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Möbel online einkaufen: Wie AR dabei hilft

31.05.2020 | 13:05 Uhr | Halyna Kubiv

Möbel online einkaufen ist schon lange möglich, Augmented Reality gestaltet das Verfahren jedoch leichter und anschaulicher.

Neben Spielen und im Bildungsbereich ist Augmented Reality nun auch im E-Commerce angekommen. Die erweiterte Realität in den Apps macht es Nutzern möglich, das ausgesuchte Möbelstück bereits vor dem Kauf in der eigenen Wohnung zu platzieren, um zu schauen, ob das neue Sofa oder der Teppich oder die Designer-Lampe überhaupt passen werden. Wir haben am Beispiel der Möbel-&-Einrichten-App „ Yourhome “ von Otto geschaut, wie gut das funktioniert und etwas über die Hintergründe bei den Entwicklern nachgefragt.

Die Yourhome-App startete vor knapp zwei Jahren, als die beiden großen AR-Plattformanbieter Apple und Google an den deutschen Online-Händler herangetreten sind, mit dem Vorschlag, die neue Technologie auch im E-Commerce zu implementieren. Für Google und vor allem für Apple ein nachvollziehbarer Schritt. Versucht vor allem der Hard- und Softwareentwickler aus Cupertino, die neue Technologie auf dem Markt zu etablieren. Immer wieder betont Tim Cook in Interviews, wie zukunftsorientiert die Richtung ist.

Für das Yourhome-Team als Endentwickler war die App vor allem eine Abfolge von lehrreichen Erkenntnissen, was den Einsatz von AR im E-Commerce angeht. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis, die auch durch Umfragen bestätigt wird: AR kann trotz seiner Abstraktheit konkrete Probleme beim Endnutzer lösen. Im Fall einer Einrichtungs-App wie Yourhome finden Nutzer eine Antwort auf die Frage, wie denn das angedachte Objekt in den eigenen vier Wänden ausschauen wird. Dies kann übrigens auch kein Besuch vor Ort in einem Möbelgeschäft lösen, denn dort sind die Objekte in eine vorgegebene Umgebung eingebettet. Dabei ist nicht klar, ob die gewünschte Lampe beispielsweise zu der eigenen Sofaecke zu Hause passt. Hier setzt die AR-Funktion in der App an. Diese erfasst mittels Kamera einen Raum und die darin befindlichen Objekte als Punkte und setzt das virtuelle Möbelstück ins Verhältnis zu diesen, um es dann maßstabsgetreu im selbst gewählten Raum anzuzeigen.

Möbel online einkaufen: Mit iPhone und AR leicht gemacht

Der Kunde bekommt so noch vor dem Kauf eine genaue Vorstellung. Für den Anbieter hat dieses virtuelle Tool eigene Vorteile: Zwischen einer Bestellung und Lieferung eines größeren Möbelstückes können manchmal ein paar Wochen liegen. In dieser Zeit kann sich die Vorstellung des Kunden von seiner bestellten Ware auch ändern oder verzerren, sodass das gelieferte Sofa nicht mehr den Erwartungen entspricht, dies führt wiederum zu Unzufriedenheit und hohen Rückgabe-Quoten. Eine AR-Funktion kann die Retouren nachweislich verringern, muss doch der Kunde nicht erneut ins Möbelhaus, um seinen neu erworbenen Artikel zu bewundern, sondern lediglich die App starten und dort die Bestellung aufrufen.

Die Yourhome-App bildet einen Großteil des Möbel-&-Einrichten-Sortiments von Otto.de ab. AR-Ansichten sind vor allem für Produkte wie Sofas, Lampen, Hocker, Sessel und Stühle sowie Accessoires verfügbar. Aktuell sind bereits tausende Produkte in Augmented Reality darstellbar. Dr. Kris Lohmann, Teamleiter von yourhome.de, versichert, dass bald noch mehr dazu kommen. Was für den Endanwender nach einer endlichen Liste der Möbelstücke aussieht, sind demnach mehrere Variationen eines Produktes, da die 3D-Modelle selbstverständlich mit unterschiedlichen Texturen und Farben dargestellt werden können.

Die 3D-Modelle, die in der Yourhome-App zum Einsatz kommen, sind ein Nebenprodukt aus dem CGI-Produktions-Team von Otto. Die Modelle müssen aber bei der Produktion vom jeweiligen Designer, streng nach vordefinierten Standards, angelegt werden, damit diese von AR Kit (von Apple) und AR-Core (von Google) verstanden werden und am Ende in der jeweiligen App (iOS oder Android) korrekt und vor allem auch maßstabsgetreu dargestellt werden können. Das Zwischenspiel von Software und Hardware wie Kameras ist bereits jetzt sehr gut, aber man freue sich auf die neuen Entwicklungen wie LIDAR-Sensoren im neuen iPad Pro, verrät Dr. Lohmann, denn dies könne noch genauere Angaben liefern.

Wir haben übrigens gefragt, ob man die Unterschiede bei den diversen Kamerasystemen bemerkt, denn zum Beispiel allein die iPhones haben eine Kamera und Kamerasysteme mit zwei oder drei Objektiven, auf dem Android-Markt ist die Vielfalt noch größer. Laut dem Teamleiter sind die Unterschiede beim Kamerasystem nicht so entscheidend, umso mehr aber die konkrete Umgebung. Auf Messen und Seminaren sei die Live-Demo der AR-Funktion manchmal gar nicht so einfach – Herausforderung seien hier die glatten und stark glänzenden Oberflächen und das Fehlen von Licht. Schwierig für ein optisches Abmess-System, weil es keine Anhaltspunkte auf einer solchen Fläche findet. In der privaten Umgebung ist dies weniger ein Problem, setzt man dort öfter auf ausgeprägte Texturen.

Im Allgemeinen sieht der Teamleiter von yourhome.de in AR noch ein großes Zukunftspotential, denn auch die Nutzer lernen die Technologie immer mehr kennen und schätzen. Diese kann nachweislich konkrete Probleme lösen, sobald mehr und mehr Anwender auf den Geschmack der AR-Funktionen kommen, werden sie die Anbieter der Schnittstellen wie Google und Apple aber auch einzelne App-Entwickler vor sich hertreiben und sich nach immer mehr innovativen Funktionen sehnen.

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