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Patenttroll verklagt Apple wegen Touch-ID und Face-ID

24.02.2021 | 10:13 Uhr | Peter Müller, Halyna Kubiv

Eine australische Firma, die seit 2019 entsprechende Patente hält, hat Apple wegen Patentverletzung verklagt.

Am Gericht im Bezirk Ost-Texas ist eine Klage der australischen Holding CPC Patent Technologies gegen Apple wegen Verletzung von Biometrie-Patenten eingegangen. Apples Face-ID, Touch-ID und die Apple Card sollen drei Patente verletzen, die CPC im Jahr 2019 von der insolvent gegangenen Firma Securicom übernommen hatte. Alle drei Patente laufen auf den australischen Erfinder Christopher Burke. CPC entwickelt keine eigenen Produkte, hält nach eigenen Angaben aber eine Reihe von Patenten über biometrische Technologien.

Die zwei Patente unter den Nummern 9,269,208 und 9,665,705 beschreiben tatsächlich eine Identifizierung des Nutzers über eines der biometrischen Merkmale. Das erste Patent umfasst die Merkmale wie Iris, Gesichtszüge, Stimme oder Handflächenabdruck, das zweite Patent konzentriert sich auf der Entsperrung per Fingerabdruck. Zwar ist die Beschreibung der erfundenen Methode für Patenteinträge gewohnt schwammig, man merkt den Unterlagen an, dass sie noch vor der Smartphone-Ära entstanden sind und auf langsame Prozessoren setzen müssen. So schlägt der Autor darin vor, biometrische Merkmale, abgelesen von entsprechenden Sensoren mit einer entfernten Datenbank zu vergleichen.

Zwar gleichen Apples Touch-ID und Face-ID die Fingerabdrücke oder Gesichtszüge der Nutzer ab, aber das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten der beiden Methoden. Einerseits geschieht der biometrische Abgleich direkt auf dem Gerät, mehr noch, für solche Informationen hat Apple seit 2013 einen extra Co-Chip eingebaut – Secure Enclave genannt. Andererseits gleichen und speichern iPhones und iPads keine Original-Fingerabdrücke oder Gesichtszüge, sondern erstellen ein abstrahiertes mathematisches Modell davon. Diese Modelle werden dann auf Secure Enclave gespeichert. Auch bei jeder Anmeldung vermisst beispielsweise ein iPhone nicht die komplette Fingerkuppe oder das Gesicht, sondern sucht es nach konkreten Merkmalen ab und erstellt daraus ein neues Modell. Wird dieses von Secure Enclave als bereits bekannt erkannt, entsperrt sich das iPhone.

Ob das Gericht die Patentverletzung durch Face-ID oder Touch-ID erkennt, bleibt abzuwarten. Für gewöhnlich ziehen sich solche Prozesse über mehrere Monate, manchmal auch Jahre, wenn mehrere Gerichtsinstanzen involviert sind.

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