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Meinung: Vertrag zwischen Jony Ive und Apple war PR

14.07.2022 | 14:10 Uhr | Peter Müller

Ende einer langen Beziehung: Apple und Jony Ive verlängern den Beratervertrag des einstigen Design-Chefs nicht mehr.

Aktualisierung vom 14. Juli 2022: 

Dass sich Jony Ive von Apple nach und nach verabschiedet, war seit Langem klar. Noch 2012 zu einem Design Direktor befördert , hat sich seine Rolle nach und nach zu einem Frühstücksdirektor entwickelt. Zuletzt hat Ive die Errichtung und Fertigstellung des Apple Park in Vollzeit verantwortet. Ende 2019 verschwand sein Foto mit Biographie von Apples Vorstandsseite , ein paar Monate früher hat das Unternehmen bekannt gegeben , Jony Ive mache sich selbstständig mit einer eigenen Firma namens LoveFrom, Apple werde sein wichtigster Kunde. Zwar ist der neue iMac 24 Zoll noch unter seinem Einfluss entstanden , doch Apples Design ist seit Jahren in anderen Händen. 

Die Analyse dieser Entwicklungen von 9to5Mac kommt zu Schluss , dass die Zusammenarbeit von Apple und Ive seit 2019 nur ein PR-Stunt war. Eine abrupte Kündigung des Star-Designers hätte die Aktionäre nur unnötig erschreckt, von den zahllosen Kolumnen mit der Überschrift "Apple geht vor die Hunde" ganz zu schweigen. ( Diese erscheinen auch dann, wenn es dem Unternehmen passabel bis blendend geht und es mit den neuen Geräten nur so Geld in die Kassen schaufelt. – Anm. d. Red ). So hat man sich als Tarnmantel eine Beratungsfirma LoveFrom ausgedacht und Ive nominell als Berater behalten. Mit der aktuellen Meldung, der Vertrag zwischen LoveFrom und Apple sei ausgelaufen, hat man die meisten Gefahren auf dem Aktienmarkt beseitigt: Kunden wie Aktionäre konnten sich überzeugen, dass Apple auch ohne Ive schöne und leistungsfähige Geräte bauen kann, die ganze Linie der M-Macs ist bereits ohne seine Leitung entstanden. 

Ursprüngliche Nachricht vom 13. Juli 2022: 

Nach drei Jahrzehnten gehen Apple und sein einstiger Design-Chef Jony Ive nun getrennte Wege, berichtet die New York Times . Vor drei Jahren hatte der Chief Design Officer (CDO) bereits seine Festanstellung in Cupertino aufgegeben , mit Apple aber einen langjährigen Beratervertrag mit seiner Neugründung LoveFrom geschlossen, der angeblich in der Größenordnung von 100 Millionen US-Dollar lag. Dieser Vertrag wäre jetzt zur Verlängerung angestanden, worauf beide Seiten verzichteten, heißt es in dem Bericht unter Verweis auf informierte Quellen. Apples Design berichtet an den COO Jeff Williams, das Hardware-Design verantwortet Evans Hankey und das der Software Alan Dye.

Ives radikales Design hatte Apple in den letzten Jahren ein wenig zurückgenommen, so war es etwa Wunsch und Idee des Briten, das Macbook Pro im Jahr 2016 so flach wie nur möglich zu machen, was auf Kosten der Benutzbarkeit der Tastatur ging. Mittlerweile haben Macbook-Tastaturen wieder einen größeren Hub und auch bei den Schnittstellen ist radikales Weglassen nicht mehr Apples wichtigste Idee: Die Macbook Pro von 2021 brachten Magsafe, HDMI und SD-Card-Slot zurück, wo Jony Ive am liebsten nur so wenig Buchsen wie unbedingt notwendig in das Gehäuse gestaltet hätte. In seinen letzten Jahren und Monaten bei Apple hatte Ive sich zusehends aus dem Produktdesign zurückgezogen und sich etwa mit der ebenso 2019 ausgeschiedenen Retail-Chefin Angela Ahrendts um die Neugestaltung der Apple Stores gekümmert.

Warum sich Ive und Apple entfremdeten – und was von der Beziehung bleibt

Laut des Buchs "After Steve: How Apple Became a Trillion-Dollar-Company and Lost Its Soul" des New-York-Times-Autoren Trip Mickle hat zu jener Zeit auch die Entfremdung von Apple und Ive begonnen, für seine Ideen zur Vermarktung der Apple Watch als modisches Gadget habe Ive keine Unterstützung gefühlt. Ive war gewissermaßen Protegé von Steve Jobs, der kurz nachdem Ive dort angefangen hatte, zu Apple zurückkehrte. In dem britischen Designer sah er eine verwandte Seele, legendäre Designs wie die des ersten iMac (Bondi Blue), des iMac G4 (Schreibtischlampe) oder des iPod und des iPhone basieren auf den Ideen der beiden kongenialen Produktentwickler. Das mittlerweile vom Markt genommene Buch "Designed by Apple in California" zeigte in beeindruckenden Bildern die Designgeschichte der Ive-Ära.

Die Ideen Ives leben aber in Apple-Produkten fort, ebenso wie die von Dieter Rams oder Hartmut Esslinger, die Vorbilder für Ive waren. So hat er auch noch am Design des (wieder) bunten iMac M1 24'' mitgearbeitet , den Apple im April 2021 herausbrachte. Und sollte je ein Apple Car über die Straßen Kaliforniens und den Rest der Welt rollen, sollten sich darin auch noch Elemente von Ive-Designs finden. Eine 30-jährige Beziehung streift man nicht so leicht ab wie einen zerschlissenen Mantel.

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