2650548

Nothing will Apples Ökosystem kopieren

25.03.2022 | 10:45 Uhr |

Klingt nach einem verfrühten Aprilscherz, aber das Unternehmen "Nothing" meint es Ernst. Will man aber den Platzhirschen herausfordern, muss man auch etwas mitbringen. Das ist bisher nicht der Fall.

Falls Sie es am Mittwoch verpasst haben sollten - und das haben Sie wahrscheinlich: Das neueste Unternehmen von OnePlus-Gründer Carl Pei, Nothing, hielt seine erste Live-Keynote ab, um der Welt die Ambitionen des Unternehmens vorzustellen. In einem Geplauder von einer etwa einer halben Stunde waren zwei Dinge zu erfahren: Nothing wird diesen Sommer ein Smartphone auf den Markt bringen und will es mit Apple aufnehmen.

Pei zeigte ein paar Screenshots der NothingOS-Android-Oberfläche und kündigte an, dass das erste Telefon von Nothing, Phone (1), noch in diesem Jahr auf den Markt kommen wird. Während der Veranstaltung war zu sehen: Nothing. Nichts. Nada. Kein erster Blick auf das Smartphone, keine technischen Daten, kein Preis, keine Funktionen. Irgendwie möchte Pei, dass die Welt darauf vertraut, dass die Vision von Nothing eine echte Alternative zu Apples riesigem Ökosystem von Geräten und Diensten sein wird.

Etwa in der Mitte der Präsentation erklärte Pei, dass Nothing "die überzeugendste Alternative zu Apple aufbaut. Es gibt keine Alternative zu Apple, die Verbraucher haben keine Wahl". Das mag wahr sein, aber nicht, weil man es nicht versucht hätte. Samsung, Google und sogar Essential von Andy Rubin haben alle versucht, eine echte Alternative zu Apples "Walled Garden" zu schaffen - mit unterschiedlichem Erfolg. Nothing behauptet jedoch, das erste Unternehmen zu sein, das es richtig macht.

Das erste Produkt von Nothing, der Ear (1), war eindeutig ein Angriff auf Apples Airpods Pro. Mit ihrem transparenten Stiel, der an die alten iMacs von Apple erinnert, und dem niedrigen Preis von 99 US-Dollar sind sie mit aktiver Geräuschunterdrückung, kabellosem Aufladen und IPX4-Wasserbeständigkeit sicherlich überzeugend. Aber ohne ein dazugehöriges Gerät macht ein Paar Ohrhörer kaum ein Ökosystem aus. Um es mit den Worten von Palm-CEO Ed Colligan zu sagen: "Nothing wird nicht einfach hereinspazieren" und eine Alternative zu Apples gut gepflegtem System aufbauen.

Das große Nichts

Das Phone (1) ist eindeutig der Versuch von Nothing, seiner Vision näherzukommen. Nur ist von dieser einfach noch nichts erkennbar. Obwohl Pei in der Tech-Welt dafür respektiert wird, dass er OnePlus von einem abgewrackten Telefonhersteller zu einem Unternehmen gemacht hat, das es mit den Galaxy- und Pixel-Telefonen aufnehmen kann, war er bei der Veranstaltung am Mittwoch nicht sehr überzeugend. Der Elevator Pitch mag überzeugend und der Name clever sein, aber wir haben diesen Film schon einmal gesehen und er hatte noch nie ein gutes Ende. Zu viele Unternehmen haben große Dinge versprochen, der Erfolg blieb aber oft aus.

Apples Ökosystem besteht nicht nur aus schicken Geräten.
Vergrößern Apples Ökosystem besteht nicht nur aus schicken Geräten.
© Apple

Selbst Samsung, das die nach dem iPhone begehrtesten Smartphones herstellt, hat nicht den Erfolg, den Apple hat. Die Komponenten sind vorhanden - Smartwatches, High-End-Telefone, digitale Assistenten, App-Store, Ohrhörer, PCs -, aber Samsung hat sich schwergetan, ein nahtloses Erlebnis zu schaffen, das den Kunden nicht nur fesselt, sondern ihn auch zum Bleiben animiert. Erinnern Sie sich an den intelligenten Lautsprecher Galaxy Home?

Auch Essential hatte große Pläne, eine Alternative zu Apples Ökosystem zu bieten. Unterstützt von Rubin und einer überschwänglichen Tech-Presse brachte Essential ein hübsches, aber wenig überzeugendes Telefon auf den Markt, versuchte, hochwertiges modulares Zubehör zu entwickeln, und lieferte seinen ehrgeizigen KI-Home-Hub nie wirklich aus. Als das Unternehmen seinen Betrieb einstellte, versprach es immer noch Produkte, die "radikal anders" waren, um es mit dem iPhone aufzunehmen. Auch das wurde nie ausgeliefert.

Apples abgeschottetes Ökosystem funktioniert nur, weil die Menschen gerne darin leben. Apple muss den iPhone-Nutzern nicht den Wert der Airpods und den Mac-Nutzern nicht den Wert des iPads erklären. Das Erlebnis ist das Verkaufsargument. Nicht alles ist perfekt - der smarte Lautsprecher Homepod war einer der bemerkenswertesten Fehler - aber die Menschen bleiben, weil Apple etwas zu bieten hat, was andere Unternehmen nicht haben. Apples Ökosystem hat Jahrzehnte gebraucht, um aufgebaut zu werden, und hat sich das Vertrauen seiner Nutzer trotz gelegentlicher Fehltritte verdient, weil das Ganze größer ist als seine Teile.

Vielleicht kann Nothing das auch schaffen. Aber im Moment ist alles, worauf wir uns stützen können, nun ja, nichts.

Macwelt Marktplatz

2650548