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Name ist Schall und Rauch - Macphisto am Freitag

22.10.2021 | 10:30 Uhr |

Unser Kolumnist aus der Hölle lässt die Woche Revue passieren – und seine Wut an Großkonzernen aus.

"Name ist Schall und Rauch" – in seinem dokumentarischen Epos "Faust", das die Arbeit eines der Kollegen aus der Hölle näher beleuchtet, hat der Journalist und Autor Johann Wolfgang von Goethe das Ziel des Paktes, den wissbegierigen und eitlen Johann Georg Faustus genau beobachtet, wie er sich um eine Antwort wand, die ihm Margarethen stellte, jenes Objekt seiner Begierde, die im heute als sittenwidrig geltenden Vertrag aus der Hölle als Handelsgegenstand auftauchte. "Nun sag', wie hast du's mit der Religion?" hatte sie gefragt – und er hat nichts gesagt, das aber mit vielen Worten. Denn die Antwort war ihm bekannt anhand der Vertragsinhalte, die ihm der Kollege diktierte. Dummerweise musste der neugierige und schon etwas ältliche Herr auch etwas unterzeichnen, was wir heute als Non Dislcosure Agreement oder NDA bezeichnen: Er durfte nicht offenlegen, was er hinter den Kulissen so gesehen hat.

Die junge Dame, deretwegen er sich verjüngen ließ, bohrte aber hartnäckig nach, Faust also so: "Nenn es dann, wie du willst, nenn’s Glück! Herz! Liebe! Gott! Ich habe keinen Namen dafür! Gefühl ist alles, Name ist Schall und Rauch, umnebelnd Himmelsglut."

Die geschwurbelte Antwort ist zum geflügelten Wort geworden: Namen sind Schall und Rauch.

Und doch verraten Namen oft mehr, Dinge heißen nicht zufällig so, wie sie heißen. Nicht M1X heißt etwa der neue Prozessor Apples mit zehn CPU- und 16 oder 32 Grafikkernen, wie wir am Montag erfahren haben, sondern M1 Pro. Der erste eigene Chip für den Mac, und zwar der für Profis. Die Profis, die das maximale aus ihren Arbeitsgeräten holen wollen, greifen dann zum M1 Max. In den kommenden Jahren wird es M2, M3, M4 und weitere geben, solche für Normalsterbliche, solche für Profis und solche für Maximalisten. Apple zählt streng weiter, es ist Apple und nicht Microsoft, es wird kein Hexeneinmaleins geben, aus der die Vier verloren geht, wofür Fünf und Sechs zu Sieben und Acht werden. Nein, nein und nochmals Nein: Apples Nomenklatur ist nicht zufällig.

Seen mit flachem Wasser

Wohingegen Intel nach Brunnen nun Seen ausschöpfen will. Keine echten wie den Lake Tahoe, nachdem Apple dereinst ein Betriebssystem benennen könnte, sondern nach den frei erfundenen Whiskey Lake oder Sky Lake. Immerhin: Einen Alder Lake gibt es wirklich, wenn der auch recht unansehnlich ist. Die Schall-und-Rauch-Namen, die Intel seinen Architekturen und Prozessoren gibt, waren aber nicht der Grund für die Trennung, sondern das, was man am Grund des Sees sieht . Nämlich nicht viel und dann schon bald den Boden, während Apple seine SoC-Designs als unausschöpflich betrachtet. Intel zieht sich wie eine verlassene Geliebte in die Schmollecke zurück. Es war aber kein faustischer Pakt, der den Mac wieder so jung aussehen lässt, Intel muss nicht fürchten, wie das sitzen gelassene Gretchen zu enden. Andere Konzernmütter könnten auch schöne Rechner bauen, wenn sie wollten.

Eine Konzernmutter anderer Art will indes ihren Namen ändern, wie man diese Woche hörte . Von FACEBOOK, wie sich der Anbieter der asozialen Netzwerke Facebook und Instagram, des Messengers Whatsapp und der virtuelle Realitäten vorgaukelnden Brille namens Oculus noch nennt, in etwas anderes. Umnebelnd Himmelsglut! Facebook – fortan wieder orthographisch richtig und damit weniger brüllend geschrieben – ist natürlich mehr als das asoziale Netz, an dem die Hölle ihr wahres Vergnügen hat. Das wissen alle.

Geschäftsmodell Hass

Eine Änderung des Namens wird aber vergeblich sein, die meisten setzen Google und seine nominelle Mutter Alphabet nach wie vor gleich. Wenn Facebook sein Geschäftsprinzip der Menschenverachtung, des komplett auf die Spitze getriebenen Boulevard-Prinzips "Bad news are good news!" nicht komplett aufgibt, wird es die Höllenmaschine der Desinformation und Manipulation auf lange Sicht bleiben, völlig egal, was die Firma sonst noch anbieten mag.

Der Hölle gefällt das, Hass und Wut sind deren Rohstoff zur Gewinnung menschlicher Seelen. "Liebe ist eine bessere Tinte als Hass", lässt der Literaturnobelpreisträger von 1972 Heinrich Böll eine seiner Figuren sagen. Böll kannte Facebook noch nicht, sondern nur die Zeitung mit den großen Buchstaben, die einer Katharina Blum die Ehre nahm. Auch gegen dieses Blatt wird Liebe nicht viel ausrichten, sie hat wie Faust einen Pakt geschlossen, der auch nach dem Austausch von Schlüsselfiguren weiter gelten dürfte.

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