2528145

Neuseeland: Startup überträgt Strom drahtlos

23.08.2020 | 12:52 Uhr | Peter Müller

Daten durch die "Luft" senden - beinahe ein alter Hut. Interessant wird es aber, wenn das auch mit Strom geht.

Der Traum des Elektropioniers Nikola Tesla könnte wahr werden und sich elektrischer Strom drahtlos übertragen lassen. Das Startup aus Neuseeland Emrod hat einen Prototypen fertig , der zunächst 2 Kilowatt elektrischer Leistung über eine Strecke von 40 Metern übertragen will und das technische Prinzip auch mithilfe des Kooperationspartners Powervo, Neuseelands zweitgrößter Stromversorger, im großindustriellen Maßstab umsetzen will.

Die drahtlose Leitung der Energie setzt auf gerichtete Mikrowellen, Sender und Empfänger bestehen aus sogenannten elektromagnetischen Metamaterialien, an denen etwa auch das Militär bezüglich Tarnvorrichtungen forscht. Diese Materialien zeichnen sich durch einen negativen Brechungsindex aus (genauer gesagt, kann der Realteil des komplexen Brechungsindex negativ sein) und sind daher auch in der Lage, absorbierte Mikrowellen wieder in elektrischen Strom zu verwandeln.

Daran scheiterte bisher der Versuch, Energie über wesentliche Strecken zu transportieren, Nikola Tesla soll bei einem derartigen Versuch mit einem Tesla-Transformator für einen großen Stromausfall in Colorado Springs gesorgt haben. Auch sind die Tesla-Transformatoren mit ihrer Hochspannung und den hochfrequenten Wechselfeldern nicht ganz ungefährlich.

Emrod hingegen will durch die zielgerichtete Übertragung von Sender zu Empfänger Gefahren ausschließen, eine Art Sicherheitsfeld aus niederenergetischen Strahlen um den eigentlichen Transportstrahl herum soll auch die Übertragung sofort stoppen helfen, wenn sich ein Hindernis (Vogel) oder ein Energiedieb in den Bereich des Strahls begibt. Selbst wenn man mit der Hand in den Strahl kommt, brauche man eine Weile, bis man überhaupt etwas spüre, erklärt Emrod-Gründer Greg Kushnir im Interview mit newatlas.com . Es handelt sich hier um keinen Laser, der alles durchschlage, sondern eben um gebündelte Mikrowellenstrahlung mit einer deutlich geringeren Frequenz und damit Energie. Anders als beim 5G-Funk, der ja in alle Richtungen strahlen müsse (mit sehr geringer Leistung im Vergleich dazu), ist die Stromübertragung von Emrod auch nur auf genau definierten Strecken unterwegs.

Sinn geben der drahtlosen Energieübertragung erneuerbare Energien, die oft in unwegsamem Gelände oder Offshore in Strom verwandelt wird und bei der die Übertragung eine technische und logistische Herausforderung bedeutet. Kushnir schätzt den gesamten Wirkungsgrad der Anlage auf 70 Prozent, die meisten Verluste entstehen beim Senden. Noch ist Kupferkabel effizienter, aber vor allem, weil die klassische Überlandlinie mit Hochspannung arbeitet.

Stromübertragung durch die "Luft" (Elektromagnetische Wellen benötigen kein Trägermedium, weder Luft, noch den ominösen Äther) ist keine völlig neue Technologie, einige Drohnen lassen sich auf diese Art und Weise im Flug "betanken". Bisher waren aber nur geringe Leistungen bei hohen Verlusten die Regel.

Macwelt Marktplatz

2528145