabox sagt Analystenkonferenz ab

27.04.2001 | 00:00 Uhr |

Das am Frankfurter Neuen Markt notierte
Hildesheimer Unternehmen Metabox hat am Freitag überraschend
Bilanzpresse- und Analystenkonferenz abgesagt.

Eine Sprecherin sagte, die Daten für den Geschäftsbericht hätten
nicht rechtzeitig vorgelegen. Der Wirtschaftsprüfer in Hannover habe
sein Testat für den «komplexen 2000-Abschluss» noch nicht erteilt.
«Zahlreiche Gespräche sind nötig.»

Das Hildesheimer Unternehmen, das einfach nicht aus den
Negativschlagzeilen herauskommen will, steht mächtig unter Druck. Die
Bilanz für das vergangene Jahr muss bis um Mitternacht veröffentlicht
sein, dann läuft die Frist der Frankfurter Börse ab.

Das Fax mit der Absage der beiden Konferenzen schickte der
Hersteller von «Settop-Boxen» für die Internetnutung per Fernseher in
der Nacht zum Freitag herum. «Leider passt die Absage genau in unser
Image, das wir derzeit in der Öffentlichkeit haben», räumt Sprecherin
Aenne Schaper ein. Der Aktienkurs von 40,9 Euro (gut 80 DM) Mitte des
vergangenen Jahres sackte langsam aber stetig auf unter 1,50 Euro ab.

Mehrfach wurde das Umsatzziel für 2000 nach unten korrigiert,
zunächst sollten es 200 Millionen DM sein, dann 70 Millionen DM.
Erreicht wurden nach Angaben vom Januar schließlich 50 Millionen DM
bei einem Minus von 19 Millionen Mark. Ursprünglich war von Gewinn
die Rede gewesen. Und: Die Staatsanwaltschaft ermittelt, weil es
Zweifel an drei angeblichen Großaufträgen aus dem Ausland gibt, die
Metabox im vergangenen Jahr per Ad-hoc-Mitteilung veröffentlicht
hatte. Die Auftraggeber sind aber bis heute nicht öffentlich bekannt.

Anfang März durchsuchten Staatsanwälte die Hildesheimer
Unternehmenszentrale und Privatwohnungen vom Firmenchef Stefan
Domeyer und anderen Führungskräften kamen die Ermittler wegen des
Verdachts des Kapital- und Kursbetrugs sowie Insiderhandel. Zuvor
hatte das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» Vorwürfe veröffentlicht,
nach denen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder bei
Kapitalerhöhungen Aktien des Unternehmens deutlich unter dem
Marktpreis gezeichnet hätten. Domeyer wies die Vorwürfe zurück und
ging in die Offensive: Er begrüße die Ermittlungen. Und: «Wir haben
nichts zu verbergen.»

Inzwischen kommen von dem Unternehmen Hinweise, dass sich das
Geschäft ganz und gar nicht so entwickelt wie erhofft. Ende März
wurde ein Drittel der 120 Mitarbeiter entlassen, um bei den
Personalkosten rund 2,8 Millionen DM zu sparen. Der Finanzvorstand
Geerd-Ulrich Ebeling erklärte «aus familiären Gründen» seinen
Rücktritt.

Mit seiner Geschichte - verfehlte Umsatzziele, enttäuschte
Aktionärsträume, staatsanwaltliche Ermittlungen - steht das
Hildesheimer Unternehmens am Neuen Markt in Frankfurt nicht allein
da. Der Chef des Münchner Unternehmens EM.TV, Thomas Haffa, räumte
einen nicht genehmigten Verkauf von Aktienpaketen ein. Auch er hatte
die Staatsanwaltschaft am Hals. Die beiden Gründer des Augsburger
Unternehmens Informatec - ebenfalls am Neuen Markt notiert - wurden
Mitte November wegen des Verdachts des Kursbetrugs in
Untersuchungshaft genommen.
dpa

0 Kommentare zu diesem Artikel
877604