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Müller vs. Steigers Anrufbeantworter

21.08.2004 | 10:00 Uhr | Peter Müller,

Müller vs. Steigers Anrufbeantworter

... und führe uns nicht in Versuchung

Müller ist in der moralischen Zwickmühle. Aber welchen Spielraum lässt das Urheberrecht denn überhaupt noch?

von Peter Müller

Müller: Steiger! Wenn das so weiter geht, dann muss Apple mir eine Prämie bezahlen! Ich habe schon wieder einen Kollegen hier im Haus zum iPod-Fan gemacht und Apple zu mehr Umsatz verholfen. Steiger? Hören Sie überhaupt zu? Ach, so, Sie entspannen ja immer noch in Ihrem Freibad in dem kleinen Nest weit westlich von München. Aber das ist vielleicht besser so, auf die Art können Sie mir keine Widerworte geben. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, der iPod und der besagte Kollege. Neugierig geworden, was ich da für ein schickes Gerät am Gürtel trage, hat er sich meinen iPod der dritten Generation (20 GB) mal für eine Woche ausgeliehen. Ein wenig Mühe hatte er schon, den Player an seinem Windows-Notebook laufen zu lassen, zunächst fehlte es am korrekten Firewire-Stecker. Dank des Adapters, den Apple damals mitgeliefert hat, war das aber noch das geringste Problem, denn während der Initialisierung war seine Maschine abgeschmiert und die iPod-Software ruiniert, was ich an meinem G5 aber schnell geradebiegen konnte. Schade fand er nur, dass sich der iPod am Notebook weder über 'adaptiertes' Firewire noch USB 2.0 aufladen ließ. Dennoch hat ihm das Gerät so viel Spaß bereitet, dass er sich gleich einen neuen iPod 4G mit 40 GB besorgt hat. Ohne Gürtelclip zwar, den musste er extra kaufen, dafür aber mit USB-2.0-Kabel, das auch den iPod-Akku lädt, der ja jetzt 12 Stunden lang hält. Meinen iPod habe ich dann vorgestern unversehrt zurück bekommen, sogar noch mit der gesamten Musikbibliothek des Kollegen darauf. Per Touch-Wheel und den unbequemen Tasten der dritten iPod-Generation habe ich mal durchgeklickt und gehört, einen guten Geschmack hat der Mann. Zwei Scheiben von Tori Amos, Unmengen von Frank Zappa. Eine umfangreiche Jazz-Sammlung von Chick Corea über Bill Bruford zu Bill Frissel, Country-Klassiker Johnny Cash, Slacker-Legende Beck, dazu Soul vom Feinsten, vom 'Godfather' James Brown bis zu Jamiroquai. Das Gitarristenherz ging mir noch auf bei Namen wie Prince, Steve Morse oder Paul Weller. Gut, vieles davon hatte ich ja schon, teils auf Schallplatte, auf CD oder auch schon davon digitalisiert. Ob ich wohl meine Musiksammlung ergänzen könnte? Nein, natürlich nicht, denn erstens heißt es ja 'stiehl keine Musik' und zweitens hatte der Kollege ja den iPod für Windows formatiert. Schweren Herzens schließe ich das Ding also an meinen G5 an und erlebe die erste Überraschung: iTunes mountet den Windows formatierten Mac, da ich die automatische Synchronisation abgeschaltet habe. Gut, kein großes Wunder, Macianer konnten schon immer für 'die andere Seite' bestimmte Medien wie Floppys, CDs oder Firewire-Festplatten lesen, umgekehrt ist das eher schwierig. Aber iTunes erlaubt ja nun einmal keinen Import vom iPod aus, das hat Apple ja zur Lieblingsfirma der Musikindustrie und der Rechteverwerter gemacht. Ob ich mal im Internet nach einem passenden Tool suche? Schauen kann man ja. Und ein kleiner Test sollte ja auch noch drin sein, wählen wir mal 'Up' von Peter Gabriel aus, die von mir ordnungsgemäß gekaufte CD liegt hier ohnehin gerade auf dem Schreibtisch, ist nicht kopiergeschützt und so darf ich sie ja auf meinen Rechner spielen. Das Urheberrecht sollte ja eigentlich wegunabhängig gelten, also kann ich mir die digitale Fassung vom iPod rüberziehen. Das geht genau so schnell wie die Synchronisation von iTunes zu iPod, Firewire ist symmetrisch. Wenn ich jetzt alles markieren und das Tool noch einmal einsetzen würde, hätte ich nach der Kaffeepause... und die Platte von meinem G5 ist ja ohnehin fast noch leer... Sieht doch keiner und der Kollege würde mir ja auch gerne die CDs leihen, ich will die Musik ja nur einmal 7,3 Tage lang komplett anhören, ich will sie ja nicht besitzen...

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