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Apple lehnt 40 Prozent neuer Apps ab

24.06.2019 | 17:01 Uhr | Stephan Wiesend

Bevor eine neue App im App Store erscheint, wird sie von Apples Abteilung App Review einzeln geprüft – letzte Entscheidungsgewalt hat aber Phil Schiller und das Apple Review Board.

Bis vor kurzem war es noch völlig unbekannt, wie Apple eigentlich die Millionen an Apps überprüft, die mittlerweile in den App Stores für iOS und macOS bereitstehen. Erst seit kurzem hat Apple auf einer eigenen Webseite einige Details zu den Abläufen veröffentlicht – ist es doch Apples Versprechen, dass Apple die Nutzer des App Stores vor unsicheren, instabilen und Spam-Apps schützt.

Über die Prüfer selbst und ihre Arbeit war aber weiter wenig bekannt. Ein ausführlicher Bericht von CNBC liefert jetzt aber einen guten Einblick in die Prüf-Prozeduren: Bevor eine App in Apples App Store veröffentlicht wird, prüft sie eine dem Bereich Marketing unterstehende Abteilung namens App Review. Jede App wird einzeln von einem echten Menschen überprüft, der bei Apple angestellt ist. Wie ein Insider-Bericht von CNBC informiert, beschäftigt Apple dabei zuletzt knapp dreihundert Angestellte in Sunnyvale, Kalifornien. Diese bei Apple beschäftigten Prüfer würden nach Arbeitsstunden bezahlt und müssten täglich zwischen 50 und 100 Apps überprüfen – was eine Software namens Watchtower auch überwacht. Diese Prüfer sind ebenso für englischsprachige als auch für fremdsprachige Apps in über 80 Sprachen zuständig, erst kürzlich habe Apple weitere Niederlassungen der App-Review-Abteilung in Cork und Shanghai eröffnet. Sie sitzen dabei übrigens nicht vor iPhones, sondern nutzten eine Webanwendung namens App Clam und ein angeschlossenes iPad – auch bei iPhone-Apps.

Oft dauert die Überprüfung laut den von CNBC befragten Insidern nur wenige Minuten, kann aber auch längere Zeit in Anspruch nehmen. Dabei achten die Tester auf Einhaltung der App Store Richtlinien, ob die App stabil läuft oder illegale Inhalte enthält.

Anfangs würde ein Reviewer ausschließlich iPhone-Apps testen, erfahrene Prüfer dann auch Apps mit In-App-Käufen, Abos sowie Apps für Apple Watch und Apple TV.

Die Urteile sind „Accept, reject or hold“ und knapp 40 Prozent der Apps werden abgelehnt. Nicht immer einfach soll dabei die Kommunikation mit den Entwicklern sein, gelegentlich würden die Prüfer sogar bedroht. Ein Widerspruch der Entscheidung ist aber möglich, dann wird die App von einer höherstehenden Instanz namens App Review Board bewertet – nach weiteren Einsprüchen unter Umständen vor dem Executive Review Board. Bei der Vielzahl der abgelehnten Apps handele es sich aber um Apps mit Fehlern oder sie verletzten die Privatsphäre der Nutzer. Mit knapp 1000 Entwicklern würde Apple außerdem pro Woche telefonieren, um diese Entscheidungen zu erklären – Aufzeichnungen dieser Gespräche haben im Netz bereits eine gewisse Berühmtheit erlangt.

Bei wichtigen Entscheidungen trifft aber das ERB oder Executive Review Board die Entscheidung: Bestehend aus dem für den App Store verantwortliche Phil Schiller mit anderen Vizepräsidenten von Apple. Dieses Gremium traf auch die Entscheidung, die App Infowars auszuschließen.

Sonderregeln für Apps großer Konzerne soll es laut dem Bericht nicht geben, auch eine App wie Spotify oder ein Update der App wie Netflix durchlaufe den gleichen Prozess.

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