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Hongkong: Apple lässt die Protest-App doch noch zu

07.10.2019 | 09:48 Uhr | Peter Müller

Der App Store hat eine App, welche die Aktivitäten von Demonstranten und Polizei auf einer Echtzeitkarte anzeigt, doch noch zugelassen.

Update vom 7. Oktober 2019:

Revidiert: Apple hat die App HKmap.live, mit der sich Bürger Hongkongs über Demonstrationen und Polizeiaktion informieren und deren Verlauf auf einer Karte verfolgen können, nun doch für den App Store zugelassen. Ursprünglich hatte die Qualitätskontrolle die App zurückgewiesen, da sie angeblich zu illegalen Aktivitäten verleite. Nach einer Revision ist die App nun doch im App Store, die Entwickler bedanken sich bei Apple dafür und ordnen die ursprüngliche Zurückweisung eher als einem bürokratischen Akt geschuldet denn als politischer Entscheidung.

Ursprüngliche Nachricht vom 4. Oktober 2019:

Ein Land – zwei Systeme: Die zur Übergabe der einstigen Kronkolonie Hongkong an die Volksrepublik China für 50 Jahre vereinbarte Formel ist in großer Gefahr. Immer mehr sehen sich die Bürger der Stadt im Perlflussdelta Repressalien der eigenen Regierung ausgesetzt, die unter Druck der Volksrepublik steht, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit und Wirtschaftsfreiheit stehen auf dem Spiel, zornige, aber in der Regel friedliche Proteste sind die Folge, von der Polizei oft brutal niedergeschlagen.

Apple habe den Protestanten nun einen Bärendienst erwiesen, in dem es eine App, mit der man die Aktivitäten der Polizeikräfte verfolgen und sich damit den Häschern entziehen kann, vom  App Store zurückgewiesen hat, berichtet Business Insider .  HKMap Live hat auch die aktuellen Demonstrationen auf einer Live-Karte vermerkt. Die App würde illegale Aktivitäten unterstützen oder gar zu solchen aufrufen, hieß es zur Begründung, wie der Entwickler auf Twitter erklärte.

Anders als zunächst behauptet, hat Apple die App aber nicht aus dem Angebot entfernt, sondern gar nicht erst zugelassen, ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Im Android Play Store, der es weniger genau mit Überprüfungen nimmt, ist die Anwendung erhältlich.

Apple will nun aber die Abweisung überprüfen, womöglich werde die App also doch zugelassen, berichtet Mark Gurman für Bloomberg . Es ist ein normaler Vorgang, nach einer Ablehnung eine App zur erneuten Überprüfung einzureichen. Der Entwickler, der sich extra einen Mac und ein iPhone gekauft habe, um seine App zu programmieren, hofft nun, dass Apple ihn wenigstens seine App veröffentlichen lasse. Apple stellt sich bei seiner App-Policy stets auf den Standpunkt, sich an die Gesetze des Landes zu halten, in dem es sein Business betreibe. So fehlen etwa im chinesischen App Store diverse VPN-Apps, mit denen man Nachrichtenquellen außerhalb der digitalen Mauer, die China um seine Staatsbürger herum errichtet, auf dem iPhone lesen könnte.

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