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Prüfung des Kongresses: Apple enthüllt interne Informationen

22.11.2019 | 15:40 Uhr | Stephan Wiesend

Bei der Beantwortung von Fragen des Kongresses verrät Apple viele Einzelheiten zu den Kosten von Maps, Reparaturkosten und Safari.

Neben Facebook, Amazon und Google wird auch Apple im Rahmen einer Kartellrechtlichen Untersuchung des US-Kongresses  befragt. Ein kürzlich veröffentlichtes sechzehnseitiges Dokument , in dem Apple die Fragen des Kongressese beantwortet, (genauer dem Subcommittee on Antitrust, Commercial and Administrative Law of the Committee on the Judiciary ) verrät dabei viele interessante Details, die Fragen beantwortete für Apple Kyle Andeer, Vice President Corporate Law. 

Safari

Die vielleicht kritischsten Fragen betrafen den Browser Safari, der ja auf jedem iPhone vorinstalliert ist und auch nicht deinstalliert werden kann. Apple begründet dies damit, der Browser sei Bestandteil des Betriebssystems und eine Deinstallation würde die Funktionalität des iPhones beeinträchtigen. Über den App Store könne man aber alternative Browser installieren.

Allerdings bleibt Safari der Standard-Browser, was auch nach der Installation einer Alternative nicht geändert werden kann. Auch dies begründet Apple mit der „industry-leading“ Sicherheit und Datensicherheit des Browsers. Letzteres sei auch der Grund, warum alternative Browser auf die Apple-Engine Webkit zurückgreifen müssen. Dadurch könne Apple auch schnell Sicherheitslücken schließen, ohne dass andere Entwickler aktiv werden müssten. Nicht alle Funktionen von Safari stünden anderen Browser-Entwicklern zur Verfügung: Bei WebRTC habe Apple noch keine Möglichkeit gefunden, die Funktion für anderen Browser verfügbar zu machen, Service Workers seien nicht verfügbar um Missbrauch auszuschließen, Intelligent Tracking Protection soll unter Kontrolle der Nutzer bleiben und auch der Vollbildmodus werde aus Sicherheitsgründen für andere Programme gesperrt.

App Store

Erklären sollte Apple dem Komitee, warum nach Apples Angaben nur 16 Prozent der App ihre Einnahmen mit Apple teilen würden – ein sehr niedriger Satz. Laut Apple liege dies an den vielen Zahlungsmöglichkeiten: Es gebe viele kostenlose Apps, hier erhalte Apple für Support, Bereitstellung und Verbreitung keine Gebühren. Andere Apps würden Umsätze durch den Verkauf von Gütern und Waren erzielen, etwa den Verkauf von Kleidung oder Lebensmittel. Keine Zahlungen erhalte Apple von Abo-Apps, die Bücher, Musik und TV-Angebote bereitstellen – da der Kunde nicht über iOS gewonnen wurde. Gebühren erhalte Apple nur über Bezahl-Apps, In-Apps-Käufe und Abo-Apps, die auf Apples IAP-System zurückgreifen und das Abo über die App oder ein Spiel abschließen. Apple betont dabei, dass Apple von einer Vielzahl der Apps keine Gebühren beziehe.

Apps, die mit Apples eigenen Apps konkurrieren, wären uneingeschränkt über den App Store verfügbar.

Exklusive Funktionen

Interessant für viele Entwickler ist die Frage, warum Apple seinen eigenen Apps exklusive Funktionen gewähre, die andere Entwickler nicht nutzen könnten: laut Apple eine Folge der eigenen Entwicklung. „Unsere Entwicklungsstrategie führt zu einem tief integrierten, fast nahtlosen Produkt. Es wäre schwierig, wenn nicht gar unmöglich, Dritten den gleichen Zugang zu gewähren.“ Die wichtigsten Innovationen würden aber auch Dritten bereitgestellt, etwa Face ID, Neural Engine, Siri und viele mehr.

Bei der Frage, warum Entwickler nicht die E-Mail-Adresse ihrer Kunden erhielten, beruft sich Apple auf den Schutz der Privatsphäre der Kunden. Ein Entwickler könne die Adresse aber über seine App beim Kunden erfragen.

Maps

Auf die Frage, wie viel Geld Apple in die Entwicklung des Dienstes Apple Maps gesteckt, hat, blieb Apple leider sehr vage und sprach nur von „billions“ also Milliarden. 

Der Grund für die Erstellung eines eigenen Dienstes neben Google Maps war laut Apple die Überzeugung, einen besseren Kartendienst erstellen zu können. Auch der Schutz der Benutzerdaten war die Absicht, so würden Bewegungsdaten des Nutzers auf dem Gerät bleiben – und Daten wie Routen, Verkehrsinformationen und Suchanfragen würden anonymisiert.

Reparatur von Hardware

Auch zu Einschränkungen von unabhängigen Werkstätten, die Apple-Geräte reparieren, wurde Apple befragt. Laut den Antworten gehe es Apple dabei vor allem um Sicherheit und Verlässlichkeit. Es würde nicht ausreichen, Anleitungen und Ersatzteile frei bereitzustellen, Apple müsse auch darauf achten, dass die Techniker geschult und zertifiziert würden. Bei unsachgemäßen Reparaturen könnte etwa der Akku beschädigt werden, was zu Überhitzungen des Gerätes oder Verletzungen führen könnte.

Apple habe aber das Angebot an Reparaturmöglichkeiten ausgeweitet und verweist auf das neue Independent Repair Provider Program, das auch Betrieben außerhalb des ASP-Programms Zugriff auf Trainings und Original-Zubehör ermöglichen soll. Für die USA verweist Apple auf 1000 Best Buy Stores, die Reparaturen anbieten.

Apple würde aber keinen Kunden davon abhalten, Reparaturen von anderen Anbietern durchführen zu lassen. Laut Apple gibt es übrigens in den USA zehntausende von Apple zertifizierte Techniker. Seit 2009 hätten laut Apple die Kosten für die Bereitstellung der Reparaturdienste mehr gekostet, als die Einnahmen durch Reparaturen.

Auf Nachfrage bestreitet Apple außerdem, Reparaturen grundsätzlich zu verweigern, wenn zuvor eine nicht zertifizierte Reparatur durchgeführt wurde. Eine Reparatur würde aber verweigert: Wenn bestimmte Komponenten wie das Mainboard oder Gehäuse durch Nicht-Original-Teile ausgetauscht wurden, es bis zu einem bestimmten Grad zerlegt wurde (Anmerkung des Autors: wie ein Teardown bei iFixit), bei gefälschten Komponenten wie Kamera und Lautsprecher, wenn die Reparatur wirtschaftlich nicht sinnvoll ist, einzelne Komponenten fehlen oder absichtlich manipuliert wurden um Apple zu täuschen.

Google

Auf die Frage, wie viel Geld Apple von Google für die Bereitstellung der Google-Suchmaschine erhält, gibt Apple eine ausweichend wirkende Antwort. Man könne außerdem auf Apple-Geräten eine andere Suchmaschine auswählen.

Siri

Siri sammelt Suchanfragen, die auch von Apple gesammelt und ausgewertet werden. Man habe aber einige Änderungen angekündigt:  Audio-Aufnahmen würden nun automatisiert transkribiert, diese Transkripte werden für die Verbesserung von Siri benötigt. Es gibt nun eine Opt-In-Option für Nutzer. Nur nach einer ausdrücklichen Erlaubnis des Nutzers kann Apple Audio-Daten auswerten. Ausschließlich Apple-Angestellte werden diese Aufnahmen hören. Laut Apple werde nur eine „limited group of trained Apple employees“ die Aufnahmen prüfen um die Qualität der Sprachbefehle auszuwerten – ob Siri etwa absichtlich aktiviert wurde oder korrekt geantwortet hat.

Wettbewerbsrecht

Bei weiteren Fragen geht es um das Thema Wettbewerbsrecht, etwa die Anzahl von Angestellten mit Non-compete-Clauses (laut Apple keine), Verzicht auf Patentklagen durch Geschäftspartner (laut Apple keine) und Schiedsverfahren mit Angestellten (laut Apple zwei Verfahren, aufgrund von Kündigungen).

Unsere Meinung:

Auch ohne Interesse an Kartellrecht liefert die Befragung interessante Details: Etwa die hohen Kosten für Apple Maps und niedrige Einnahmen durch Reparaturen. Beim Thema Safari bleiben Apples Antworten aber doch etwas unbefriedigend: Alle Nutzer auf einer Plattform zur Verwendung des gleichen Browsers zu zwingen, führt vielleicht eher zu einer größeren Anfälligkeit gegen Angriffe und nicht zu mehr Sicherheit.

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