876750

Niemand braucht Napster

09.03.2001 | 00:00 Uhr |

Mit der drohenden Kommerzialisierung der Internet-MusiktauschbörseNapster scheinen die Zeiten des kostenlosen Musiktransfers vorüber zusein. Doch schon tun sich zahlreiche Alternativen aus - auch für den Mac.

Apple hat eine Weile gebraucht, um den Trend zu erkennen: Statt statische
HTML-Seiten anzusehen oder Maisl zu verschicken wird das Internet
mittlerweile ganz anders genutzt: als Tummelplatz für Musik- und wohl
bald auch Film-Piraten erfreut es sich immer größerer Beliebtheit.
Pionier auf diesem Gebiet waren die Entwickler des Internet-Dienstes
Napster, die, statt illegal kopierte Musiktitel direkt auf ihren Servern
bereitzustellen, lediglich Verweise auf privat gespeicherte Musiktitel in
einer Datenbank ablegen und diese dann Anwendern zur verfügung stellen.
Musiktitel sind so schnell gefunden, der Download geschieht über private
PCs irgendwo auf der Welt.

Ersatz für Napster

Mit der Beteiligung der Firma Bertelsmann an Napster droht dem
kostenlosen Dienst nun das Aus, spätestens im Sommer soll er nur noch
zahlendem Publikum zur Verfügung stehen. Dass damit die Zeiten des
kostenlosen - und anonymen - Tausches von Dateien aller Art lange nicht
vorbei sind, beweisen inzwischen eine ganze Reihe neuer Dienste, die
bereit sind, die drohende Lücke zu schließen. Am anarchischsten und damit
auch am schwersten zu kontrollieren ist das Gnutella-Netzwerk, das sich
steigender Beliebtheit erfreut. Im Gegensatz zu Napster benötigt Gnutella
keine zentralen Server, auf denen Verweise auf Dateien gespeichert sind.
Vielmehr besinnt es sich zurück auf die Anfangszeiten des Internet, in
denen das weltweite Datennetz lediglich aus einigen verstreuten Rechnern
und einem Protokoll bestand, über das die Rechner Verbindung aufnehmen
konnten. Gutella besteht ebenfalls aus einer Software, die zweierlei tut:
Sie stellt eigene Daten für andere im Internet zur Verfügung und erlaubt
es gleichzeitig, auf anderen Rechnern nach Daten zu suchen. Gnutella ist
ein öffentlich zugängliches Protokoll, und so ist es kein Wunder, dass es
inzwischen eine ganze Reihe von Programmen gibt, mit denen sich über
Gnutella Daten austauschen lassen.

Gnutella für den Mac

Der bekannteste Client für den Mac nennt sich Mactella und wurde von der
Softwareschmiede CXC entwickelt. Die derzeit
aktuelle Version 1.0.4 von Mactella ist kostenlos und sehr einfach in der
Bedienung. Nach dem Download des Programms sollte man kurz die Anleitung
lesen und schon geht es los mit der Musiksuche. Neben Mactella gibt es
aber noch weitere Programme für den Mac. Eine Liste aller Programme sowie
der Downloadlinks findet sich unter www.gnutelliums.com/ . Hier
finden sich neben Mactella die Programme Limewire, Furi und MP3 Rage.
Neben dem dezentralen Aufbau hat Gnutella noch einen weiteren Vorteil: Es
ist nicht auf den Tausch von MP3-(Musik-)Daten beschränkt. Die Suche nach
beliebigen Stichwörtern bringt vieles andere zu Tage. Allerdings hat das
Gnutella-Netz auch einen gravierenden Nachteil: Da die überwiegende
Anzahl an Gnutella-Dateien auf privaten Rechnern liegen, kann es mit dem
tatsächlichen Download immer wieder zu Problemen kommen. Hier ist,
zumindest in der Anfangphase, Geduld angebracht. Wer sie aufbringt
eschließt sich allerdings einen unerschöppflich scheinenden Vorrat an
Daten, die, da auf privaten Rechnern gespeichert, auch von den
Bertelsmannen dieser Welt weder aufgekauft noch kontrolliert werden
können.

Sebastian Hirsch

0 Kommentare zu diesem Artikel
876750