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Phil Schiller: Touch auf dem Desktop ist Verbrechen gegen die Natur

15.11.2016 | 12:50 Uhr |

In einer ausführlichen Betrachtung zur neuen Touch Bar berichtet Backchannel-Redakteur Steven Levy auch von einem Telefoninterview mit Phil Schiller.

Steven Levy macht sich auf seinem Blog intensiv Gedanken über die neuen Macbook Pro mit Touch Bar . Er lobt die gute Performance, die besseren Lautsprecher und das tolle Design – ” Space grey is definitely the new black ”. Und er kritisiert wie viele andere auch den hohen Preis, den kompromisslosen neuen USB-C-Port, der viele Anwender zwinge, sich Adapter zuzulegen, selbst für das gerade erst neu vorgestellte iPhone 7.

Doch der Schwerpunkt des sehr ausführlichen Artikels liegt auf der Touch Bar. Diese findet Levy  nach über einer Woche um Einsatz durchaus praktisch, ist auch beeindruckt von der präzisen Fertigung, sie sehe toll aus, besonders, wenn die Farben in hoher Auflösung leuchteten. Manche lang erlernten und genutzten Tastaturkürzel könne man jetzt einfach per Touch Bar antippen. Begeistert ist der Autor auch von der Touch-ID, mit der man sich ohne Umstände an seinem Macbook Pro anmeldet. Aber die Änderung der gewohnten Funktionstasten bringt für ihn auch eine gewisse Hemmung oder Verzögern im Workflow – anstatt praktisch blind hinzutippen, müsse er nun genau nachsehen, welche Funktion ihm gerade und das abhängig vom jeweiligen Programm aktuell angeboten wird. Eine zumindest anfängliche Lernkurve lässt sich also nicht verleugnen. Die automatischen Wortvorschläge auf der Touch Bar, wie man sie aus iOS kennt, findet Levy recht hilfreich, obwohl sie ihm wohl manchmal gegenüber seiner elaborierten Journalistensprache etwas zu suggestiv und schlicht ausfallen. Und im Web-Zusammenhang lassen sie sich – hier im Online-Texteditor – bislang nur mit Safari, aber nicht Chrome nutzen.

Doch am interessantesten ist sein Gespräch mit Apples Marketing-Vizepräsident Phil Schiller. Dieser äußerte sich Levy gegenüber bereits vor einem Jahr kritisch im Hinblick auf einen iMac mit Touchscreen. Dieses passe für ihn nicht zum einzigartigen Konzept des Desktop-Computers. Ein solcher Touchscreen auf einem Desktop- oder auch nur Laptop-Display sei ein ”Verbrechen gegen die Natur”, da es die formgegebene Funktion eines Notebooks oder Desktops verletze, zumindest so, wie Apple es sehe.

Inzwischen hat Microsoft mit seinem neuen All-in-One-PC Surface Studio zwar sogar einen 28 Zoll großen Bildschirm mit Touch Screen vorgestellt. Dieser lässt sich aber immerhin flach auf den Schreibtisch legen, was deutlich ergonomischer sein dürfte, als freihändig solche Wege in der Vertikalen auszuführen. Zumal Microsoft auch die für die Touchbedienung optimierte Kachel-Oberfläche entwickelt hat. Doch Schiller bleibt energisch bei seiner (und Apples) Einstellung: Man denke von der gesamten Plattform her. Allein die Menüs müssten für die Fingerbedienung passend umgestaltet werden. Man möge sich die Bewegungen zur Bedienung nur auf einem 27 Zoll-iMac quer durch die Luft vorstellen. Es sei unmöglich, beides zu optimieren – also den gewohnten Desktop oder Laptop mit der aus iOS vertrauten Touch-Bedienung.

Die neue Touch Bar sei dagegen eine natürliche Erweiterung des Tastaturprinzips – eine ”Teilzeit-Toucherfahrung“ der gewohnten Bewegungen auf dem Macintosh. Hier habe sich die sonst kaum genutzte Reihe mit den Funktionstasten geradezu angeboten. Es sei eine lupenreine Mac-Implementierung. Denn es ging laut Schiller nicht darum, wie bringen wir iOS auf den Mac – sondern wie nutzt man iOS-Technologie, um die Mac-Erfahrung zu optimieren. Dies war demnach von vornherein der Gedanke und die Version hinter der Entwicklung, die schließlich zur Touch Bar führte. Auch im Hinblick auf die USB-Schnittstelle sei man sich ”absolut noch sicherer als je zuvor, das Richtige getan zu haben”.

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