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Moorhuhn-Skandal geht ins zweite Jahr

14.04.2003 | 15:58 Uhr |

Bochum (dpa) - Vor einem Jahr stĂŒrzte das Moorhuhn ab: Bei der Bochumer Softwarefirma Phenomedia, dem Erfinder des populĂ€ren Jagdspiels, flogen Luftbuchungen in Millionenhöhe auf. Seither beschĂ€ftigen sich StaatsanwĂ€lte und Börsenkontrolleure mit dem Fall. SonderprĂŒfungen brachten zu Tage, dass nicht nur die Bilanz 2002 (tatsĂ€chlicher Umsatz: knapp 17 Millionen Euro) um rund zehn Millionen Euro geschönt wurde. Schon der Abschluss 1999 der damals noch jungen Firma war um eine Million Euro nachgebessert worden.

Der einstige Börsenliebling Phenomedia reihte sich damit in die Serie von Bilanzskandalen am Neuen Markt ein. Den Vogel schoss dort allerdings der Telematik-Entwickler Comroad ab, bei dem fast der gesamte Umsatz ĂŒber mehrere Jahre gefĂ€lscht war. Bei Phenomedia sehen die Ermittler durchaus auch Parallelen zum Fall EM.TV gegeben, der jetzt mit der Verurteilung der Haffa-BrĂŒder seinen Höhepunkt erlebte. Bei beiden Unternehmen sei versucht worden, die GeschĂ€fte in einem besseren Licht darstehen zu lassen, als sie in Wirklichkeit liefen. Beide Medienunternehmen zĂ€hlten zu den Stars am Neuen Markt, deren Aktienkurse in besten Zeiten HöhenflĂŒge erlebten.

Am 14. April 2002 erlebten Phenomedia-AktionĂ€re einen Tiefschlag. Der Aufsichtsrat setzte Vorstandschef Markus Scheer und Finanzvorstand Björn Denhard nach dem EingestĂ€ndnis von Manipulationen vor die TĂŒr. Der Aktienkurs rutschte in den Keller. Scheer und Denhard stehen im Mittelpunkt der Ermittlungen.

Die Bundesanstalt fĂŒr Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, sieht inzwischen den Verdacht des Insiderhandels erhĂ€rtet. "Da prĂŒfen wir aber noch", sagt der Sprecher der Bochumer Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft fĂŒr WirtschaftskriminalitĂ€t, Bernd Bienioßek. "Wir warten auch noch auf den Abschlussbericht von BaFin." So viel steht aber wohl fest: VerdĂ€chtig große Aktienpakete waren zeitweise auf den Markt geworfen worden. Die beiden Ex-VorstĂ€nde selbst hĂ€tten nicht gehandelt, meint Bienioßek. "Aber wir ermitteln noch im Umfeld der VorstĂ€nde." Scheer und Denhard bestreiten bis heute, sich persönlich durch ihr Handeln bereichert zu haben.

Bei der Staatsanwaltschaft ist noch ein ganz anderer Verdacht aufgetaucht. "Es hat Hinweise gegeben, dass sich Vorstandsmitglieder der Untreue schuldig gemacht haben könnten", sagt Bienioßek. Am Aufsichtsrat vorbei sollen Beteiligungen ohne ausreichende Sicherheiten eingegangen worden sein. Ob das nur zum Wohl der Firma geschehen sei, oder ob spĂ€ter auch die Drahtzieher persönlich profitieren wollten, lasse sich derzeit nicht sagen.

UngerĂŒhrt der juristischen Aufarbeitung flattert unterdessen das Moorhuhn weiter ĂŒber die Bildschirme virtueller JĂ€ger. Im Herbst hatten die GlĂ€ubiger, vor allem Banken, grĂŒnes Licht fĂŒr die FortfĂŒhrung der Phenomedia unter Leitung von Insolvenzverwalter Wulf-Gerd Joneleit gegeben. Jetzt werden wieder vornehmlich nur Computerspiele entwickelt. Es kamen sogar neue Variationen wie der Moorhuhn Kart Racer oder Teil zwei des Spiels mit dem virtuellen Schaf Sven Baumwolle auf den Markt.

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