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Neue Apotheken-Software gegen gefälschte Impfzertifikate

22.12.2021 | 12:20 Uhr |

Im Kampf gegen gefälschte Impfpässe erhalten die Apotheken nun eine neue Waffe: Sie können die Chargennummern der Impfstoffe künftig per Software überprüfen.

Angesichts der hohen Zahl an Impfverweigerern und immer mehr Geltungsbereiche für 2G boomt hierzulande das Geschäft mit gefälschten Impfpässen, die eine COVID-19-Impfung attestieren sollen. Laut einem Bericht des MDR ermitteln die Behörden in Deutschland schon in mindestens 2.000 Fällen. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein.

Corona-Impfpassfälscher

Dabei kosten die Fälschungen, die über die dunklen Kanäle des Internets vertrieben werden, zwischen 150 und 350 Euro. Am teuersten sind gefälschte digitale Impfzertifikate mit einem QR-Code, da ein solches Zertifikat später bei Kontrollen kaum noch als Fälschung zu erkennen ist. Günstiger sind dagegen die gefälschten gelben Impfpässe auf Papier, die der Benutzer dann später in einer Apotheke digitalisieren kann. Besteht die Fälschung die Kontrolle in der Apotheke, dann hat der betrügerische Besitzer ein funktionierendes digitales Zertifikat in seiner App.

Gegen solche Betrüger kämpften die Apotheken bislang mit stumpfen Waffen: Sie mussten sich auf ihr Gespür verlassen, um entsprechende Fälschungen zu erkennen. Diese hatte zur Konsequenz, dass nur plumpe Fälschungen auffielen und sicherlich Tausende von Fälschungen durchrutschten. Um diesem betrügerischen Treiben einen Riegel vorzuschieben, bedürfte es eigentlich einer zentralen Impfdatenbank oder eines digitalen Impfpasses – mit beidem ist angesichts der mangelhaften Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens in absehbarer Zeit nicht zu rechnen.

Apotheken können besser prüfen

Um zumindest etwas bessere Chancen im Kampf gegen die asozialen Impfbetrüger zu haben, bekommen die Apotheken nun eine neue Waffe in die Hand: Sie können künftig per Software die Chargennummern der im Impfpass eingetragenen COVID-19-Impfstoffe elektronisch überprüfen. "Bisher konnten nur Identitäts-, Vollständigkeits- und Plausibilitätschecks vorgenommen werden.

Mit der Chargenprüfung steht den Apotheken nun ein weiteres wirksames Instrument zur Verfügung, um Kriminelle und Urkundenfälscher zu stoppen", zeigt sich Thomas Dittrich, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) , überzeugt. "Wer Impfpässe fälscht oder einen gefälschten Impfpass nutzt, gefährdet nicht nur seine eigene Gesundheit, sondern bringt auch Verwandte, Freunde, Nachbarn und Kollegen in Gefahr. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat und bremst die Gesellschaft im Kampf gegen die Pandemie."

Was ist eine Charge?

Unter einer Charge ist eine bestimmte Menge an Impfstoffdosen zu verstehen, die in einem Produktionsgang unter identischen Bedingungen entstanden sind. Jede Charge wird mit einer Chargennummer gekennzeichnet, welche auch auf dem Aufkleber im Impfpass aufgedruckt ist. Gemeinsam mit dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das die Impfstoffe chargenweise freigibt, hat der DAV nach eigenen Angaben nun eine Möglichkeit entwickelt zu prüfen, ob eine im Impfpass genannte Chargennummer zu den in Deutschland verimpften Dosen der COVID-19-Impfstoffe passt und ob die COVID-19-Impfung tatsächlich im Zeitraum zwischen Freigabe- und Verfallsdatum der entsprechenden Charge erfolgt ist.

Wer als Verbraucher eine Impfzertifikat-Apotheke sucht, kann sie über das Verbraucherportal Mein Apothekenmanager finden.

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