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Müller vs. Meiners: Weihnachtlich glänzet der Wald...

05.12.2005 | 14:41 Uhr | Peter Müller,

Müller: Meiners, ist das der Grund, warum Sie jetzt virtuell auf Reisen gehen und unsere Leser mitnehmen? Deutschland wird Ihnen wohl zu eng. Dabei kann man auch hierzulande Abenteuer erleben, wie sie sonst nur das ewige Eis Grönlands oder die russische Tundra zu bieten hat. Kaum werden wir von Frau Merkel regiert, fällt uns der Himmel auf den Kopf. Zumindest dessen weiße, flockige Bestandteile und auch nur den Münsterländern. Das war eine Woche für Leute dort, da brauchen Sie mit Ihren Zwangsübernachtungen auf dem Hauptbahnhof von Hannover gar nicht jammern! Vier Tage ohne Strom und Heizung kennt man sonst nur aus den Reiseberichten von Reinhold Messner. Aber stellen Sie sich diese Stille vor in den Kreisen Steinfurt, Coesfeld und Borken. Kein Gequäke aus dem Fernseher, kein Format-Gedudel aus dem Radio und auch sinnloses Internetsurfen entfällt vollkommen. Stattdessen besinnt man sich auf alte Handarbeitstätigkeiten, sitzt in der kalten und dunklen Stube zusammen und redet erstmals seit Jahren wieder oder sorgt mangels Alternative für eine Vermehrung der Coesfelder, Borkener und Steinfurter. Ist das nicht besinnlich? Da wird einem ja ganz weihnachtlich ums Herz. Was schenken Sie denn heuer Ihren Lieben?

Meiners: Meine Rückkehr nach Berlin. Mein Gejammer kann ja keiner mehr ertragen. Nicht die lieben Münchener – und die lieben Hauptstädter auch nicht mehr. Das ist mein Beitrag zur weihnachtlichen Ruhe. Viel Spielraum bleibt ohnehin nicht, denn so ein Umzug ist ja nicht ganz billig. Dieses Jahr verzichte ich auf den adventlichen Einkaufsterror, allein vor dem Kauf der neuen Ikea-Küche kurz vor dem Heiligen Abend graut mir ein wenig. Und dann muss ich auch noch Geld zurückhalten für Ende Januar – in der Hoffnung, dass dann der erste Mac mit Intel-Prozessor auch den glasfaserversorgten Osten von Berlin erreicht hat. Müller, nach fünf Jahren DSL-Versorgung setzte ich jetzt zu einem Technologiesprung an und lasse mir das Internet huckepack auf dem Kabelfernsehen in meine neue Berliner Wohnung bringen. Hat ja auch bloß Tage gedauert, bei diversen Telefonanbietern eine Abfuhr zu erhalten und dann den richtigen Provider zu finden. Hier eine Hotline, da ein Kontaktformular, Warteschleifenterror... Servicewüste Deutschland!

Müller: Meiners, da ist sie wieder, Ihre Ungeduld! Haben Sie doch ein wenig Nachsehen mit den Hotline-Mitarbeitern. Wahrscheinlich haben Ihre Dienstleister die Hotline in die Ukraine oder nach Tonga outgesourct, weil Rot-Grün in den letzten sieben Jahren die Arbeit so teuer gemacht hat in unserem Land. Oder die Hotline sitzt mach wie vor in einem dubiosen Berliner Stadtteil, nur sind die Mitarbeiter erst einmal darauf geschult, digitales Kabelfernsehen zu verkaufen, der Rest kommt später. Man ist ja so bequem geworden in diesem Land und nicht bereit, den Wandel mitzumachen. Wenn einem wenigstens mal jemand sagen würde, wohin wir uns wandeln. Vielleicht sollen wir alle zu rosa Riesen-Kaninchen mutieren. Aber im Ernst, Meiners: Nicht jammern, Sie sind Deutschland! Behandeln Sie Ihren Dienstleister doch wie einen guten Freund. Laden Sie ihn auf ein Glas Bier oder zwei ein und erklären im den Unterschied zwischen Glasfaser- und Kupferkabel. Und beim dritten Bier können Sie ihm etwas über WLAN-Kabel erzählen. Läuft das Übersse-WLAN-Kabel auch bei Norden in Ostfriesland in das Wattenmeer und taucht erst auf den Azoren wieder auf?

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