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Neue Arbeitsplätze durch Flatrate

11.02.2000 | 00:00 Uhr |

In Deutschland könnten kurzfristig bis zu 400 000
neue Arbeitsplätze in Zukunftsbranchen rund um das Internet
entstehen, wenn das Computernetzwerk zu einem günstigen Pauschaltarif
erreichbar wäre. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag in
Hamburg veröffentlichte Studie der Universität Potsdam, die vom
Online-Dienst AOL Europe in Auftrag gegeben wurde. Voraussetzung für
den Wachstumsschub sei ausschließlich die Einführung eines zeitlich
unbeschränkten Zugangs zum Internet zum Festpreis, eine sogenannte
«Flatrate».

Bei den führenden Online-Diensten in Deutschland, T-Online und
AOL, fallen neben Pauschaltarifen für die Onlinenutzung immer noch
zeitabhängige Telefongebühren von bis zu 3,9 Pfennig pro Minute an.
Andere Anbieter wie Mannesmann Arcor bieten zwar bereits
Pauschaltarife für Internetsurfer. Allerdings liegen hier die Preise
mit 149 DM im Monat deutlich über den Kosten, die etwa in den USA für
einen zeitlich unbefristeten Online-Zugang anfallen. AOL und andere
Internet-Anbieter machen die Tarif-Politik der Deutschen Telekom
dafür verantwortlich, dass bislang keine preisgünstige «Flatrate»
angeboten werden kann.

Die Studie, die von Prof. Paul Welfens geleitet wurde, kommt zum
Ergebnis, dass die «Internet-Nutzung in Deutschland bei Haushalten
und Unternehmen deutlich unterhalb des Optimums» bleibe. In allen
OECD-Ländern zeige sich ein «deutlich negativer Zusammenhang: Je
höher die Netzpreise - desto geringer die Internet-Nutzung», heißt es
in dem Gutachten. Im internationalen Vergleich von zehn EU-Ländern
sei Deutschland in den Abend- und Nachstunden hinter Spanien am
zweitteuersten. Bei der Einführung einer Flatrate könne durch ein
Absenken der Telefongebühren für das Internet um 20 bis 50 Prozent
allein das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent oder 19 Milliarden DM
steigen. Der reine Beschäftigungseffekt würde sich auf bis zu 400 000
Arbeitsplätze belaufen.

«Das Internet kann Deutschland ein zweites Wirtschaftswunder
bescheren und schon kurzfristig zu einem radikalen Abbau der
Arbeitslosigkeit führen», sagte der Chef von AOL-Europe, Andreas
Schmidt. Deutschland habe die einmalige Chance auf eine europaweite
Spitzenpostion in der Informationsgesellschaft. «Das Internet ist die
Jobmaschine der Zukunft.» Schmidt forderte die Bundesregierung auf,
jetzt zügig die letzten Hindernisse für eine breite Nutzung des
Internets aus dem Weg zu räumen. «Wir brauchen in Deutschland eine
Flatrate - einen Pauschalpreis für den Zugang zum Internet.»

Die Deutsche Telekom hatte am Mittwoch bestätigt, dass sie an der
Einführung eines eingeschränkten Pauschaltarifs für Internetnutzer
arbeitet. Dabei will die Telekom allerdings dem Vernehmen nach nur
den langsamen ISDN-Datenkanal D nutzen, um den Rechner mit dem
Internet zu verbinden. Dieser Plan wurde von der
Verbraucherinitiative «Internet ohne Taktung» (IoT) scharf
kritisiert. «Wenn die Telekom ihre derzeitigen Pläne verwirklicht,
gibt es keinen echten Pauschaltarif, sondern eine Mogelpackung auf
veraltetem technischen Niveau», rügte der Sprecher von IoT, Philipp
Sudholt.
dpa

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