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Optimaler Klang: Podcast-App Overcast mit aufwendiger Klangverbesserung

03.02.2020 | 17:30 Uhr | Stephan Wiesend

Die neue Version der Podcast-App bietet mit Voice Boost 2 eine aufwendige Normailisierungsfunktion und unterstützt Airplay 2.

Die App Overcast ist auf das Verwalten und Abspielen von Podcasts spezialisiert und nicht ohne Grund sehr beliebt: Die Oberfläche ist übersichtlich und komfortabel, man kann problemlos Podcasts abonnieren, herunterladen und verwalten. Die gerade erschienene neue Version bietet jetzt außerdem Unterstützung von Airplay 2, kann automatisch Intros/Outros überspringen und unterstützt wieder iOS 12 – die Vorversion war nur für iOS-13-Nutzer verfügbar. Etwas verbessert hat der Programmierer auch Smart Speed, eine Funktion für das Beschleunigen lahmer Sprecher und Überspringen von Pausen. Die wohl interessanteste Neuerung ist aber eine komplett überarbeitete Audio-Option namens Voice Boost 2. Auch ältere Versionen boten bereits eine gleichnamige Funktion, an der neuen Version hat der Entwickler Marco Arment allerdings ein Jahr gearbeitet: Voice Boost 2 bietet eine „professional-grade, mastering-quality loudness normalization“. Für Nicht-Audio-Fachleute ist dies natürlich wenig erhellend, aktiviert er aber diese Funktion, erhält er plötzlich eine bessere Tonqualität.

Die Podcast App bietet viele nützliche Funktionen.
Vergrößern Die Podcast App bietet viele nützliche Funktionen.

Die Hintergründe

Arment hat die komplexen Hintergründe aber auf seiner Webseite ausführlicher erläutert – es handelt sich nämlich nicht um eine simple Equalizer- oder Loudness-Funktion. Der Hintergrund für den großen Aufwand bei der Anpassung der Lautstärke: Manche Podcasts sind zu leise, andere sehr laut, was beim Wechsel zwischen den Podcasts unangenehm auffällt. Noch lästiger wird es, wenn in einem Podcast mehrere Personen mit unterschiedlicher Lautstärke sprechen – etwa in einem Messe-Interview. Manchmal ist eine Aufnahme auch qualitativ so schlecht, dass sie bei hoher Lautstärke hässlich übersteuert. Hier kann Overcast sehr wirksam die Tonqualität verbessern und führt dazu eine automatische Normalisierung durch. Eine einfache Lautstärkeanpassung wäre keine befriedigende Lösung, da schließlich auch in einem Podcast selbst die Lautstärke variiert und bei zu hoher Lautstärke Clipping auftritt – also Störgeräusche entstehen. Unberücksichtigt bliebe dabei außerdem die sogenannte Lautheit bzw. Loudness.

Die neue Audio-Funktion von Arment analysiert deshalb in Echtzeit den Ton eines Podcasts und führt eine Normalisierung der Loudness auf den Wert -14 LUFS durch. Diesen Wert hat Armen nicht frei gewählt, er nutzt einen neuen internationaler Standard namens ITU BS.1770-4, der etwa für TV- oder Radiosender gedacht ist. Man will man damit verhindern, dass der Nutzer nach jedem Senderwechsel eine andere Lautstärke oder Loudness zu hören bekommt – ein auch als Loudness Wars bekanntes Problem. (In Europa gibt es den ähnlichen Standard EBU-Empfehlung R 128). Professionell erstellte Podcasts folgen nebenbei oft bereits diesen Vorgaben, der Filter ändert hier also kaum etwas. Ein weiterer Vorteil: Siri und Befehle einer Navi nutzen die gleiche Lautstärke, beim Autofahren sind Navi-Befehle laut Arment weniger störend. Auch die Systemlast der Funktion soll sehr niedrig sein, bei einem iPhone SE etwa ein Prozent CPU-Last zusätzlich.

Overcast ist für iPad und iPhone verfügbar, die Nutzung der werbefinanzierten Version ist kostenlos möglich. Die Premium-Version ohne Werbung kostet 10 Dollar pro Jahr.

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