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Ostergeschenk-Tipp für Nerds: Ein Computer-Buch!

11.04.2022 | 10:00 Uhr | Thomas Hartmann

Wir haben es durchgelesen und sind begeistert: das ”Computergeschichte(n)”-Buch von Jürgen Wolf im Rheinwerk-Verlag mit allem, was man über das Thema wissen will.

”Nicht nur für Nerds”, so lautet der Untertitel zu dem Band mit gut 400 Seiten. Andererseits, es ist in seinen Themen so detailliert, dass es wohl wirklich nur für absolute Fans des Stoffes – eben in dem klassischen Sinne Nerds – wirklich durchgängig packend ist. Für alle anderen eignet es sich aber auch als Nachschlagewerk zu gezielten Fragen und Themen. Denn Jürgen Wolf, der laut Buchumschlag den Großteil seines Lebens hinter einem Computer verbrachte, erzählt hier die Highlights der Computer-Geschichte(n), aufgeteilt nach der eigentlichen Historie seit Erfindung des Abakus oder dem geheimnisvollen Mechanismus von Antikythera noch weit vor der Zeitenwende. Er geht auf die ersten ”richtigen” Computer ab Konrad Zuse bis Xerox Alto ein. Selbstverständlich kommen die ersten PCs und Heimcomputer inklusive von Apple ausführlich zur Sprache. Auch, wie sich die Mikroprozessoren immer schneller in Geschwindigkeit und Effektivität verbesserten. Danach kommen spezielle Meilensteine der Notebooks bis hin zum Apple iBook G3 zur Sprache, doch schon vorher werden Insider viele bekannte Modelle wieder erkennen, angefangen beim Dynabook-Konzept von Alan Kay über den Osborne 1, den Toshiba T1100 bis zum IBM Thinkpad.

iPhone, Softwareperlen und Computerspiele

Auch die Highlights der Entwicklung von Mobiltelefonen und Smartphones werden gebührend berücksichtigt, ebenso wie verschiedene (zunächst kommerziell erfolglose) Anläufe zu Tablets bis zum iPad ab 2010, das den Markt dann aufrollte. Spielekonsolen sind ebenfalls ein wichtiges Thema in der Entwicklung der Computer, der Grafik und der ganz persönlichen Geschichte von Computerfreaks, von denen viele mal mit Games angefangen haben. Danach geht es ausführlich um Betriebssysteme, wobei vor allem Unix eine wichtige Rolle spielte, schließlich basieren auch iOS und macOS darauf. Doch selbstverständlich geht es auch um die verschiedenen Anläufe von Microsoft oder Amiga & Co., Linux oder Next Step von Steve Jobs.

Dann werden wichtige ”Softwareperlen” vorgestellt, frühe Beispiele für Tabellenkalkulation und Textverarbeitung, für Präsentationen und Datenbanken bis hin zu Open Source, ein langes Kapitel über Programmiersprachen folgt. Anschließend darf das Herz aller Computerspiel-Freunde höher schlagen, denn von 1947 bis in die Neunzigerjahre hinein stellt der Autor die bekanntesten Entwicklungen vor. Wie gesagt, es geht um die Geschichte und weniger um die ganz aktuellen Entwicklungen, das würde diesen Band auch überfordern.  

Wo oder wie das Internet anfing

Denn nun geht es eilends weiter mit der Geschichte des Internets, das nicht etwa mit D(ARPA) anfängt, sondern schon vorher mit den ersten Sputnik-Signalen aus dem All und noch früher den Time-Sharing-Systemen der Fünfzigerjahre. Auch hier werden wir bis in die Neunzigerjahre hinein geführt, doch mit den Themen Geschichte der Webbrowser (inklusive ”Browserkrieg”) und den Suchmaschinen im Internet bis hin zu Google noch darüber hinaus.

Dann ist das Thema E-Commerce, wo Amazon schließlich eine führende Rolle spielte, nicht zu vergessen auch die ”Dotcom-Blase”, die 2000 platzte.

Im abschließenden längeren Kapitel folgt die kurze Geschichte der Social Media, die über das Computersystem PLATO in den Sechzigerjahren bis hin zur Tik Tok 2016 führt. Auch nostalgische Erinnerungen an Studi-VZ werden kurz wach.

Sind wir bald alle Cyborgs?

Ein Nachwort mit dem ebenfalls Nerd-haften Titel: ”Sind wir bald alle Cyborgs und werden Maschinen die Welt beherrschen?”, sozusagen im Rückblick aus der Zukunft geschrieben, schließt dieses unfassbar informative Werk, das in inhaltlichem Umfang und Fülle im Rahmen von 400 Seiten kaum zu überbieten sein dürfte. Toll finden wir auch, dass es zu vielen Bereichen wie Betriebssystem, Webbrowsern oder auch vergangenen Programmiersprachen immer wieder Links zu passenden Projekten im Internet oder Verweise auf Videos gibt, um sich das noch mal oder erstmals zu Gemüte zu führen. Praktischerweise findet sich im Buch ein Link, wo all diese Verweise ins Web als Materialien zum Buch praktisch versammelt sind. So muss man nicht wie in den alten Zeiten alles erst abtippen – gehindert wird man daran aber auch nicht.

Fazit und Empfehlung

Das Buch ist locker und zugleich äußerst kenntnisreich, mit unzähligen Details geschrieben. Wer sich für das Thema auch in der Tiefe interessiert, wird hier auf jeden Fall fündig. Ein Index hilft beim Auffinden zu speziellen Fragen oder Modellen. Mit 25 Euro hat das Buch einen angemessenen Preis, der auch für ein Ostergeschenk an die Liebsten (Nerds) in der Familie oder im Freundeskreis nicht zu hoch ist. Der Band mit der ISBN 978-3-8362-7777-8 ist 2020 im Verlag Rheinwerk Computing  erschienen und lässt sich auch direkt bei Amazon bestellen, alternativ als E-Book zum selben Preis aber nur über den Verlag. Tipp: Wer es niemand anderem schenken will oder nicht weiß, an wen, sollte es sich selbst gönnen!

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