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"One more Thing": Apple lehrt den PC das Fürchten

10.11.2020 | 21:04 Uhr | Peter Müller

Die dritte Apple-Keynote in diesem Herbst war vielleicht die wichtigste, da sie viele Jahre in die Zukunft weist. Drei neue Macs sind aber erst der Anfang, Apple Silicon hat gewaltiges Potential, das Apple erst nach und nach entfesseln wird.

Am Ende hatte John Hodgman noch einmal seinen Auftritt, vor dem grauen Hintergrund, den er Mitte der Nullerjahre schon mit Justin Long in den "Get a Mac"-Werbespots als personifizierter PC bespielte. Tim Cook hatte das Publikum bereits verabschiedet, nach gerade einmal einer Dreiviertelstunde geballter Information zum Apple-Silicon-Mac, da durfte Hodgman auch noch mal in einem Abspann vermelden, er, der PC, sei ja auch noch da und er laufe, na ja, er versuche es, müsse aber nun wieder an die Steckdose. Abgang Hodgman, Abgang PC – so stellt sich Apple die Ära seine Apple Silicons vor.

Der PC hat das Fürchten gelernt, will der Komiker wohl im Auftrag Apples da sagen. Denn mit den selbst gestalteten SoC (System-on-a-Chip) hat Apple im ewigen Wettstreit der Computerarchitekturen die Nase wieder nach vorne gebracht, wenn die gegebenen Informationen zu Leistungsaufnahme und Performance der Überprüfung standhalten werden.

Auf Effizienz getrimmt – und auf Leistung

Wie vor fünfzehn Jahren, als Apple vom PowerPC auf die Intel-Plattform wechselte, ist nun wieder die "Performance per Watt" der wesentliche Grund für den Umstieg. Mit eigenen Chips erreiche man höhere Effizienz, bei stärkerer Rechenleistung entsteht weniger Abwärme. So wenig, dass man im Macbook Air, dem zuerst vorgestellten Apple-Silicon-Mac gar auf einen Lüfter verzichten kann. Dabei solle das Macbook Air mehr Rechenleistung bieten als 98 Prozent aller Windows-Notebooks, also auch als viele High-End-Geräte.

Möglich macht das vor allem der M1, der Kern des neuen Mac. Anscheinend auf einem A14 basierend, den TSMC auf Apples Designs hin im 5-Nanometer-Verfahren produziert, vereint das M1 genannte SoC gleich mehrere Komponenten – die Apple bisher von mehreren Zulieferern beziehen musste. So kommen zu den acht CPU-Kernen, von denen vier auf Geschwindigkeit und vier auf Effizienz ausgelegt sind – auch noch acht GPU-Kerne und 16 neuronale Kerne, die bis zu 1,3 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde ausführen. Vor allem für den Einsatz von KI-Algorithmen ein unschätzbarer Vorteil. 8 GB RAM für CPU und GPU steht zur Verfügung, direkt auf dem Chip, externe Riegel gibt es keine mehr. Mehr zum M1 lesen Sie in Kürze.

Macbook Air, Macbook Pro und ein weißer Mac Mini

Wer erwartet hatte, dass Apple mit dem bereits im Juni angekündigten Umstieg wieder ein Macbook bringen könnte, superflach und ohne Lüfter wie die auf Intels CoreM basierenden 12-Zöller von 2015 bis 2017, sah sich getäuscht – und wieder nicht. Denn weiterhin bildet das Macbook Air den Einstieg in die (mobile) Rechnerwelt Apples, das Modell, das man schon auf dem Abstellgleis wähnte, bis es vor zwei Jahren ein Comeback feierte und seither zweimal leicht überarbeitet wurde. Nun bekommt es also statt eines Core i3 der achten Generation einen M1, auf den Lüfter kann in dem für Privathaushalte, den Bildungsbereich oder die Konferenz im Büro gedachte Maschine nun verzichten, was das Macbook Air zu einem Leisetreter macht. In Sachen Leistungsfähigkeit will das neue Macbook Air aber nichts vermissen lassen. Der Preis bleibt gleich in den USA (netto) ab 999 US-Dollar. Mehr Details zum Macbook Air mit Apple Silicon M1 lesen Sie hier .

Macbook Air M1

Modell

Macbook Air M1

Macbook Air M1

Preis

1100,50

1363,70 €

Technische Angaben

Display

13,3 Zoll Retina Display

13,3 Zoll Retina Display

Auflösung

2560 x 1600 Pixel

2560 x 1600 Pixel

Farbraum

Großer Farbraum (P3)

Großer Farbraum (P3)

Helligkeit

400 Nits

400 Nits

True Tone

Ja

Ja

Prozessor

Apple M1 Chip

Apple M1 Chip

CPU

8-Core CPU mit 4 Performance-Kernen und 4 Effizienz-Kernen

8-Core CPU mit 4 Performance-Kernen und 4 Effizienz-Kernen

Grafik

7-Core GPU

8-Core GPU

Neural Engine

16-Core

16-Core

Gemeinsamer Arbeitsspeicher

8 GB; 16 GB optional

8 GB; 16 GB optional

Interner Speicher

256 GB SSD

512 GB SSD

Speicher optional

512 GB, 1 TB, 2 TB

1 TB, 2 TB

Drahtlos

802.11ax WLAN 6, Bluetooth 5.0

802.11ax WLAN 6, Bluetooth 5.0

Externe Anschlüsse

2x Thunderbolt/USB 4, Kopfhöreranschluss

2x Thunderbolt/USB 4, Kopfhöreranschluss

Lautsprecher, Mikrofon

Stereo-Lautsprecher, drei Mikrofone

Stereo-Lautsprecher, drei Mikrofone

Kamera

FaceTime HD Kamera

FaceTime HD Kamera

Trackpad

Force Touch Trackpad

Force Touch Trackpad

Sonstiges

Touch ID Sensor

Touch ID Sensor

Integrierter Lithium-Polymer-Akku

49,9 Wh, bis zu 15 Stunden drahtloses Surfen, 18 Stunden TV App Video-Wiedergabe

49,9 Wh, bis zu 15 Stunden drahtloses Surfen, 18 Stunden TV App Video-Wiedergabe

Größe (H/B/T) in cm

0,41 - 1,61/30,41/21,24

0,41 - 1,61/30,41/21,24

Gewicht

1,29 kg

1,29 kg

Farben

Space Grau, Silber, Gold

Space Grau, Silber, Gold

Lieferumfang

Macbook Air, 30 W USB-C Netzteil, USB-C Ladekabel 2 m

Macbook Air, 30 W USB-C Netzteil, USB-C Ladekabel 2 m

Zeitgleich mit dem Macbook Air war im Oktober 2018 der Mac Mini aus der Versenkung wieder aufgetaucht, erfuhr aber seither keine Überarbeitungen, zwischendrin hatte Apple lediglich den Speicher erhöht. Im Sommer konnten sich Entwickler für ein Developer Transition Kit bewerben, das einen A12Z wie im iPad Pro in ein Mac-Mini-Gehäuse steckte. Schon dieses DTK zeigte erstaunliche Leistungswerte in Benchmarks, man darf also gespannt sein, wie sich nun die Weiterentwicklung schlägt. Der Mac Mini ist sogar günstiger geworden, es gibt ihn zu Preisen ab 699 US-Dollar und damit einen Hunderter billiger als bisher. Als Konzession für die Leute, die auf Windows-Software via Bootcamp oder Virtualisierung angewiesen sind, behält Apple auch noch eine Variante des Mac Mini mit Intel-CPU im Angebot. Verwechseln kann man die beiden Maschinen nicht, der Intel-Mini ist Space Gray, der mit M1 bekommt wieder die weiß-silberne Anmutung zurück, die den Mini seit jeher ausgezeichnet hat. Mehr zum Mac Mini M1 lesen Sie hier

Mac Mini M1

Modell

Mac Mini M1

Mac Mini M1

Preis

778,85 €

1003,05 €

Technische Angaben

Prozessor

Apple M1 Chip

Apple M1 Chip

CPU

8-Core CPU mit 4 Performance-Kernen und 4 Effizienz-Kernen

8-Core CPU mit 4 Performance-Kernen und 4 Effizienz-Kernen

Grafik

8-Core GPU

8-Core GPU

Neural Engine

16-Core

16-Core

Gemeinsamer Arbeitsspeicher

8 GB; 16 GB optional

8 GB; 16 GB optional

Interner Speicher

256 GB SSD

512 GB SSD

Speicher optional

512 GB, 1 TB, 2 TB

1 TB, 2 TB

Externe Monitore

1 Display bis 6K bei 60 Hz über Thunderbolt und 1 Display bis 4K über HDMI 2.0

1 Display bis 6K bei 60 Hz über Thunderbolt und 1 Display bis 4K über HDMI 2.0

Ethernet

10/100/1000 Base-T Gigabit Ethernet

10/100/1000 Base-T Gigabit Ethernet

Drahtlos

802.11ax WLAN 6, Bluetooth 5.0

802.11ax WLAN 6, Bluetooth 5.0

Externe Anschlüsse

2x Thunderbolt/USB4, 2x USB-A, HDMI 2.0, Kopfhöreranschluss

2x Thunderbolt/USB4, 2x USB-A, HDMI 2.0, Kopfhöreranschluss

Größe (B/H/T) in cm

19,7/3,6/19,7

19,7/3,6/19,7

Gewicht

1,20 kg

1,20 kg

Wenn denn nun alle Rechner das gleiche SoC haben, wie unterscheiden sie sich denn voneinander? Gute Frage – und das Macbook Pro 13 Zoll gibt eine mögliche Antwort darauf. Denn dieses hat einen Lüfter eingebaut, es wird Gründe dafür geben. Offenbar sind die Controller, die Apple auf den M1 lötet, nicht nur in der Lage, die gerade gebrauchten Kerne anzusprechen – beim E-Mails-Lesen braucht man eine andere Performance als beim Videoschnitt – sondern können dann auch die Leistung so weit ausreizen, dass nennenswert Abwärme entsteht. Das Macbook Pro wird vermutlich auf Dauer mehr Kerne beanspruchen als das Macbook Air – man wird auf die Benchmarks gespannt sein. Wie das Macbook Air M1 unterscheidet sich das Macbook Pro 13 Zoll M1 äußerlich nicht von seinem Intel-Vorgänger, bei den Schnittstellen handelt es sich nun aber um USB 4 / Thunderbolt. Das Macbook Pro 13 Zoll kann daher auch ein Pro Display XDR ansteuern, mit voller 6K-Auflösung. Dann kostet der externe Monitor gut das Vierfache des Mobilrechners, denn der Preis bliebt auf dem gleichen Niveau, ab 1299 US-Dollar ist man dabei. Mehr Details zum Macbook Pro 13 Zoll lesen Sie hier .

Macbook Pro 13 Zoll M1

Modell

Macbook Pro 13 Zoll M1

Macbook Pro 13 Zoll M1

Preis

1412,45 €

1.636,65 €

Technische Angaben

Display

13,3 Zoll Retina Display

13,3 Zoll Retina Display

Auflösung

2560 x 1600 Pixel

2560 x 1600 Pixel

Farbraum

Großer Farbraum (P3)

Großer Farbraum (P3)

Helligkeit

500 Nits

500 Nits

True Tone

Ja

Ja

Prozessor

Apple M1 Chip

Apple M1 Chip

CPU

8-Core CPU mit 4 Performance-Kernen und 4 Effizienz-Kernen

8-Core CPU mit 4 Performance-Kernen und 4 Effizienz-Kernen

Grafik

8-Core GPU

8-Core GPU

Neural Engine

16-Core

16-Core

Gemeinsamer Arbeitsspeicher

8 GB; 16 GB optional

8 GB; 16 GB optional

Interner Speicher

256 GB SSD

512 GB SSD

Speicher optional

512 GB, 1 TB, 2 TB

1 TB, 2 TB

Drahtlos

802.11ax WLAN 6, Bluetooth 5.0

802.11ax WLAN 6, Bluetooth 5.0

Externe Anschlüsse

2x Thunderbolt/USB 4, Kopfhöreranschluss

2x Thunderbolt/USB 4, Kopfhöreranschluss

Lautsprecher, Mikrofon

Stereo-Lautsprecher, drei Mikrofone

Stereo-Lautsprecher, drei Mikrofone

Kamera

FaceTime HD Kamera

FaceTime HD Kamera

Trackpad

Force Touch Trackpad

Force Touch Trackpad

Sonstiges

Touch Bar mit Touch ID-Sensor und separater esc-Taste

Touch Bar mit Touch ID-Sensor und separater esc-Taste

Integrierter Lithium-Polymer-Akku

58,2 Wh, bis zu 17 Stunden drahtloses Surfen, 20 Stunden TV App Wiedergabe

58,2 Wh, bis zu 17 Stunden drahtloses Surfen, 20 Stunden TV App Wiedergabe

Größe (H/B/T) in cm

1,56/30,41/21,24

1,56/30,41/21,24

Gewicht

1,4 kg

1,4 kg

Farben

Space Grau, Silber

Space Grau, Silber

Lieferumfang

Macbook, 61 W USB-C Netzteil, USB-C Ladekabel 2 m

Macbook, 61 W USB-C Netzteil, USB-C Ladekabel 2 m

Einen weiteren Vorteil sieht Apple im Umstieg. Nicht nur werde alles schneller auf dem Mac, sondern dieser auch vielfältiger in Sachen Software. Erneut stehen Programme als Univeral Binaries zur Verfügung, Hersteller packen in ihre Software je eine auf Intel-Macs ausführbare Programmdatei und eben eine Apple-Sillicon-Binary zusammen. Adobe will bereits im nächsten Monat mit Lightroom eine erste Universal Binary bringen, Photoshop solle Anfang 2021 kommen.

Das wird wieder ein gutes Jahrzehnt dauern, bis man auf den älteren Teil verzichten kann – wobei es schon heute Programme gibt, die eben nicht auf Intel-Macs laufen, wohl aber auf den neuen. Das sind im wesentlichen Apps für iPadOS und iOS, die mit nur einem einzigen Klick ihre Entwickler auch für den Mac zur Verfügung stellen können. Das machen zwar nicht alle, man darf aber erwarten, dass nach Mac Catalyst nun weit mehr Apps den Weg auch auf Macbook (Air, Pro) und Mac Mini finden werden.

Über eine dritte Kategorie von Software darf man gespannt sein, das sind jene für den Intel-Mac optimierten Programme, die mit dem Übersetzungslayer Rosetta arbeiten. Zu erwarten ist eine geringere Performance als bei nativen Programmen, wie stark die ausfällt, wird sich zeigen. Vor 15 Jahren waren die Unterschiede kaum auszumachen, weswegen sich etwa Adobe eine ganze Weile lang zierte, seine Software für den Mac von PPC auf x86 umzustellen. Entwickler weltweit sind laut Apple aber derart von den neuen Möglichkeiten begeistert, von der Geschwindigkeit und Sicherheit des Apple-Silicon-Mac und der unproblematischen Kompilierung dafür, dass der Umstieg diesmal deutlich schneller gehen könnte.

Der Vorhang zu – und eine Frage offen

Nur eine Frage blieb offen, die konnte oder wollte John "PC" Hodgman bei seinem Kurzauftritt am Schluss des herbstlichen Keynote-Reigens nicht beantworten: Was ist mit Windows auf dem Mac? Boot Camp ist ja nun Geschichte, Windows 10 für ARM führt bisher ein Nischendasein. Die Antwort darauf könnte aber auch lauten: Niemand braucht in den Zwanziger Jahren noch Windows auf dem Mac. Und wenn doch – es gibt ja noch Maschinen wie den iMac 27 Zoll mit Core-Chips, die noch bis 2025 für diese Zielgruppe ausreichende Leistung bieten werden. Apples Reise geht aber in Sachen Hardware und Software woanders hin.

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